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Protest gegen SOPA und PIPA

Wikipedia geht morgen offline

Simon verantwortet als Program Manager Executive Education die Geschäftsentwicklung und die Inhalte des IDG-Weiterbildungsangebots an der Schnittstelle von Business und IT. Zuvor war er rund zehn Jahre lang als (leitender) Redakteur für die Computerwoche tätig und betreute alle Themen rund um IT-Sicherheit, Risiko-Management, Compliance und Datenschutz.
"Operation Blackout": Aus Protest gegen die US-Gesetzesinitiative gegen Online-Piraterie geht die englischsprachige Wikipedia am Mittwoch für 24 Stunden vom Netz.
Mit dem Eintrag "Formal Announcement" kündigte Wikipedia-Gründer Jimmy Wales die "Blackout"-Aktion via Twitter an.
Mit dem Eintrag "Formal Announcement" kündigte Wikipedia-Gründer Jimmy Wales die "Blackout"-Aktion via Twitter an.

Wikipedia-Gründer Jimmy Wales kündigte die Aktion "Blackout" via Twitter an. Sollten SOPA (Stop Online Piracy Act) und PIPA (ProtectIP Act) Erfolg haben, werde "das freie und offene Internet angegriffen und neue Zensurmaßnahmen geschaffen", heißt es in einer Pressemitteilung der Wikimedia Foundation. Mehr als 1800 Wikipedianer hätten drei Tage lang mögliche Aktionen debattiert und sich mit großer Mehrheit für eine vorübergehende Offlinenahme der Online-Enzyklopädie ausgesprochen. "Wir bitten alle Wikipedia-Nutzer dringend, ihre Stimme zu erheben", heißt es in der Pressemeldung weiter. Die Community empfiehlt, sich per E-Mail direkt an die Abgeordneten zu wenden und die Kritik zum Ausdruck zu bringen.

In ihrer Pressemitteilung zum geplanten "Blackout" weist die Wikimedia Foundation auf die Gefahren von SOPA und PIPA hin.
In ihrer Pressemitteilung zum geplanten "Blackout" weist die Wikimedia Foundation auf die Gefahren von SOPA und PIPA hin.

Mit SOPA im US-Abgeordnetenhaus und PIPA im Kongress werden derzeit zwei Gesetzesentwürfe beraten, die die Rechte der Musik- und Filmindustrie schützen sollen. Sollten sie Gesetz werden, hätten die US-Justiz und die Urheberrechtsinhaber künftig die Möglichkeit, gerichtliche Verfügungen gegen Website-Betreiber zu beantragen, die gegen das amerikanische Urheberrecht verstoßen. Der Download von geschützten Inhalten würde offiziell in den Stand einer schweren Straftat erhoben und Internetprovider, die nicht gegen rechtswidrige Internetinhalte vorgehen, belangt werden können. So sollen die Provider ihren Nutzern den Zugriff auch auf ausländische Websites sperren, sobald diese raubkopierte Inhalte zugänglich machen.

Kritiker sehen die Netzfreiheit und -neutralität stark gefährdet, da für die Vorhaben neue Sperrinfrastrukturen aufgesetzt werden müssten. Eine Weballianz aus großen Konzernen wie Google, Yahoo, Twitter und eben Wikipedia hat sich bereits vor Wochen unter anderem in einem offenen Brief gegen die Pläne vieler US-Politiker und der Content-Industrie gestellt. Die USA liefen Gefahr, das Internet genauso zu zensieren, wie es in repressiven Staaten wie China und dem Iran bereits üblich sei, heißt es darin. Auch US-Präsident Barack Obama bekräftigte in dieser Woche, dass seine Regierung kein Gesetz unterstützen werde, "das die Meinungsfreiheit einschränkt und die dynamische und innovative Kraft des weltweiten Netzes untergräbt." Gleichwohl müsse der Staat eine Antwort auf die problematische Verletzung von Urheberrechten im Internet finden.