IT-Arbeitsmarkt

Wie Mittelständler an gute Fachkräfte kommen

Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting, Social Media im Berufsleben. Zusätzlich betreut das Karriereressort inhaltlich das Karrierezentrum auf der Cebit.
Fördern und Abwechslung bieten - zwei mittelständische IT-Beratungshäuser zeigen, wie sie im Wettbewerb um die besten Talente gegen Großkonzerne punkten.
Auch Mittelständler sind sehr anspruchsvoll, wenn es um die Auswahl der richtigen Mitarbeiter geht.
Auch Mittelständler sind sehr anspruchsvoll, wenn es um die Auswahl der richtigen Mitarbeiter geht.
Foto: Tommi/Fotolia.com

Wechselwillige IT-Spezialisten - und nicht nur sie - haben wieder die freie Wahl. Das Jobangebot in der IT-Branche kann sich sehen lassen. Erst kürzlich startete der ITK-Branchenverband Bitkom die Aktion "50 mal 50" - das heißt 50 Unternehmen, die mehr als 50 Mitarbeiter suchen. Insgesamt wollen diese 50 IT-Arbeitgeber über 10.000 neue Arbeitsplätze schaffen.

Damit verschärft sich der Wettbewerb der Firmen untereinander um die besten Köpfe. Der gängige Spruch unter Personalern lautet: "Wir fischen alle im gleichen Teich." Leider schwimmen darin zu wenige Entwickler und Berater. Vor allem die mittelständischen Arbeitgeber müssen sich einiges einfallen lassen, wollen sie auf der Jagd nach Talenten mithalten.

Mittelständler bevorzugen Generalisten

Es ist aber auch zu hören: "Wir stellen nicht um jeden Preis ein", man habe die Lehren aus den Zeiten des Internet-Hypes vor über zehn Jahren gezogen und lasse sich auf keine Bewerber ein, deren Profil nicht stimmig ist.

Volker Maiborn, Maiborn Wolff: "Ich würde jeden unserer Mitarbeiter auch heute wieder einstellen."
Volker Maiborn, Maiborn Wolff: "Ich würde jeden unserer Mitarbeiter auch heute wieder einstellen."
Foto: Maiborn Wolff

Die Passgenauigkeit der künftigen Mitarbeiter ist den beiden Geschäftsführern Michael May von Syngenio aus Bonn und Volker Maiborn von Maiborn Wolff aus München denn auch besonders wichtig. Es komme auf jeden Einzelnen an, und darauf, wie er mit dem Team harmoniere. Maiborn ist sich seiner Sache sicher: "Jeden, den ich in den letzten Jahren eingestellt habe, würde ich auch heute wieder nehmen."

Die Münchner haben ein anspruchsvolles Einstellungsverfahren entwickelt, in dem der Bewerber einen Tag lang sowohl auf seine fachliche als auch seine Sozialkompetenz überprüft wird. Am Abend geht er mit der klaren Antwort nach Hause, ob er genommen wird oder nicht. "Bei uns gibt es kein Ausleseverfahren, in dem zum Schluss dann nur noch einer übrig bleibt", kommentiert der zweite Geschäftsführer von Maiborn Wolff, Jens Rieger, das Prozedere. Wenn sich jemand als geeignet herausstelle, erhalte er einen Job. Da sich das Münchner Unternehmen als Projekthaus versteht, in dem die Mitarbeiter oft ihre Aufgaben wechseln, ist es für Maiborn Wolff wichtiger, breit ausgebildete und flexible Kollegen anzuheuern, als Spezialisten.

Auch Syngenio-Vorstand May geht es um das breite Erfahrungswissen der Bewerber. Das Generalistentum zeichne den mittelständischen Mitarbeiter aus - ein Plus, mit dem man bei Kandidaten offensiv werben sollte. Denn den künftigen Mitarbeiter erwarteten immer wieder neue Herausforderungen. Eine starke Spezialisierung mit der Gefahr, auf ewig in einer Abteilung zu versauern, wie es in manchen Konzernen vorkomme, sei ausgeschlossen.

Michael May: "Wir formulieren unsere Erwartungen ganz deutlich."
Michael May: "Wir formulieren unsere Erwartungen ganz deutlich."
Foto: Syngenio

Die mittelständischen Chefs setzen offensiv auf das Leistungsprinzip - May: "Wir formulieren unsere Erwartungen deutlich" - und erwarten von den Mitarbeitern, dass sie sich weiterentwickeln. Bei Maiborn Wolff ist es zum Beispiel so, dass jedem Mitarbeiter ein Monatsgehalt als Weiterbildungsbudget zur Verfügung steht. Wenn darüber hinaus eine wichtige Schulung ansteht, darf dieses auch überzogen werden.

Für den Mittelstand spreche, darauf weisen beide Geschäftsführer hin, dass in ihren Unternehmen Projektarbeit auf der Tagesordnung steht, also die Arbeitsform, der die Zukunft gehöre. Und genau diese komme der heutigen Generation, den Digital Natives, am ehesten entgegen.