Von Zündkerzen ins Internet der Dinge

Wie sich Bosch zum IT-Konzern wandelt

Stephan Wiesend schreibt für die Computerwoche als Experte zu den Themen Mac-OS, iOS, Software und Praxis. Nach Studium, Volontariat und Redakteursstelle bei dem Magazin Macwelt arbeitet er seit 2003 als freier Autor in München. Er schreibt regelmäßig für die Magazine Macwelt, iPhonewelt und iPadwelt.
Bosch entwickelt sich immer mehr zum IT-Konzern, einen Schwerpunkt will das Unternehmen zukünftig im Bereich Internet der Dinge setzen.

Hört man in Deutschland den Namen Bosch, denkt mancher vor allem an dessen berühmteste Produkte: eine grüne Bohrmaschine und eine Zündkerze. Das ist nicht ganz falsch, wird aber der aktuellen Produktpalette des Konzerns längst nicht mehr gerecht. Entwickelt sich das Unternehmen doch immer mehr zum Technologie-Unternehmen, das Themen wie das "Internet der Dinge" als wichtigstes Thema der Zukunft sieht.

Gründungsdatum des Unternehmens von Robert Bosch ist der 15. November 1886, als "Werkstätte für Feinmechanik und Elek­trotechnik". In den Anfängen kann man die neue Firma fast schon als Handwerksbetrieb bezeichnen.

Die Firmenchronik nennt als erste Aufträge Schwachstromanlagen, elektrische Klingeln, Türkontakte und Wasserstandsfernmelder. Anhand einer nicht geschützten Vorlage von Deutz entwickelt Robert Bosch aber bald einen eigenen Magnetzünder, der größter Umsatzbringer des Unternehmens ist. Ein Durchbruch ist auch das zweite Produkt, die neuartige "Bosch Abreisszündung", ein patentierter Magnetzünder. Schnell ist das Zündsystem ein Erfolg, das Unternehmen wächst rapide. Am 1. April 1901 zieht das Unternehmen in die Elektrotechnische Fabrik Robert Bosch ein, 1902 arbeiten hier schon 80 Mitarbeiter. Gottlob Honold entwickelt in diesem Jahr die bahnbrechende Hochspannungs-Magnetzündung, die aus Bosch ein international erfolgreiches Unternehmen macht.

Fokus auf das Auto

Um nicht von einer "Eintagsfliege" wie der Zündung zu stark abhängig zu sein, investiert Bosch aber schon früh in weitere Produkte wie Auto-Lichtanlagen, ein erster elektrischer Anlasser erscheint 1913. Kurz vor dem ersten Weltkrieg ist die USA der größte Absatzmarkt für Bosch - der Auslandanteil liegt bei 88 Prozent. Allerdings gehen fast alle ausländischen Firmenwerte im ersten Weltkrieg verloren - was sich beim zweiten Weltkrieg wiederholen wird. 1925 kommt es zu einem Absatzeinbruch bei Autos, Bosch beginnt deshalb sein Produktangebot zu erweitern. Das Unternehmen stellt eine Haarschneidemaschine vor, 1929 gründet Bosch mit Baird, Zeiss Ikon und Loewe die Fernseh AG - 1936 erscheint der erste Heim-Fernsehgeräte.

Zugekauft werden die Gasgeräte von Junkers & Co, die ersten Bohrmaschinen und 1933 bietet das Unternehmen den ersten Kühlschrank an - in Trommelform. Der Firmengründer stirbt 1942, hatte sich aber schon lange zuvor aus der Firmenleitung zurückgezogen. Nach dem Kriegsende bleibt die Zündkerze wichtiger Umsatzbringer und rettet das Unternehmen. Bosch wächst in den 1950er Jahren schnell und international.

Bald beginnt die Firma wieder Haushaltgeräte herzustellen, 1952 die erste Küchenmaschine. Es folgt die erste Waschmaschine, in den 60er erscheinen die ersten Geschirrspüler und 1973 bringt Bosch den ersten Mikrowellenherd auf den Markt.

Forschen und entwickeln

Elektronik ist immer wichtiger, schon 1958 verbaut das Unternehmen das erste Halbleiter-Produkt, die simple "Variode". Bosch versucht möglichst unabhängig zu sein, entwickelt eigene Dioden, Transistoren und integrierte Schaltkreise. 1967 erscheint die erste elektronisch Einspritzung Jetronic - wenn diese auch noch Probleme mit der Zuverlässigkeit besitzt.

Ab 1958 hat Bosch seine erste Waschmaschine im Programm, die das Unternehmen bald zum ersten Waschvollautomaten weiter entwickelt.
Ab 1958 hat Bosch seine erste Waschmaschine im Programm, die das Unternehmen bald zum ersten Waschvollautomaten weiter entwickelt.
Foto: Bosch

Viel Wert legt das Unternehmen auf die Forschung, so entsteht 1965 die Gründung des Bereichs "Forschung, Stoffe, Verfahren", die erste eigenständige Forschungsabteilung. Projekte und Aufgaben sollen unternehmensweit organisiert werden. 1961 kommt das Forschungsinstitut Berlin dazu, das bis 1988 für Grundlagenforschung zuständig ist, etwa im Bereich der integrierten Schaltungen. Die Autoindustrie bleibt bis heute größter und wichtigster Kunde. Ungewöhnlich erscheint 2010 der Bau einer Halbleiterfabrik in Reutlingen, mit 600 Millionen Euro eine der größten Investitionen der Firmengeschichte. Für den Kunden Autoindustrie ist aber auch in Deutschland die Chip-Produktion noch profitabel.

Der größte geschäftliche Misserfolg von Bosch liegt ebenfalls nur wenige Jahre zurück. 2008 kauft Bosch die Aktienmehrheit des Solar-Unternehmens Ersol Solar Energy, kann aber beim steigenden Preiswettbewerb in dieser Branche nicht mithalten. 2012 muss Bosch einen Milliardenverlust verbuchen. Ende 2013 zahlt Bosch schließlich eine "Mitgift" von 130 Millionen Euro zahlen, damit ihnen Solarworld das Unternehmen wieder abnimmt.