Auf Augenhöhe mit der Konkurrenz

Wie Mittelständler um Nachwuchs werben

Karriere in der IT ist ihr Leib- und Magenthema - und das seit 18 Jahren. Langweilig? Nein, sie endeckt immer wieder neue Facetten in der IT-Arbeitswelt und in ihrem eigenen Job. Sie recherchiert, schreibt, redigiert, moderiert, plant und organisert.
Kleine IT-Dienstleister oder Softwarehäuser haben es im Wettbewerb um den Nachwuchs schwerer als ihre größeren und bekannteren Konkurrenten. Wer von Anfang an in eine gute Arbeitsplatzkultur investiert, kann punkten.

Erst seit zwei Jahren können auch klei­ne IT-Unternehmen, die zwischen zehn und 49 Mitarbeiter beschäftigen, am Benchmark-Wettbewerb "Die besten Arbeitgeber in der ITK" teilnehmen. Seitdem ist die Teilnehmerzahl in dieser Kategorie rasant gestiegen, im diesjäh­rigen Wettbewerb haben 17 der insge­samt 60 ausgezeichneten ITK-Arbeitgeber weniger als 50 Mitarbeiter.

Mit sportlichen Aktivitäten fördern schon kleine IT-Arbeitgeber den Zusammenhalt. Ponturo consulting lädt die Mitarbeiter einmal im Jahr zum Summer Event ein, auf dem Programm stand unter anderem Rafting.
Mit sportlichen Aktivitäten fördern schon kleine IT-Arbeitgeber den Zusammenhalt. Ponturo consulting lädt die Mitarbeiter einmal im Jahr zum Summer Event ein, auf dem Programm stand unter anderem Rafting.
Foto: ponturo consulting AG

Mühsames Recruiting

Viele der kleineren Firmen erhalten zu wenige Bewer­bungen, da sie im Vergleich zu großen IT-Dienstleistern oder Beratungshäusern kaum bekannt sind und insbesondere Hochschulab­solventen sie nicht auf ihrem Radar haben. Das mühsame Recruiting ist für so manchen kleinen IT-Dienstleister ein wichtiger Grund, sich dem Great-Place-to-Work-Wettbewerb zu stellen und durch das Gütesiegel bekannter zu wer­den. Die Zahlen der aktu­ellen Studie belegen auch, dass die Rechnung aufgeht. So erhalten die 60 besten ITK-Arbeitgeber im Schnitt 5,3 Bewerbun­gen pro Mitarbeiter im Jahr, bei nichtplatzierten Firmen liegt diese Quote bei 3,7.

Anonyme Mitarbeiterbefragung

Das andere Motiv ist, dass im Zuge des Wettbewerbs alle Mitarbeiter anonym befragt werden, was eine herkömmliche Mitarbeiterbefragung ersetzt. Hier kom­men in den prämierten Unternehmen die Führungskräfte gut weg. Beim Berliner Anbieter für Tourenplanungssoftware PLT sagen 100 Prozent der Mitarbeiter, dass die Führungskräfte offen auf ihre Fragen antworten. Bei Place­Workers, einem SAP-Dienstleister aus Wetzlar, bestätigen alle 15 Mitarbeiter, dass die Führungskräfte aufrichtiges Interesse an der Person und nicht nur an der Arbeitskraft zeigen. In den Augen aller 25 Mitarbeiter der Frankfurter ponturo consulting erkennen die Führungskräfte gute Arbeit an.

Vier Innovationstage im Jahr

Der Sieger in dieser Größenklasse, der IT-Dienstleister und App-Entwickler utilitas aus Aachen, beschäftigt gerade einmal ein Dutzend IT-Profis, hat aber einen klaren Leitfaden für Auswahl und Einstellung neuer Mitarbeiter. Ein weite­rer Pluspunkt: Alle drei Monate können sich die Mitarbeiter am Innovationstag mit dem beschäftigen, was sie wollen. Einzige Vorgaben: Es soll mit utilitas zu tun haben und darf keine Routineauf­gabe sein.

Great Place to Work: 30 Top-Arbeitgeber im Porträt

In einem großen Special präsentieren sich 30 Unternehmen, die zu den besten 60 ITK-Arbeitgebern in Deutschland gehören. Hier erfahren Sie, was diese besten ITK-Arbeitgeber für ihre Mitarbeiter tun, was die Mitarbeiter über ihre Arbeitgeber sagen, was Geschäftsführern und Personalleitern wichtig ist und wo sie sich bei den besten Arbeitgebern bewerben können.

 

Olaf Barheine

Ich glaube, dass neben Gehalt, Firmenstandort, Image und Bekanntheit der Produkte,... der Reifegrad der Entwicklungsprozesse ein ganz wesentliches Merkmal für die Attraktivität eines Unternehmens ist. Wenn sich Projekte aufgrund schlechter Planung und Organisation ständig verspäten und ihr Budget überschreiten, schlägt sich das bald auf die Mitarbeiterstimmung nieder. Das spricht sich in der Branche herum, Bewerber machen einen großen Bogen, und die eigenen Mitarbeiter laufen weg. Ob solche Veranstaltung daran etwas ändern können?

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