Meinung

Wie smart ist IBM?

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Data Center, Virtualisierung und Big Data.
Schon seit Jahren kritisiert die IBM-User Group Guide Share Europe (GSE) die Preis- und Lizenzmodelle für Mainframe-Software.

Und täglich grüßt das Murmeltier. Dieser Spruch kommt einem in den Sinn, wenn man sich die Themen auf den Jahrestagungen von IBMs Benutzervereinigung Guide Share Europe (GSE) ins Gedächtnis ruft. Schon seit den 90er Jahren monieren die Anwendervertreter fast gebetsmühlenhaft die komplexen und vor allem kostenträchtigen Lizenzmodelle für den Softwarebetrieb auf dem Mainframe. Das Thema füllte zeitweilig ganze Vortrags-Slots; etliche Experten, auch von IBM selbst, kamen in Präsentationen und Diskussionsrunden zu Wort.

Jetzt, im Jahr 2010, steht das Thema noch immer auf der Agenda. In der Preis- und Lizenzpolitik der IBM fehle es nach wie vor an Transparenz, klagte Michael Weiß, Region Manager des deutschen GSE-Ablegers, auf der Jahrestagung der User Group in München. Die Folge: Gerade die treuen Mainframe-Kunden zahlten am Ende die Zeche für die hohen Gewinne von Big Blues Softwaresparte.

Hier finden Sie einen ausführlichen Bericht zur GSE-Konferenz.

Doch hat sich seit den 90er Jahren so gar nichts verändert? Hat nicht IBM mit einer Reihe von Maßnahmen auf die Wünsche der Anwender reagiert und etwa die Softwaregebühren stärker an der tatsächlichen Nutzung als an der Rechenkapazität der Mainframes ausgerichtet (Stichworte: "Workload License Charge", "Capacity on Demand", "Specialty Engines")?

Die Krise und der damit verbundene Druck auf die IT-Budgets mögen in den Köpfen der IBM-User eine Rolle spielen, wenn sie sich beschweren. In schlechten Zeiten tun sich IT-Verantwortliche besonders schwer, die hohen Kosten des RZ-Betriebs intern zu rechtfertigen. Doch das ändert nichts an der Tatsache, dass IBM für seine Mainframe-Software nach wie vor gesalzene Preise nimmt. Die Quasi-Monopolstellung des IT-Konzerns macht`s möglich, aber auch der Umstand, dass sich viele Großanwender nicht von ihren Softwaremonstern im RZ trennen können. Und noch immer sind die Betriebsoptionen und Abrechnungsmodelle so komplex, dass sich nicht wenige Anwender eigene Spezialisten leisten, die sich nur darum kümmern.

IBM spricht in diesen Tagen viel von einem smarteren Planeten, von smarten Städten und sogar von einem "smarten Betriebssystem" auf den neuen z11-Mainframes, die im Herbst präsentiert werden sollen. Wie wäre es mit einem smarten Lizenz- und Abrechnungsmodell, das die Anwender auf Anhieb verstehen?

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