Wachstum und Fachkräftemangel

Wie Startups 2017 sehen

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Startups wollen auch 2017 weiter wachsen. Die richtigen Mitarbeiter zu finden, fällt auch ihnen nicht leicht. Ein Stimmungsbild zum Jahresstart.
  • Startups schmieden Expansionspläne
  • Fachlich nennen sie für 2017 so unterschiedliche Themen wie Künstliche Intelligenz und 3D Druck, Brand Experience und Mitarbeiter-Qualifizierung

Vom Beauty-Konzern Coty über den Frohmacher Haribo bis zum Münchener Flughafen reicht die Palette an Konzernen, die die Crowdsourcing-Methoden des Startups Innosabi nutzen. "2016 war bei uns vom eigenen Wachstum geprägt. Natürlich in erster Linie mit all den positiven und spannenden Möglichkeiten, die sich damit auftun", sagt CEO Catharina van Delden. Sie hat in ihre Software investiert. Doch die junge Frau nennt auch die damit verbundenen "Herausforderungen". Dazu zählt die Akquise "talentierter Mitarbeiter" ebenso wie "der stetige Platzmangel in einem zentral gelegenen Altbaubüro".

Catharina van Delden ist CEO vom Startup Innosabi, das sich auf Crowdsourcing spezialisiert hat.
Catharina van Delden ist CEO vom Startup Innosabi, das sich auf Crowdsourcing spezialisiert hat.
Foto: Veronika Wurfbaum

"2017 geht das Wachstum voraussichtlich weiter", erwartet van Delden. Dabei will sie "weiterhin kontrolliert und aus eigener Kraft" wachsen - und nie als Selbstzweck. "Daher schauen wir besser im ersten Schritt, an welchen Stellen wir uns noch selbst verbessern müssen, ehe wir die dazugehörigen Bereiche ausbauen", sagt sie. Ihre Prognose für 2017: "Wir müssen im neuen Jahr Strukturen aufbauen, die nicht nur wie bisher mit 30 Mitarbeitern funktionieren, sondern künftig vielleicht auch mit 50."

Geschäftsmodelle mit Künstlicher Intelligenz aufbauen

Um das Thema Mitarbeiter kreist auch der Rückblick von Manfred Tropper. Der CEO von Mantro sagt: "Wir begleiten viele verschiedene Unternehmens-Inkubatoren und Innovationsprojekte in den unterschiedlichsten Industrien. Was sie 2016 alle beschäftigt hat, war die Frage, wie sie ihre Teams aufbauen." Tropper attestiert seinen Kunden Lernfortschritte. "Glücklicherweise" seien inzwischen fast alle zu der Erkenntnis gelangt, dass "Ideen an sich nichts wert sind. Sondern das Team, das die Idee zum Laufen bringen soll." Dieses Thema wird auch im neuen Jahr auf der Agenda stehen, ist Tropper überzeugt.

Was die fachliche Seite angeht, sieht der Mantro-CEO 2017 künstliche Intelligenz im Fokus. Er hat im ausgehenden Jahr beobachtet, dass Virtual Reality "auch bei unseren Industriekunden angekommen" sei. 2017 nun werde es darum gehen, AI-gestützte (Artificial Intelligence) Geschäftsmodelle aufzubauen.

Digitaler Wandel braucht digitale Weiterbildung

Die menschliche Intelligenz - die der Mitarbeiter - wird 2017 Thema sein, erwartet Nicolas Dittberner, Country Manager DACH bei Udacity. Die virtuelle Bildungsplattform hat ihren Sitz im kalifornischen Mountain View. Mit Blick auf seine Heimat sagt Dittberner: "2016 war das Jahr, in dem etliche Unternehmen die digitale Fortbildung in ihre Unternehmensstrategie integriert haben." In Zahlen: "Zwei Drittel der Unternehmen in Deutschland nutzen nun digitale Lernmöglichkeiten für ihre Mitarbeiter, allerdings setzen erst 36 Prozent auf flexible, webbasierte Lernprogramme." Sein Blick ins neue Jahr ist optimistisch: "Sobald Unternehmen die betriebliche Weiterbildung ihrer bestehenden Fachkräfte als Strategie zur Vermeidung von Fachkräftemangel erkennen, kann der digitale Wandel kommen!"

