Die Geschichte von Adobe

Wie sich Adobe zum Cloud-Konzern wandelt

Stefan von Gagern ist diplomierter Medientechniker (FH) und war als Redakteur und Ressortleiter bei den Fachtiteln "Screen Busines Online" und "Page" tätig. Später lehrte er als Dozent für Medienkonzeption im Master-Studiengang "Multimedia Production" an der Fachhochschule Kiel. Heute schreibt er als freier Fachjournalist und Autor über Themen wie Publishing, Internet, Social Media und Digital Lifestyle. Parallel berät er Unternehmen bei der Konzeption und Umsetzung von Social-Media-Auftritten.
Adobe ist im Umbruch: Was einst mit Postscript und Illustrator begann, wird zur großen Cloud-Plattform, die alles anbietet, was das Kreativen- und Marketer-Herz begehrt.

Bevor es Adobe gab, hatte der Computer eigentlich nichts mit Grafik oder Publishing zu tun. Grafiker arbeiteten in den 1980ern mit Tusche, Kurvenlinealen und Klebebuchstaben. Layouts wurden auf große Pappkartons geklebt. Als 1987 die erste Version des Grafikprogramms Adobe Illustrator auf den Markt kam war es eine Revolution, die Grafik Design für immer komplett veränderte. "Das war für uns ein so großer Schritt wie die Erfindung des Buchdrucks durch Gutenberg", erinnert sich Russel Brown, Senior Creative Director von Adobe heute. Am Computer konnten Illustrationen oder Magazinseiten in einem Bruchteil der Zeit gestaltet werden. Oft mit mehreren Entwürfen gleichzeitig, denn Änderungen waren plötzlich einfach.

John Warnock, einer der beiden Adobe-Gründer, hatte schon lange die Idee für Illustrator im Kopf, obwohl er eigentlich in der Computertechnik verwurzelt war. Zusammen mit dem späteren Co-Gründer Charles Geschke forschte er im berühmten Xerox Palo Alto Research Center (PARC) seit den späten 1970ern an geräteunabhängigen Grafiksystemen und Druckern. Von seiner Ehefrau kannte Warnock die täglichen Probleme, mit denen sich Kreative herumschlagen mussten und er wusste, dass der Computer den Abschied von den Klebefolien und Tuschefüllern bedeuten konnte. Eigentlich fehlte nur noch der passende Rechner, der zu dieser Zeit mit dem Apple Macintosh endlich da war. Warnock und Geschke kündigten bei Xerox, forschten in ihrer neu gegründeten Firma mit diesem Ziel weiter und erfanden die Seitenbeschreibungssprache PostScript.

Von Postcript bis PDF

Postscript schuf eine universelle Sprache, die jeder Computer und Drucker beherrschte, unabhängig von Hersteller oder Modell. Mit Postscript wurde es möglich, ganze Seiten in Code zu übersetzen. Dabei war es egal, ob sie Schriften, Grafiken oder Bilder enthielten. Postscript beschreibt, wie eine Seite "gezeichnet" wird, indem die Sprache alles auf der Seite in mathematische Vektorkurven übersetzt. Aber: In der frühen Zeit musste man ein Programmierer sein, um Postscript schreiben zu können. Mit Illustrator machte Adobe Postscript für alle beherrschbar. Plötzlich konnte jeder mit Beziérkurven und Zeichenwerkzeugen, die es noch heute in Illustrator und fast jedem Grafikprogramm gibt, zeichnen oder ganze Seiten gestalten. Illustrator übersetzte alles im Hintergrund in Postscript-Code.

Adobe war auf einmal ein Softwarehersteller mit Produkten, die beworben werden musste. Wie bei jeder großen Innovation gab es Skeptiker. Würde die Qualität der Schriften und der Linien ausreichen? Würde Computergrafik so präzise sein wie handgezeichnete Kurven? Adobe lud die wichtigsten Publisher in die Firmenzentrale ein und zeigte Illustrator in Aktion. Mit Erfolg - kurz darauf gestaltete das Time Magazine alle seine Infografiken ausschließlich mit Illustrator.

Die nächste revolutionäre Idee ließ nicht lange auf sich warten. Der US-Student Thomas Knoll experimentierte mit einem Programm, das Bilder darstellen konnte. Sein Bruder brachte erste Funktionen zur Verarbeitung mit ein. Aus dem Prototypen "Image Pro" (Pro steht für "Processing", also Verarbeitung) wurde schließlich Photoshop und das Programm wurde von Adobe lizensiert. Die Bildbearbeitung am Computer war geboren.

Adobe verfeinerte nicht nur die PostScript-Sprache, mit dem PDF-Format schuf man noch das passende Dateiformat, das sich schon Ende der 1990er Jahre nicht nur zum Standard für elektronische Dokumente etablieren sollte. PDF und Acrobat, das zugehörige Programm zum Lesen und Editieren von PDFs, gewann mit jeder Version an Bedeutung und wurde zu einem der Eckpfeiler für Adobes Erfolg. 1994 traf Adobe die wichtige Entscheidung, den Adobe Reader kostenlos anzubieten (vorher kostete er noch 50 Dollar). Die damals mutige Entscheidung trug zur rasanten Verbreitung von PDFs bei.