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Preisübersicht per Klick

Wie Tarifportale arbeiten

07.04.2010
Grundgebühr plus Verbrauchspreis, Verträge mit und ohne Vorauskasse, spezielle Online-Rabatte: Bei den Tarifen der rund 1800 Strom- und Gasanbieter in Deutschland fällt vielen Kunden der Durchblick schwer - gerade wenn sie aus Ärger über Preiserhöhungen einen neuen Versorger suchen.
Verivox bietet Verbrauchern schon seit 1998 die Möglichkeit, Tarife von Versorgern zu vergleichen.
Verivox bietet Verbrauchern schon seit 1998 die Möglichkeit, Tarife von Versorgern zu vergleichen.

Als Lotsen im Tarifdschungel empfehlen sich Internetportale, die Preisübersichten konkurrierender Anbieter erstellen und auch Wechselformalitäten übernehmen. Denn Information und Service im aufkommenden Wettbewerb auf dem Energiemarkt sind mittlerweile selbst zu einem wachsenden Geschäft geworden.

Wer betreibt Vergleichsportale?

Nach dem Start mit wenigen Mitarbeitern haben sich die größeren Anbieter zu mittelständischen Firmen entwickelt. Das 1998 gegründete Portal Verivox (rund 30 Millionen Euro Jahresumsatz) beschäftigt etwa 200 Menschen in Heidelberg und Berlin. Im Dezember kaufte sich der Finanzinvestor Oakley Capital für mehr als 16 Millionen Euro ein und hält nun 51 Prozent der Anteile. Beim Konkurrenten Toptarif ging kurz nach dem Auftakt 2007 die Beteiligungstochter der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck als Mehrheitseigner an Bord. Nach den "Jahren der Investitionen" schreibt das Berliner Unternehmen mit 70 Beschäftigten schwarze Zahlen, wie Gründer und Geschäftsführer Thorsten Bohg sagt.

Wie arbeiten die Portale?

Für ihre Marktübersichten pflegen die Portale Datenbanken mit Tausenden Tarifangaben von mehreren Hundert Versorgern. Auf dem Monitor können Verbraucher dann kostenlos über die Postleitzahl nach Angeboten an ihrem Wohnort suchen, Preise vergleichen - und sich für manche Unternehmen gleich online als künftige Kunden anmelden. Mit diesen Versorgern - bei Verivox sind es rund 60 Stromfirmen - haben Portale Kooperationsverträge und bekommen von ihnen für jeden vermittelten Abschluss eine Provision. Für die Anbieter funktioniert das Portal dabei wie ein ausgelagerter, sehr zielgenauer Vertriebskanal und liefert ihnen die Kundendaten.

Wie verdienen die Portale Geld?

Die Provisionen der "Partnerunternehmen" sind die wichtigste Einnahmequelle der Webseiten. Dies habe aber keinen Einfluss darauf, welcher Anbieter im Tarifvergleich auftauche und an welcher Stelle er stehe. "Der Preis ist das einzige Kriterium", sagt Verivox-Sprecherin Dagmar Ginzel. "Wir zeigen alle verfügbaren Tarife an", betont auch Toptarif-Manager Bohg. Ein kleinerer Teil der Erlöse kommt über Online-Werbung oder Marktforschungsanalysen herein. Außer für Energiepreise bieten Portale inzwischen auch Konkurrenzvergleiche per Mausklick für Telefontarife, Versicherungen oder Geldanlagen.

Wie wechselfreudig sind die Verbraucher?

Politiker ermuntern die Kunden regelmäßig, Wahlmöglichkeiten zu nutzen - vor allem, wenn wieder Preiserhöhungsrunden durch die Republik rollen. Seit der Energiemarkt-Liberalisierung 1998 hätten bei Strom 60 Prozent und bei Gas 23 Prozent der Privathaushalte zu anderen Produkten ihres Anbieters oder ganz den Anbieter gewechselt, berichtete der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft nach einer Umfrage 2009. Mehrmalige Wechsel gelten aber noch als selten. Schwer durchschaubare Tarife seien eine Wechselbremse, kritisiert Aribert Peters, Vorsitzender des Bundes der Energieverbraucher. Da seien Vergleichsportale nützlich, aber eher "ein Notnagel", bis es endlich übersichtliche und klar vergleichbare Tarife gebe. (dpa/tc)