Reality Check Cloud Computing

Wie Unternehmen Cloud-Storage nutzen

19.06.2012
Von 
Ariane Rüdiger ist freie Autorin und lebt in München.

Der Mittelstand und das Kreuz mit der Cloud

Mittelständler sitzen dagegen in Sachen Cloud-Storage häufig zwischen den Stühlen. Sie haben die Phase ohne eigene IT längst hinter sich gelassen, besitzen aber nicht die Einkaufsmacht der ganz Großen. Deshalb agieren sie vorsichtiger als Großunternehmen; denn in einem langwierigen und kostspieligen Rechtsstreit, etwa um das Verschwinden oder die unsachgemäße Handhabung von Daten, könnten sie sich im Zweifel gegen einen großen Kontrahenten mit "langem Atem" kaum durchsetzen.

Folglich dominieren in diesem Kundensegment Hybridlösungen: Viele Daten werden intern gehalten, manche Funktionen wie das Backup werden an externe Dienstleister in der Cloud ausgelagert, weil zum Beispiel die Abwicklung im eigenen Haus zu aufwändig wäre.

Ein Beispiel dafür ist Albany Door Systems, ein Spezialhersteller für Hochgeschwindigkeits-Rolltore. Das Unternehmen beschäftigt in Deutschland insgesamt 370 und weltweit 680 Mitarbeiter. Niederlassungen befinden sich in allen europäischen Ländern, ferner in den USA, China und Neuseeland.

Albany verlässt sich auf zwei Cloud-Dienste: den Backup-Service Mozy von EMC und demnächst auch Amazon S3 für eine Web-Applikation. "Wir nutzen schon seit drei Jahren Mozy für das Backup, und zwar in Niederlassungen ohne spezialisierte IT-Mitarbeiter", erklärt Markus Böckeler, Projektleiter IT/IS. Es habe sich als unsicher herausgestellt, diese Aufgabe nebenbei erledigen zu lassen. So sei es einmal aufgrund einer Fehlbedienung durch einen ungenügend eingewiesenen Mitarbeiter, der den für das Backup zuständigen Mitarbeiter kurzfristig vertreten musste, zur Zerstörung eines ganzen Servers gekommen. "Das war für uns die Initialzündung", betont Böckeler.

Backup über Nacht

Das Backup der Niederlassungen erledigt Mozy nun automatisch und inkrementell jede Nacht. Auf den Servern des Kunden ist dafür ein Client installiert. Gesichert werden derzeit rund 1,2 TByte. In Deutschland sei das dabei verwendete Verfahren durch den externen, ebenfalls als Dienstleister arbeitenden Datenschutzbeauftragten abgesegnet worden, berichtet Böckeler. Allerdings vertraut er Mozy nicht ganz: Alle Daten werden zusätzlich - ebenfalls über den Mozy-Client - auf einer externen Festplatte direkt vor Ort gesichert. Das mag absurd erscheinen, verdoppelt sich dadurch doch die für die Sicherung verbrauchte Speicherkapazität.

„Bei Cloud-Storage-Providern sind noch keine Datenverluste bekannt geworden.“ Frank Sempert, Senior Program Executive, Saugatuck Technology Inc.
„Bei Cloud-Storage-Providern sind noch keine Datenverluste bekannt geworden.“ Frank Sempert, Senior Program Executive, Saugatuck Technology Inc.
Foto: Saugatuck

Andererseits verhält sich Albany Door Systems damit durchaus mittelstandstypisch, kommentiert Frank Sempert vom auf Cloud Computing spezialisierten Beratungsunternehmen Saugatuck Technology. "Der Mittelstand fährt häufig eine solche Doppelinfrastruktur, obwohl die wahrscheinlich meistens überzogen ist"; beobachtet er. "Die Firmen kaufen Storage beim Provider und speichern die Daten aus Sicherheitsgründen trotzdem nochmal zu Hause." Im Übrigen sei Cloud-Storage häufig trotz aller kolportierten Zwischenfälle sicherer als die Datenhaltung im eigenen Unternehmen. "Von Datenverlusten habe ich noch nichts gehört", sagt Sempert. Allenfalls sei einmal eine Infrastruktur zeitweise nicht verfügbar gewesen.

IT-Manager Böckeler sagt, er habe so immerhin drei Wege, im Notfall schnell wieder an seine Daten zu kommen: Kleinere Mengen kritischer Daten ließen sich über das Webportal von Mozy schnell wieder hereinholen. Man könne zudem auch die Backup-Schnittstelle des Clients nutzen, was länger dauere, oder aber Sekundärdatenträger bei Mozy bestellen. Darüber hinaus gebe es die Möglichkeit, auf das zweite Backup direkt am Server zurückzugreifen. Das gehe bei einem Totalausfall der Festplatte auf jeden Fall schneller als andere Methoden. Andererseits könne nun in den Niederlassungen auch alles abbrennen, ohne dass deswegen die Daten futsch wären, denn die liegen ja nochmals beim Dienstleister