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Wieviel .NET für Longhorn?

27.05.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Seit Anfang dieser Woche wird in der Branche darüber spekuliert, in welchem Umfang Microsoft seine .NET-Technik für den Windows-Nachfolger "Longhorn" verwenden wird. Den Gerüchten zufolge soll das Betriebssystem nicht auf dem .NET-Framework aufsetzen, ausgenommen einiger neuer Features wie das Grafiksystem "Avalon" und die auf Web-Services beruhende Kommunikationsschicht "Indigo". Auch Entwickler müssten sich nicht zwangsläufig der .NET-Mechanismen bedienen, wollen sie die Vorteile von Longhorn für ihre Applikationen nutzen.

"Viel Lärm um nichts", reagierte jetzt Gartner-Analyst David Smith auf derartige Diskussionen. "Ich wundere mich, dass manche Leute glauben, Longhorn sei komplett mit .NET aufgesetzt. Das Betriebssystem sei ein riesiges Bündel kompilierter Programme, die ihrerseits viele Millionen Codezeilen umfassen. Microsoft habe nie die Absicht geäußert, jedes Programm von Grund auf neu zu schreiben. Im Gegenteil: Gerade in Bezug auf das Zusammenspiel mit Nicht-.NET-Techniken habe man in Redmond immer wieder die Abwärtskompatibilität von Longhorn betont.

Dennoch gibt es auch mahnende Stimmen. Microsoft-Beobachter Joel Spolsky von der US-amerikanischen Softwareschmiede Fog Creek gibt zu bedenken, dass .NET die Basis für die nächste Generation von Visual Basic sein werde. Da sich die Entwicklungsumgebung hervorragend für Unternehmensapplikationen eignet, sieht er die Gefahr einer auf Anwendungs- und Betriebssystemebene zweigleisigen Technikzukunft. (ue)