Cloud-Management

Wie Unternehmen den Cloud-Wildwuchs in den Griff kriegen

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Data Center, Virtualisierung und Big Data.
In vielen Organisationen steigt die Anzahl der eingesetzten Cloud-Services stetig. Wer den Überblick behalten will, muss eine Menge Fragen beantworten und am Ende entscheiden, welche Tools sich für ein effektives Cloud-Management eignen.

Wie viele Cloud-Services nutzt Ihr Unternehmen? - Egal was Sie antworten, die tatsächliche Zahl liegt wahrscheinlich um den Faktor zwei oder drei höher. Das behauptet Eric Christopher, CEO von Zylo, Anbieter einer SaaS-Management-Plattform. Die meisten seiner Kunden wüssten gar nicht, wie viele unterschiedliche Cloud-Dienste in ihrer Organisation im Einsatz sind: "Wenn sie 50 schätzen, sind es in Wirklichkeit 180".

Die wachsende Popularität von Cloud-Services hat vielerorts zu einem Wildwuchs geführt, der Unternehmen bares Geld kosten kann.
Die wachsende Popularität von Cloud-Services hat vielerorts zu einem Wildwuchs geführt, der Unternehmen bares Geld kosten kann.
Foto: kuehdi / shutterstock.com

Der Manager verweist auf Studien, wonach die berüchtigte Schatten-IT in 40 Prozent der Unternehmen verbreitet sei. Christopher: "Wenn wir von unseren Kunden ausgehen, sind es 70 bis 100 Prozent." Früher habe eine kleine Gruppe im Unternehmen über die Beschaffung eines IT-Systems für einige Millionen Dollar entschieden. Heute gehe es oft um viele Millionen Dollar, die zum Teil aus ganz anderen Töpfen wie etwa dem Marketing-Budget bezahlt würden und deshalb für IT-Verantwortliche oft unsichtbar seien.

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Hier kommen Cloud-Management-Services wie die von Zylo ins Spiel. Das System gibt Auskunft darüber, für welche Cloud-Services ein Unternehmen bezahlt und wie effizient diese genutzt werden. Zehn bis 20 Prozent der Cloud-Service-Abos würden nicht in vollem Umfang genutzt, beobachtet Christopher. Das führe zu Redundanzen und vermeidbaren Kosten. Er kenne Unternehmen, die 25 verschiedene Collaboration- oder 20 Video-Conference-Systeme einsetzten. Dafür mag es Gründe geben, beispielsweise unterschiedliche Anforderungen der Nutzergruppen. Aus Sicht des IT-Managements könnten so aber auch schnell Kompatibilitätsprobleme auftauchen.

Zylo versucht, Ordnung in die Cloud-Landschaft zu bringen. Der Service integriert sämtliche Finanzsysteme des Unternehmens und erfasst alle beschafften SaaS-Produkte, erklärt Christopher die Funktionsweise. Diese Daten kombiniere Zylo bei Bedarf mit Nutzerdaten aus dem Active Directory sowie mit Informationen aus dem Identity- und Single-Sign-on-Service Okta. Mit ihm lassen sich unterschiedlichste Cloud-Services und -Abonnements verwalten. Der Dienst erlaubt es Unternehmen etwa, Mitarbeitern bestimmte Nutzungsrechte zuzuweisen, aber auch Policies für Zugangsberechtigungen zu definieren.

Auch Microsofts Azure Active Directory Premium enthält neben Identitäts- und Zugriffsverwaltungsfunktionen ein Cloud-Service-Audit Tool. Dabei stehen aber weniger finanzielle Aspekte im Vordergrund. Vielmehr überprüft das Tool, auf welche Online-Dienste Systeme im eigenen Netzwerk zugreifen.