Wie "gefährlich" ist der Versand von magnetischen Datenträgern?

11.02.1977

Falsche Vorurteile halten sind erwiesenermaßen besonders lange: Wer hielte es hierzulande - im Land der Nixdorfs und Eigenheime - nicht für sicherer, alles selbst zu machen, im eigenen Hause. Daß es freie Service-Rechenzentren in Deutschland schwer haben, das zu beweisen, muß man keine renommierten Marktforschungsinstitute bemühen. Und hartnäckig hält sich die Meinung, daß schon das "Aus der Handgeben" der eigenen Datenträger ein Risikofaktor ist. Was durch nichts, aber auch gar nichts bestätigt wird. Im Gegenteil: Dem Verband Deutscher Rechenzentren (VDRZ) ist nach der Aussage ihres Vorsitzenden Peter Lange-Hellwig bisher kein Fall bekannt, in dem etwa Magnetbänder durch den Versand beschädigt wurden. Für "ungläubige Thomasse" mag das nicht befriedigend sein. Die Computerwoche-Redaktion hat deshalb beim Bundesministerium für das Post- und Fernmeldewesen nachgefragt, welche Haftung die DB beim Versand von magnetischen Datenträgern übernimmt. Die Antwort auf unsere Anfrage drucken wir im folgenden ungekürzt ab. de

1 Haftung der Deutschen Bundespost im Brief- und Paketdienst

Die Haftung der Deutschen Bundespost für Brief- und Paketsendungen ist im °12 des Gesetzes über das Postwesen (PostG) vom 28. 7. 69 (Bundesgesetzbl. S. 1006), geändert durch das Einführungsgesetz zum Strafgesetzbuch (EGStGB) vom 2.3.74 (Bundesgesetzbl. S. 469), abschließend und erschöpfend geregelt. Der genannte Paragraph hat folgenden Wortlaut:

"(1) Die Deutsche Bundespost haftet nicht für Schäden, die durch eine nicht ordnungsgemäße Behandlung von gewöhnlichen Briefsendungen entstehen.

(2) Die Deutsche Bundespost haftet dem Absender für den Verlust von eingeschriebenen Briefsendungen in Höhe von vierzig Deutsche Mark je Sendung. Als Verlust der Sendung gilt auch der Verlust des gesamten Inhalts.

(3) Die Deutsche Bundespost haftet dem Absender für Schäden, die durch den Verlust oder die Beschädigung von gewöhnlichen Paketen entstehen, in Höhe des unmittelbaren Schädens bis zum Höchstbetrag von fünfhundert Deutsche Mark je Sendung.

(4) Die Deutsche Bundespost haftet nicht für Schäden, die durch eine nicht ordnungsgemäße Behandlung von Postgut entstehen.

(5) Die Deutsche Bundespost haftet dem Absender für Schäden, die durch den Verlust oder die Beschädigung von Sendungen mit Wertangabe entstehen, in Höhe des unmittelbaren Schädens bis zum Betrag der Wertangabe.

(6) Die Deutsche Bundespost haftet in den Fällen der Absätze 2, 3 und 5 auch dann, wenn ein Verschulden ihrer Bediensteten nicht vorliegt."

Kommentiert wurde das Gesetz über das Postwesen u. a. von Altmannsperger, Schriften für Wissenschaft und Praxis, R. v. Deckers Verlag, G. Schenck, Hamburg 13.

2 Einfluß von Luftfeuchtigkeit, Temperaturen und magnetischen Feldern beim Versand von Magnetbändern und Magnetkassetten

Grundsätzlich kann unter Einbeziehung aller denkbaren Möglichkeiten nicht ausgeschlossen werden, daß Informationen auf magnetischen Datenträgern durch magnetische Felder verändert oder gelöscht werden. Das gleiche gilt auch für eine eventuelle Schädigung durch Temperaturen oder Luftfeuchtigkeit. Die Wahrscheinlichkeit für solche Beeinträchtigungen ist jedoch äußerst gering. Zu bemerken ist in diesem Zusammenhang, daß die Deutsche Bundespost selbst eine Vielzahl von magnetischen Datenträgern zwischen ihren Rechenzentren befördert und daß bisher in keinem Falle ein "Verlust von Daten" durch Luftfeuchtigkeit, Temperaturen oder magnetische Felder bekanntgeworden ist. Die Deutsche Bundespost verwendet als Verpackungsmaterial für die magnetischen Datenträger besonders entwickelte Versandtaschen. Das Posttechnische Zentralamt in Darmstadt würde Sie, wenn Sie an diesen Versandtaschen Interesse haben sollten, hierüber gerne unterrichten. Beim Posttechnischen Zentralamt wird diese Angelegenheit vom Referat A 43 bearbeitet.

Im übrigen kann sich der Absender von magnetischen Datenträgern auch gegen diese - theoretisch möglichen in der Praxis aber wohl kaum vorkommenden - Schäden durch Wahl einer haftungsmäßig entsprechend ausgestatteten Sendungsart (siehe unter 1, Absatz 3 und 5) schützen.