Präzedenzfall für Snowden?

Wikileaks-Enthüller Manning vor Gericht

25.07.2013
Wikileaks-Enthüllungen machten Bradley Manning bekannt. Jetzt geht der Prozess gegen den mutmaßlichen Geheimnisverräter zu Ende. Ein Musterfall für zwei Männer mit eingeschränkter Bewegungsfreiheit?
Bradley Manning droht lebenslang plus 154 Jahre Haft.
Bradley Manning droht lebenslang plus 154 Jahre Haft.

Diesen Richterspruch dürften der US-Informant Edward Snowden und Julian Assange, Gründer der Enthüllungsplattform Wikileaks, gleichermaßen mit Spannung erwarten. Im ersten großen Whistleblower-Prozess in den USA steht ein Urteil kurz bevor. Auf der Militärbasis Fort Meade im Ostküstenstaat Maryland sollten am Donnerstagabend (MESZ) die Schlussplädoyers im Strafverfahren gegen den mutmaßlichen Geheimnisverräter Bradley Manning beginnen. Der Analyst im Geheimdienst der Armee wurde vor mehr als drei Jahren im Irak verhaftet. Seitdem sitzt er im Gefängnis.

Für die US-Regierung wurden die Enthüllungen Mannings zum Informations-GAU: Aufnahmen von Luftangriffen im Irak und in Afghanistan, auf denen das Militär Zivilisten tötet sowie Berichte über Guantámao-Häftlinge und eine Viertelmillion Depeschen von amerikanischen Diplomaten. Wusste der Obergefreite, dass diese geheimen Informationen, die er der Enthüllungsplattform Wikileaks zuspielte, in die Hände der Terrororganisation Al-Kaida gelangen würden? Eine US-Spezialeinheit fand die Dokumente auf dem Computer von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden.

Ganz genau beobachten werden den Prozess wohl zwei Männer, deren Bewegungsfreiheit im Moment sehr eingeschränkt ist: Der Enthüller des NSA-Spähprogramms, Edward Snowden, und Wikileaks-Gründer, Julian Assange. Beide müssen ebenfalls befürchten, in den USA wegen Geheimnisverrats angeklagt zu werden - allerdings nicht vor einem Militärstrafgericht. Dem langen Arm amerikanischer Behörden konnten sie sich bislang allerdings entziehen.

Die Anklage wirft dem 25-jährigen Manning vor, die Dokumente mit böser Absicht weitergegeben zu haben. "Er war speziell ausgebildet und wusste, dass Al-Kaida das Internet verwendet", hatte Staatsanwältin Angel Overgaard gesagt. "Er wusste genau um die Konsequenzen seiner Handlungen." Strafverteidiger David Coombs meint hingegen, Computerspezialist Manning habe hehre Ziele gehabt: "Es war seine Intention, Debatten und Reformen zu entfachen."

Bis zuletzt trug Manning im Prozess seine blaue Paradeuniform. Stumm verfolgte der schmächtige Soldat zwischen seinen Anwälten den Militärstrafprozess. Manning steht im Mittelpunkt, spielt aber selbst keine Rolle. Ausgesagt hat er nicht. Fast wie ein Gehilfe reicht er Unterlagen weiter, bedient die Mikrofonanlage und folgt mit gespanntem Blick dem seit Tagen andauernden Schlagabtausch, der über sein Leben entscheiden wird.

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