Trotz Outsourcing

Wie Entwickler Karriere machen

Michael Schweizer ist freier Autor in München.
Softwareprogrammierer werden auch in der Krise gebraucht. Können sie zuhören und reden, haben sie gute Aufstiegschancen.

Die IT-Branche ist gar nicht so schnelllebig. Zumindest wenn man mit Softwareentwicklern spricht, lernt man Berufswege wie den von Markus Abt kennen. Vor 18 Jahren hat er als Informatikstudent angefangen, bei Comet Computer in Projekten zu jobben. 1994 stellte ihn der Münchner Dienstleister, der sich auf technische Dokumentation spezialisiert hat, fest ein. Seither ist er dabeigeblieben. Mittlerweile leitet er die Softwareentwicklung für Kunden und den Hausbedarf sowie die interne Systemadministration.

Abt schätzt die "Varianz" seiner Aufgaben. Sie ist typisch für einen Mittelständler - Comet hat etwa 80 Mitarbeiter. Aber dass der Entwicklungsleiter "nicht mehr täglich" selbst programmiert und stattdessen der "permanente Kontakt" mit Kollegen und Kunden mehr Zeit in Anspruch nimmt, wäre auch in einem großen Unternehmen so gekommen. Höhere Positionen sind überall mit viel Kommunikation verbunden.

Wersich als Entwickler behaupten will, muss Tätigkeiten ausüben, die viel mit Kommunikation verknüpft sind. Foto: Fotolia/ Michanolimit
Wersich als Entwickler behaupten will, muss Tätigkeiten ausüben, die viel mit Kommunikation verknüpft sind. Foto: Fotolia/ Michanolimit
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Das geht auch Alexander Hauswald so. Binnen sieben Jahren hat er sich beim Münchner IT-Beratungs- und Softwareunternehmen Consol (rund 180 Mitarbeiter) über Projekte zum Senior Entwickler und dann zum IT-Architekten hochgearbeitet. Als solcher plant er für Kunden IT-Architekturen nicht selten auf fünf oder zehn Jahre hinaus: "Ich habe sehr viel Kundenkontakt. Wenn ein Kunde ein Problem sieht oder sich neue Funktionen wünscht, bin ich der erste technische Ansprechpartner." Er entwirft einen Gesamtplan, empfiehlt "Vorgehensweisen und Technologien", hält sich aber aus manchen Einzelheiten heraus, so wie ein Hausarchitekt dem Handwerker nicht vorschreibt, "wie er eine Tür einbauen muss".

Von Menschen für Menschen

"Vom Wie zum Was" hat sich auch für Mirco Freiberg die "tägliche Kernfrage" verlagert, seit er beim Handelskonzern Otto Group (53.000 Mitarbeiter in 19 Ländern) Abteilungsleiter des vertrieblichen E-Commerce geworden ist. Die Java-Software, deren Entwicklung er leitet, "bindet komplexe Backend-Systeme an einen Webshop an". Doch dieses anspruchsvolle technische ist für Freiberg ein "People Business": "Ein Anwender prägt die Anforderungen an die Instrumente, die IT muss hier genau zuhören können und umsetzen." Ob draußen der Kunde oder im eigenen Haus der Anwender sitzt, ob der Softwarespezialist also beim IT-Unternehmen oder in einer anderen Branche arbeitet, macht unter Dienstleistungsgesichtspunkten keinen entscheidenden Unterschied.

Zwei Stichworte bringen Entwickler immer wieder.

  • Erstens Flexibilität: Kunden ändern laufende Aufträge. Teilweise können sie nichts dafür, sondern bezwecken damit geschäftliche Umstellungen, zu denen der Markt sie zwingt. Softwareentwickler müssen das ertragen oder aus der Not ein Prinzip machen ("agiles Projekt-Management").

  • Zweitens Präsentation - Consol-Architekt Hauswald: "Der Kunde versteht oft den technischen Fokus nicht. Dann muss ich das Thema möglichst einfach und nicht zu technisch, aber trotzdem korrekt darstellen. Das lernt man durch Erfahrung und Feedback."

Thomas Geyer, Skytec: Entwickler sollen breiter aufgestellt sein.
Thomas Geyer, Skytec: Entwickler sollen breiter aufgestellt sein.

"Oh ja", sagt Thomas Geyer, Mitgründer und Vorstand von Skytec (rund 220 Mitarbeiter), der IT-Dienstleister und Berater aus Oberhaching achte bei der Suche nach Softwareentwicklern sehr darauf, dass die Neuen auch gut kommunizieren könnten. Auch in ihrem eigenen Interesse. Das reine Codieren falle durch die Geschwindigkeit, in der sich Tools und Sprachen entwickeln, am leichtesten, solange man 20 bis 35 Jahre alt sei. Bis dahin sollte man zusätzlich in andere Tätigkeiten hineingewachsen sein, "deshalb ist es uns wichtig, dass die Leute breiter aufgestellt sind". Zu den entsprechenden "höheren Aufgaben" zählt Geyer die Qualitätssicherung: Um Tests zu planen, brauche man "Erfahrung in der Entwicklung". Die Probeläufe ausführen könnten dann auch weniger routinierte Softwerker.