Software in Krisenzeiten

Wie Unternehmen liquide bleiben

Vice President Software & SaaS Markets PAC Germany
Viele Unternehmen tun sich schwer, ihre finanzielle Liquidität schnell und korrekt zu ermitteln. ERP- und Rechnungswesenanbieter wollen für Abhilfe sorgen.

Vorhersagen über den Geschäftsverlauf fallen Unternehmen schwer, ganz gleich aus welcher Branche sie kommen. In Zeiten konjunktureller Unsicherheiten verschärft sich die Lage: Selbst Konzerne wie Daimler oder die Deutsche Bank wagen keine Umsatz- und Gewinnprognose. Am ehesten melden sich noch die Verbände mit Prognosen zu Wort. Beispielsweise befürchtet der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) einen Rückgang der Produktion um bis zu 20 Prozent in diesem Jahr. Besonders die Automobilzulieferer leiden in der Krise, Umsatzrückgänge von bis zu 40 Prozent sind hier keine Seltenheit. Kommt das Neugeschäft zum Erliegen oder stornieren Kunden sicher geglaubte Aufträge, geraten Firmen schnell in Bedrängnis. Umso wichtiger ist es für sie, jederzeit zu wissen, wo sie finanziell stehen.

Management by Kontoauszug ist zu wenig

Tools für das Liquiditäts-Management verwerten Informationen aus der Finanzbuchhaltung, aus Kreditplänen, dem Bestellwesen, der Auftragsverwaltung, den offenen Forderungen und Verbindlichkeiten. Sie berücksichtigen Zahlungseingänge von Kunden, aber auch Zahlungsausgänge wie Entgeltzahlungen und Mieten. Entsprechende Software soll es den Unternehmen gestatten, ihre liquiden Mittel ad hoc zu erfassen und für die Zukunft zu prognostizieren.

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Mit Unternehmensplanung fängt es an

Firmen, die bisher nur aus dem Bauch entscheiden haben, können schnell ins Trudeln kommen.
Firmen, die bisher nur aus dem Bauch entscheiden haben, können schnell ins Trudeln kommen.

Liquiditätsplanung und -Management funktionieren aber nicht isoliert, sondern leiten sich aus der Unternehmensplanung ab, mit der Firmen den Absatz, den Materialeinsatz und den Personalbedarf disponieren. Aus einer daraus erzeugten Planbilanz ergibt sich der Kapitalbedarf. Für Konzerne ist das gängige Praxis. Die Muttergesellschaft verlangt dies von den einzelnen Töchtern. Auch die Banken verlangen solche Angaben. Vor allem mittelständische Unternehmen, die nicht zu einem Konzernverbund gehören, sind hier oft nicht gut aufgestellt. "Einzelunternehmen aus dem Mittelstand, die bisher gutes Geld verdient haben und oft aus dem Bauch entscheiden, können hier schnell ins Trudeln kommen", beobachtet Manfred Brinkmann, Experte für Unternehmens- und Liquiditätsplanung beim Beratungshaus MQ Result aus Tübingen. "Wer seinen Jahresabschluss für das vergangene Kalenderjahr erst Mitte des Jahres erledigt und keine Monatsabschlüsse anfertigt, erkennt oft zu spät die Veränderung der Rahmenbedingungen für das Unternehmen und trifft daher eher die falschen oder keine Entscheidungen."

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Mit der Liquiditätsplanung halten Firmen ihre Ein- und Auszahlungen im Griff, damit sie ihren Zahlungsverpflichtungen nachkommen können. Zum Liquiditäts-Management zählt, die Laufzeiten von Forderungen zu überwachen, säumige Kunden zu mahnen und gegebenenfalls längere Laufzeiten für eigene Verbindlichkeiten auszuhandeln.

Was in der Theorie einleuchtet, gestaltet sich in der Praxis schwierig, denn es setzt saubere Unternehmensdaten und effiziente Prozesse voraus. "Liquiditäts-Management wird oft unterschätzt und auf die Darstellung in Linien und Balken reduziert. Das eigentliche Problem aber ist die Beschaffung aller liquiditätsrelevanten Daten", so Bernd Koschitzki, Prokurist bei CSS, Anbieter für Rechnungswesen- und Controlling-Software aus Fulda.

Informationen gibt es genug - man muss sie aber finden

Über die für eine Liquiditätsbetrachtung erforderlichen Informationen verfügen die Unternehmen bereits, doch die Kunst besteht darin, sie zusammenzutragen und in einem zeitlichen Verlauf zu betrachten. Schwer tun sich Firmen, wenn sie unterschiedliche Systeme nutzen. So summieren sich beispielsweise Forderungen und Verbindlichkeiten aus der Rechnungswesenapplikation, Bestellobligo und Auftragsbestände aus dem ERP-System und Zahlungspläne für Darlehensverbindlichkeiten, Entgeltzahlungen, wiederkehrende Mietzahlungen aus einem dritten System. Doch auch wenn die Angaben in einer zentralen ERP-Software zu finden sind, lässt sich daraus nicht gleich automatisch die Liquidität des jeweiligen Unternehmens herauslesen.