Begriffe und Standards

Wie Sie Ihre IT-Infrastruktur ordnen

Dr. Kai Beckmann hat an der Universität Freiburg Physik studiert und ist seit 15 Jahren in der IT-Beratung tätig. Seit 2002 gehört er dem Führungskreis der UDF Consulting AG an und berät Kunden in den Bereichen IT-Strategie, IT- und Ausschreibungsmanagement.
Im zunehmenden Begriffswirrwarr rund um Cloud-Dienste, Service-Level und IT-Betriebskosten verlieren Anwender schnell den Überblick. Wir zeigen, wie Sie wieder Ordnung in Ihre IT-Landschaft bekommen – strukturell wie sprachlich.

In vielen Branchen, allen voran in der Bauwirtschaft, sind Struktur und Begrifflichkeiten der einzelnen Leistungen hochgradig normiert. Im Gegensatz dazu zeigt sich im Bereich des IT-Infrastruktur-Betriebs eine nahezu babylonische Sprachvielfalt - obwohl diese Leistungen seit Jahrzehnten einen wesentlichen Beitrag in der Wertschöpfungskette aller Wirtschaftsbereiche darstellen und längst nicht mehr nur IT-Experten beschäftigen. Die fehlende begriffliche und strukturelle Standardisierung bringt für Anwender und Auftraggeber erhebliche Nachteile mit sich, denn sie erschwert den Vergleich von Service-Inhalten, Service-Leveln und Service-Kosten. Im Folgenden unternehmen wir den Versuch, zumindest auf der obersten Ebene zu mehr Einheitlichkeit beizutragen.

Wo geht's lang im IT-Dschungel? Anwender sollten sich erst einmal sprachlich auf Standards einigen, bevor sie IT-Infrastruktur und -Betrieb sortiert bekommen können.
Wo geht's lang im IT-Dschungel? Anwender sollten sich erst einmal sprachlich auf Standards einigen, bevor sie IT-Infrastruktur und -Betrieb sortiert bekommen können.
Foto: Brian Jackson - Fotolia.com

Zunächst einmal ist es nötig, den Begriff "IT-Infrastruktur" selbst zu definieren. Wir fassen darunter den gesamten Bereich der IT-Operations zusammen, die bekanntermaßen den größten Kostenblock innerhalb der IT darstellen. Diese fortlaufenden "Run"-Aktivitäten beinhalten den Betrieb von Endgeräten, Servern, Datenbanken und Applikationen und anderen IT-Komponenten.

In dem genannten IT-Infrastruktur-Umfeld begegnen uns in unserem Beratungsalltag ständig neue Begriffe, und zwar sowohl auf der Seite der Anwender als auch auf der Seite der Service-Provider. Noch dazu wird diese Begriffsvielfalt regelmäßig mit Trendwörtern wie Cloud-Services, Big Data oder Mobility angereichert. Selbst innerhalb der Webseiten einzelner Providers sind mitunter inkonsistente Begrifflichkeiten anzutreffen - mit Inhalten, die nicht klar voneinander abgegrenzt sind und sich mit den Inhalten anderer Oberbegriffe überschneiden. In der folgenden Abbildung sind einige dieser Begriffe widergegeben.

Im Bereich der IT-Infrastruktur ist eine begriffliche und strukturelle Standardisierung, wie sie in anderen Branchen seit jeher üblich ist, nicht gegeben. Die einzelnen Inhalte überschneiden sich, verschiedene Aspekte sind miteinander vermengt.
Im Bereich der IT-Infrastruktur ist eine begriffliche und strukturelle Standardisierung, wie sie in anderen Branchen seit jeher üblich ist, nicht gegeben. Die einzelnen Inhalte überschneiden sich, verschiedene Aspekte sind miteinander vermengt.
Foto: UDF Consulting AG

Vertikal und horizontal

Wie kommt es nun zu diesem Durcheinander bei der Bezeichnung von IT-Services? Ein wesentlicher Grund für die vorgefundene Begriffsvielfalt dürfte darin liegen, dass IT-Themen zumeist in einer "vertikalen" Sichtweise dargestellt werden. Spricht man beispielsweise über Big Data Management oder über Collaboration Solutions, so geht es zumeist um alle Aspekte im Lebenszyklus dieser Lösungen, angefangen vom Demand Management über die Auswahl und das Customizing von Technologien und Tools bis hin zum Betrieb der Infrastrukturen. Es werden also alle Phasen innerhalb des Plan-Build-Run-Zyklus betrachtet. Im Bereich des Infrastrukturbetriebs konzentrieren wir uns hingegen auf die Run-Phase und strukturieren die reinen Betriebsthemen anschließend in "Service Lines".

Zwar bestehen auch innerhalb der IT-Operations-Aufgabengebiete sehr wohl thematische Unterschiede: Zum Beispiel unterscheidet sich das Management von SAP-Applikationen von dem Management von Collaboration-Anwendungen, und es werden hierzu jeweils unterschiedliche Skills benötigt. Die vertikale Betrachtungsweise hat demnach auch im Infrastrukturumfeld sehr wohl ihre Berechtigung. Diese Sichtweise wird jedoch erst in zweiten Schritt, nämlich in der Feinplanung der Serviceerbringung, angewendet. Um die Services zu strukturieren, ist zunächst die horizontale Sichtweise anzuwenden - das heißt, es werden IT-Betriebsaufgaben statt IT-Themengebiete betrachtet.

Die vertikale Sicht auf IT-Services ist themenbezogen und beinhaltet alle Phasen des Plan/Build/Run-Zyklus. Für die übergeordnete Strukturierung von IT-Betriebsaufgaben ist diese Darstellungsart nicht geeignet (Darstellung anhand von Einzelbeispielen).
Die vertikale Sicht auf IT-Services ist themenbezogen und beinhaltet alle Phasen des Plan/Build/Run-Zyklus. Für die übergeordnete Strukturierung von IT-Betriebsaufgaben ist diese Darstellungsart nicht geeignet (Darstellung anhand von Einzelbeispielen).
Foto: UDF Consulting AG

Lösungsansatz

Der im Folgenden vorgestellte Lösungsansatz für die Strukturierung von IT-Infrastruktur-Themen hilft, Projekte im Operations-Umfeld effizient und effektiv zu realisieren und trägt dazu bei, dass Service-Inhalte, Service-Level und Service-Kosten mit denen anderer Serviceumfänge oder Provider-Angebote verglichen werden können. Dabei kann das Vorgehensmodell in einheitlicher Weise in einer Vielzahl von unterschiedlichen Projekten angewendet werden, wie etwa bei

  • Sourcing- und Outsourcing-Vorhaben,

  • Providersteuerung, SLA-Management,

  • IT-Controlling, Kostenmanagement, Benchmarking,

  • IT-Konsolidierung, Einrichtung von Shared Services Centern und

  • Transitionen bei Providerwechseln (Second Generation Outsourcing).

In vier Schritten zu mehr Ordnung im IT-Chaos...
In vier Schritten zu mehr Ordnung im IT-Chaos...
Foto: UDF Consulting AG

Schritt 1: Isolation der Betriebsumfänge

  • Abtrennung der Run-Anteile von Plan/Build-Anteilen; insbesondere bei Sourcing-Vorhaben ist dies eine wesentliche Grundlage;

  • Abtrennung der laufenden Services von Investitionen wie Modernisierungs-Projekten oder IT-Umstellungsvorhaben; hierdurch werden sporadisch anfallende Aufwände eliminiert und es wird eine Benchmark-Fähigkeit erreicht.