Wie Firmen gegen den Mangel kämpfen

Karriere in der IT ist ihr Leib- und Magenthema - und das seit 18 Jahren. Langweilig? Nein, sie endeckt immer wieder neue Facetten in der IT-Arbeitswelt und in ihrem eigenen Job. Sie recherchiert, schreibt, redigiert, moderiert, plant und organisert.
Unternehmen müssen sich wieder anstrengen, um Mitarbeiter zu finden und an sich zu binden.

Es gibt Firmen, die sich über den Fachkräftemangel beklagen, und es gibt solche, die versuchen, etwas dagegen zu tun. Die IT-Dienstleister Ciber Novasoft und Computacenter haben sich für Letzteres entschieden und setzen auf Trainee- beziehungsweise Mitarbeiterbindungsprogramme.

ie sind sich bewusst, dass bei einem attraktiven Arbeitgeber nicht nur die Zusatzleistungen stimmen müssen. Faktoren wie interne Entwicklungsmöglichkeiten, angenehmes Betriebsklima oder Anerkennung der Leistungen sind ebenso wichtig, um im Kampf um die besten Köpfe die bereits gewonnenen Mitarbeiter nicht wieder zu verlieren.

Ciber Novasoft: Fordern, fördern, feiern

SAP-Berater sind derzeit besonders begehrt, das spürt auch der SAP-Dienstleister Ciber Novasoft mit Sitz in Heidelberg. Darum legte er im Oktober 2006 zum ersten Mal ein Traineeprogramm auf, das in diesem Jahr in seine dritte Runde geht. Binnen sechs Monaten sollen sich die Trainees Spezialwissen und eine solide Basis für ihre künftige Tätigkeit als Entwickler oder Berater erarbeiten. Die Schulungen übernehmen zum großen Teil erfahrene Berater, in den Praxisphasen arbeiten die Trainees in den Projekten mit.

Überdies hat Ciber Novasoft mit der privaten SRH Hochschule Heidelberg den berufsbegleitenden Studiengang "Master of Computer Science" entwickelt. "Das Angebot richtet sich an Bachelor- oder Fachhochschulabsolventen, die sich an der Hochschule praxisorientiert weiterbilden wollen", sagt Jörg Dietmann, Vorstand von Ciber Novasoft. Zwei Tage in der Woche lernen die Studenten die Theorie an der Hochschule, die restlichen drei Tage sind sie in Kundenprojekten eingesetzt. Dadurch erhält der SAP-Dienstleister, der auch die Studiengebühren bezahlt, praxisnah ausgebildete Fachkräfte.

Die Mitarbeiterfluktuation ist in der Beratung wesentlich höher als in anderen Bereichen. "Wenn sich der persönliche Kontext verändert, die Mitarbeiter zum Beispiel eine Familie gründen, sinkt bei vielen die Bereitschaft, den Beraterberuf mit der ausgeprägten Reisetätigkeit auszuüben. Zudem sind die Gehälter insgesamt niedriger als zu Boom-Zeiten - und variieren zwischen den Unternehmen zum Teil sehr", sagt Dietmann. Darum müssen sich Beratungshäuser anstrengen, die gefundenen Mitarbeiter auch zu halten. Was macht einen Arbeitgeber attraktiv? Ciber Novasoft setzt auch hier auf das Traineeprogramm, das auch für erfahrene Mitarbeiter eine Chance birgt, wenn sie sich als Mentor engagieren. "Dies ist eine soziale Aufgabe, die über das Fachliche hinausgeht und persönliches Wachstum durch die Übertragung von Verantwortung fördert", schildert Dietmann. Als weitere Pluspunkte sieht er die umfassenden Fortbildungsmöglichkeiten ebenso wie firmeninterne Veranstaltungen. Einmal im Jahr verbringt die komplette Belegschaft samt Familien ein verlängertes Wochenende gemeinsam. Das Ziel bestimmt die Geschäftslage. Dazu Dietmann: "Die Mitarbeiter schätzen diese Investition in die Gemeinschaft, unabhängig davon, ob es nach Kreta oder in den Schwarzwald geht -auch wenn alle natürlich gern mit guten Zahlen im Rücken nach Kreta fahren."

Computacenter: Hilfe in allen Lebenslagen

Wie lassen sich Mitarbeiter an das Unternehmen binden? Der IT-Dienstleister Computacenter vertraut künftig auf ein "Benefits Program" mit Zusatzleistungen wie betriebliche Altersvorsorge und konkrete Hilfe in Sachen Gesundheit und Work-Life-Balance.

In einem ersten Schritt wurde das Programm zur Work-Life-Balance, einem ausgewogenen Verhältnis zwischen Arbeit und Privatleben, im Frühjahr umgesetzt. Hier arbeitet Computacenter mit der pme Familienservice GmbH zusammen, an die sich Mitarbeiter bei akutem Bedarf wenden können.

Der Familienservice hilft bei der schnellen Suche nach einer Ersatztagesmutter und bietet so genannte Backup-Einrichtungen, die die Kinder in Ausnahmefällen betreuen. "Da der Service auf ein bundesweites Netz an Geschäftsstellen zurückgreifen kann, entspricht er dem mobilen Berufsalltag der Mitarbeiter ebenso wie den zahlreichen Standorten des Unternehmens", sagt Thomas Kottmann, Prokurist Human Resources bei Computacenter.

Aber auch für andere Anliegen können die Mitarbeiter die kostenlose Hotline des Familienservice nutzen. So können Experten zu häuslicher (Alten-) Pflege befragt und Hilfe bei Mobbing oder privaten Krisen zum Beispiel durch Partnerprobleme in Anspruch genommen werden. Wichtig ist auch, dass die Anfragen anonym bleiben können. "Die ersten Rückmeldungen auf das neue Angebot fielen durchweg positiv aus", sagt Kottmann.

Künftig können die Computacenter-Mitarbeiter auch ihre Gesundheit checken lassen. In einem Online-Fragebogen werden Ernährungsgewohnheiten, Bewegungsintensität und allgemeine Lebensumstände abgefragt. Dann erhalten Mitarbeiter ein individuelles Feedback von Experten. Auf einer intern organisierten Gesundheitsmesse können Mitarbeiter ihre Ergebnisse mit Fachleuten diskutieren und sich praktische Empfehlungen geben lassen. Das können wirksame Strategien gegen Stress, Rückenprobleme oder Anleitungen für eine ausgewogene Ernährung sein. "Zu diesen Themen wird es nicht nur eine Maßnahme geben. Daher werden auf der anderthalbtägigen Messe verschiedene Bereiche abgedeckt, so dass sich jeder das Thema heraussuchen kann, das für ihn relevant ist", erklärt Kottmann das Konzept. Ein Probelauf wird im Herbst mit einer Pilotgruppe veranstaltet. Werden Test und Messe von den Mitarbeitern gut angenommen, sollen sie regelmäßig wiederholt werden.

Bei den harten Faktoren der Mitarbeiterbindung spielt das Gehalt eine wichtige Rolle. Doch das allein sichert noch kein Auskommen im Rentenalter. Darum will Computacenter die Mitarbeiter auf die private Altersvorsorge aufmerksam machen und sie dabei verstärkt unterstützen.

Wer einen Teil seines Bruttogehalts in die private Altersvorsorge überführen will, hat nicht nur die eher klassisch-konservativen Sparformen der bisherigen Versicherungsanbieter, sondern voraussichtlich auch eine risiko- und aktienorientierte Option zur Auswahl.