Java, OpenSolaris, MySQL

Wie Sun mit Open Source Geld verdienen will

Wolfgang Herrmann ist seit März 2013 Chefredakteur des TecChannel. Zuvor war er stellvertretender Chefredakteur der TecChannel-Schwesterpublikation COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Data Center, Virtualisierung und Big Data. Er studierte Betriebswirtschaft und arbeitete unter anderem für den Vogel Verlag, den PC Magazin Verlag und die Suse Linux AG.
Simon Phipps, Chief Open Source Officer von Sun Microsystems, erklärt im Gespräch mit CW-Redakteur Wolfgang Herrmann, warum es ihm egal ist, dass Konkurrenten in seinem Softwarerevier wildern.

CW: Warum braucht ein Hardwarehersteller wie Sun einen Chief Open Source Officer?

Phipps: Wir haben immer Systeme verkauft, die Software, Hardware und Innovationen vereinten. 1995, zu einer Zeit, als Intel und Windows dominierten, hat Sun Java vorgestellt. Damit wurde der Grundstein für einen neuen Markt gelegt. Sun mag Hardware vertreiben und sich auf Systeme konzentrieren, aber ohne Software wären wir nicht in der Lage gewesen, diese neuen Marktchancen zu entwickeln. Geld verdienen wir nicht mit Java, sondern mit dem Markt, der damit entstanden ist.

CW: Java gab es lange, bevor Sun eine Open-Source-Strategie verfolgte.

Suns Geschäftsmodell ist von Software abhängig, sagt Chief Open Source Officer Simon Phipps.
Suns Geschäftsmodell ist von Software abhängig, sagt Chief Open Source Officer Simon Phipps.
Foto: Simon Phipps

Phipps: Erfolgreich war Java, weil der Sourcecode mitgeliefert wurde. Auf diese Weise verbreitete sich die Programmiersprache schnell in vielen Unternehmen. Und damit war auch die Open-Source-Idee geboren. Vor vier Jahren sprach ich mit Jonathan Schwartz (heute CEO von Sun, Anm. d. Red.) über die Pläne Suns mit Open Source. Mein Argument lautete: Wenn Sun den Quellcode all seiner Softwareprodukte offenlegt, muss es jemand geben, der all das verantwortlich leitet. Um Ihre Frage zu beantworten: Sun braucht einen Chief Open Source Officer, weil sein Geschäftsmodell entscheidend von Software abhängt.

CW: Mit Lizenzen für das Betriebssystem Solaris hat Sun lange Zeit gutes Geld verdient. War es wirklich eine gute Idee, das Unix-Derivat Open Source zu stellen?

Phipps: Absolut. Heute kann jeder Benutzer mit Solaris arbeiten, ohne eine Lizenz zu erwerben. Bevor wir den Code offen legten, war das nur Kunden möglich, die genaue Pläne für den Einsatz in der Schublade hatten. Jetzt kann jeder die Software ausprobieren. Vor rund vier Jahren haben wir Solaris kostenlos verfügbar macht, vor zwei Jahren Open Source gestellt. In dieser Zeit haben wir mehr Umsatz mit dem Verkauf von Abonnements für das System erwirtschaftet als jemals zuvor mit dem Lizenzverkauf.

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