Kreative Firmenchefs

Wie Mittelständler IT-Profis an sich binden

Hans Königes
Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting, Social Media im Berufsleben. Zusätzlich betreut das Karriereressort inhaltlich das Karrierezentrum auf der Cebit.
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Die Kreativität von Firmenchefs kennt kaum Grenzen, wenn es darum geht, Mitarbeiter ans Unternehmen zu binden, wie zwei Beispiele zeigen.

"Arbeit soll Spaß machen", sagt Andreas Nau. Für den Chef der Firma Easysoft im schwäbischen St. Johann ist es wichtig, dass seine Leute nicht in einen ermüdenden Arbeitstrott verfallen.

Ein Tischkicker gehört in vielen IT-Firmen - wie auch bei Easysoft - zur Standardausstattung.
Ein Tischkicker gehört in vielen IT-Firmen - wie auch bei Easysoft - zur Standardausstattung.
Foto: Easysoft

Nau hat daher ein Paket an Zusatzleistungen für seine Mitarbeiter entwickelt. Angefangen von zwei Tischkickern, die nicht nur in den Pausen bespielt werden dürfen, "sondern auch nach schwierigen Telefonaten oder einfach so zwischendurch".

Täglich frisches Obst und Getränke kostenlos sind ebenso selbstverständlich. Das Hauptaugenmerk legt Nau jedoch auf Fitness. Weil der Chef selber gerne läuft, schnüren inzwischen einige seiner 32 Mitarbeiter ebenfalls die Laufschuhe. Ein zehnköpfiges Firmenteam hat am Swissalpine teilgenommen, einem Wettbewerb aus Laufen, Radfahren und Inlinerskaten. Viermal im Jahr findet ein Ausflug statt. Der jüngste führte in eine Kletterarena. Das kam so gut an, dass Easysoft im Büroneubau im badischen Bretten für 30.000 Euro eine sieben Meter hohe Kletterwand einbauen ließ.

Emotionale Bindung zählt

Neben solchen Zusatzleistungen ist ein weiterer Trend bei der Personalbindung im Mittelstand zu beobachten. Zusatzversicherungen sind im Kommen, wie Markus Sobau weiß. Der Chef von Confina Finanzplanung in Mannheim berät mittelständische Betriebe mit bis zu 500 Mitarbeitern. "Die Firmen müssen versuchen, eine emotionale Bindung zum Unternehmen zu erzeugen - und der Benzingutschein reicht da nicht mehr", sagt der Versicherungsmakler.

Wem etwa die Gesundheit seiner Leute am Herzen liegt, für den sei die betriebliche Krankenversicherung ein guter Tipp. Sie spart dem Arbeitnehmer die Ausgaben etwa für Brille, Zahnersatz, Chefarzt- oder Heilpraktiker-Behandlung. Als Vorteil für die Chefs nennt Sobau: "Sie können die Versicherungen zunächst für ein Jahr abschließen, etwa als Bonus für erfolgreiche Mitarbeiter, und später bei Bedarf verlängern."

Eine private Zahnzusatzversicherung kostet bis zu 40 Euro im Monat. Schließe ein Unternehmen mehr als fünf Verträge bei ein und demselben Versicherer ab, entfielen lästige Gesundheitsfragen. Das sei vor allem für Allergiker, Asthmatiker oder Mitarbeiter mit anderen chronischen Vorerkrankungen interessant.

Altersvorsorge für alle

Für Arbeitgeber hingegen ist die betriebliche Krankenversicherung mit wenig Aufwand zu haben: Pakete gibt es ab zehn Euro pro Monat und Beschäftigten.

Easysoft-Chef Nau setzt noch auf eine andere Zuschussform: Er empfiehlt seinen Leuten eine betriebliche Altersvorsorge. Für Beiträge, die Nau in diese private Rente der Mitarbeiter überweist, entfallen anteilige Sozialversicherungsbeiträge. Der Chef legt diese 20 Prozent als Zuschuss drauf.

Unternehmer Hans-Peter Sieder praktiziert eine sogenannte 50:50-Regel. "Spart ein Mitarbeiter 50 Euro im Monat in die betriebliche Altersvorsorge, geben wir 50 Euro dazu", sagt der Chef von SieGer Consulting in Frankfurt am Main. Sieder hat noch weitere Zuckerl für seine Leute parat: Jeden Freitag kommt ein Yogalehrer ins Haus - zur Burnout-Prävention.

Familienvater Sieder fördert Elternzeitmodelle. Bei einer jungen Firma, in der das Durchschnittsalter der Mitarbeiter 35 Jahre ist, kommt das gut an, weil "in diesem Lebensabschnitt viele in die Familienphase eintreten", so der Unternehmer mit IBM-Vergangenheit. Für 2013 plant Sieder weitere Motivationsangebote. So soll das Yoga um ein Meditationstraining erweitert werden. Und ein Personaltrainer kommt alle drei Monate, um mit willigen Mitarbeitern Lauf- oder Diätpläne zu entwickeln.

Darüber hinaus hat Sieder Consulting Home-Office-Arbeitstage eingeführt - auch für Berater, die vor Ort beim Kunden tätig sind. "Jeder kann mindestens einen Tag pro Woche von zu Hause aus arbeiten, das ist mit den Kunden so ausgehandelt", berichtet Sieder.

Englisch-Lernen via Skype

In Sachen Weiterbildung hat sich der Chef etwas Pfiffiges überlegt: Damit das Sprach- und E-Mail-Englisch besser wird, kann jeder Mitarbeiter per Skype-Schaltung mit einem Sprachlehrer aus Australien trainieren - auf Wunsch sogar mehrmals in der Woche. Und damit seine Angestellten auch im Freundeskreis über das Unternehmen sprechen, bezahlt der Chef 3000 Euro Prämie, wenn Kollegen neue Mitarbeiter werben.

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