Expertimentieren mit Prototypen

Das Schlagwort von der menschlichen Intelligenz dehnt Marko Müller, Gründer der Innovation-Radicals, aus. Im Rückblick sieht er 2016 als "ein Schaltjahr im wahrsten Sinne des Wortes – einen Gang nach oben. Bei mir und Innovation-Radicals ging es darum, Neues auszuprobieren und mit Prototypen zu experimentieren. Wir wollten herausfinden, worin wir gut sind und was uns antreibt." Getrieben sieht er sich vom "Credo der Selbstentwicklung im Innen und Außen".

Mit anderen Worten: die Entwicklung der Beziehungen zu Geschäftspartnern spielt für das Startup eine besondere Rolle. "Um ihre Herausforderungen im Kern zu verstehen, nehmen wir sie nicht nur in ihrer Position, sondern als ganzen Menschen wahr. Entsprechend begegnen wir ihnen auch selbst als Menschen", erklärt Müller. 2017 steht für ihn "unter dem Stern des Weitergebens und Weiterentwickelns". Müller führt aus: "Wir als Team, mit neuen gestalterisch interessierten und inspirierenden Persönlichkeiten. Mit unseren Partnern, indem wir sie bei ihrer Metamorphose in der Digitalisierung unterstützen und eine offene Geisteshaltung fördern."

3D-Druck und Logistik kombinieren

Sehr handfest ist die Prognose von Stephan Kühr. Er ist Mitgründer von 3yourmind. Das Startup vermittelt Firmen den passenden 3D-Druck-Anbieter für ihren jeweiligen Prototypen. Sein Rückblick: "2016 ist 3D-Druck im Produktionszyklus unabdingbar geworden." Die großen Player feilten nun an der Integration der Technologie. 3Yourmind schloss im ausgehenden Jahr eine Partnerschaft mit DPD Germany, um 3D-Druck und Logistik zu kombinieren.

Die Berliner haben bereits jeweils ein Büro in den USA (San Francisco) und Polen. Im kommenden Jahr wollen sie sich den asiatischen Markt erschließen. Deutschland, erklärt Kühr, sei bereits global Leader im industriellen 3D-Druck.

In welchem Ton redet der Kühlschrank mit dem Nutzer?

Auch bei Felix van de Sand geht es um Anfassbares. Um kommunizierende Kühlschränke zum Beispiel. Aus Sicht des CEOs von Cobe wird 2017 ein Teilaspekt des Internet of Things (IoT) auf der Agenda stehen, der "bisher wenig in der Öffentlichkeit thematisiert" wird, für Hersteller von internetfähigen Markenprodukten aber "von entscheidender Bedeutung" sein dürfte. "Und zwar geht es hierbei um die Charakterformung von technischen Endgeräten", sagt van de Sand.

Felix van de Sand ist CEO der Digital-Agentur Cobe, die auf Basis neuropsychologischer Erkenntnisse unter anderem User Experience Designs entwickelt.
Felix van de Sand ist CEO der Digital-Agentur Cobe, die auf Basis neuropsychologischer Erkenntnisse unter anderem User Experience Designs entwickelt.
Foto: Cobe

Er führt aus: "Im Sinne eines nahtlosen Markenerlebnisses müssen sich Unternehmen ab sofort Gedanken darüber machen, wie ihre Produkte mit Konsumenten interagieren. Denkt man an einen internetfähigen Kühlschrank oder ein Smart Home System, stellen sich Fragen wie: In welcher Tonalität spricht das Gerät? Zu welchem Zeitpunkt meldet es sich? Welche Inhalte werden kommuniziert?" All diese Aspekte müssten zu den Werten des Markenabsenders passen, um eine glaubwürdige und zukunftsfähige "Brand Experience" zu bewirken.