Hybrid IT

Wie HP Enterprise Legacy IT und Cloud-Anwendungen verbinden will

Wolfgang Herrmann ist seit März 2013 Chefredakteur des TecChannel. Zuvor war er stellvertretender Chefredakteur der TecChannel-Schwesterpublikation COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Data Center, Virtualisierung und Big Data. Er studierte Betriebswirtschaft und arbeitete unter anderem für den Vogel Verlag, den PC Magazin Verlag und die Suse Linux AG.
Unter dem Schlagwort Hybrid IT wirbt Hewlett-Packard Enterprise (HPE) für seine Cloud-Management-Lösungen und die neue „Composable Infrastructure“.

Die interne IT soll so schnell und flexibel werden wie die Public Cloud. Dieses Ziel steht hinter den Bemühungen des HPE-Geschäftsbereichs Hybrid IT. "Es geht darum, eine Brücke zu bauen zwischen Legacy-IT- und nativen Cloud-Anwendungen", erklärte Xavier Poisson, Vice President des Bereichs für die Region Emea, im Gespräch mit der COMPUTERWOCHE.

Der Manager unterscheidet dabei zwischen den beiden Ebenen Application und Infrastructure. Den Application Layer deckt HPE mit seinem Self-Service-Katalog ab. Dahinter steht das hauseigene Produkt "Cloud Service Automation" (CSA). Es bildet auch die technische Basis der Business-Plattform "Cloud28+", die europäischen Unternehmen und Behörden Cloud-Dienste über einen zentralen Katalog zur Verfügung stellt.

Im Gegensatz zu etlichen Konkurrenzprodukten sei CSA nicht an eine bestimmte Plattform oder Virtualisierungstechnik gebunden, betonte Poisson: "Ganz gleich ob Windows, Linux, VMware-Virtualisierung oder Bare Metal: Cloud Service Automation funktioniert plattformunabhängig und lässt Kunden damit die freie Auswahl."

HPE-Manager Xavier Poisson betont die Plattformunabhängigkeit der hauseigenen Hybrid-IT-Systeme.
HPE-Manager Xavier Poisson betont die Plattformunabhängigkeit der hauseigenen Hybrid-IT-Systeme.
Foto: HPE

Unterhalb der Anwendungsebene adressiert HPE den Infrastruktur-Layer in Form seiner "Composable Infrastructure". Dahinter verbirgt sich das bereits auf der Hausmesse Discover angekündigte Produkt "Synergy". Dabei soll es sich um eine Sammlung konfigurierbarer Compute-, Netzwerk- und Storage-Komponenten handeln, die sich "in Cloud-Geschwindigkeit" per Skript zu einem auf bestimmte Workloads zugeschnittenen Rechner kombinieren lassen. Das logische Kernstück des Systems bildet eine "Composer" genannte zusätzliche Softwareschicht. Sie fasst die verfügbaren Ressourcen zu einem Pool zusammen und stellt sie den Anwendungen zur Verfügung. Jedes einzelne Element soll sich dabei über eine einheitliche Programmierschnittstelle ansprechen und mit geringem Aufwand starten oder zuweisen lassen. Konkretere Angaben mochte Poisson dazu noch nicht machen. Nur soviel: Synergy werde sich aus Industriestandard-Komponenten zusammensetzen und selbstverständlich gängige Standards unterstützen. Der Marktstart sei für den Sommer geplant.

Geld verdienen will HPE nicht nur mit solchen Systemen, sondern vor allem auch mit Beratungsleistungen der Sparte HPE Technology Services. Sie soll Unternehmen dabei helfen, den richtigen Mix aus internen IT-, Private- und Public-Cloud-Diensten zu finden. Dabei seien zahlreiche verschiedene Aspekte zu berücksichtigen, die längst nicht alle mit Technologie zu tun hätten, so Poisson: "Es geht um Services, Anwendungen, Infrastruktur, aber eben auch um Themen wie Geschäftsmodelle, Compliance, Datenschutz und vieles mehr". Bei alledem wolle HPE seine Kunden unterstützen.

Den Markt für die diversen Hybrid-IT-Angebote geht HPE vor allem branchenorientiert an. Besonders relevant ist laut dem Manager etwa der Finanzsektor, aber auch die öffentliche Hand und der Handel spielten eine wichtige Rolle. An Bedeutung gewinnen werde auch die Fertigungsindustrie.

Dass HP sich aus dem Geschäft mit Public-Cloud-Services zurückgezogen hat, ist für Poisson kein großes Thema. Einschlägige Dienste seien nur in den USA angeboten worden. Nach seinen Erfahrungen liefen rund 80 Prozent aller Workloads in den Unternehmen noch on premises. Das werde sich nur langsam ändern. Die Diskussion um das Für und Wider von Cloud-Services läuft für ihn ohnehin in die falsche Richtung: "Wir müssen endlich aufhören, über die Cloud zu reden und damit beginnen, über Business-Anforderungen zu diskutieren. (wh)