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Neue IT- und Unternehmensstrategien

Wie ein Readiness-Check beim Einstieg hilft

Walter Brenner ist Professor für Informationsmanagement und geschäftsführender Direktor des Instituts für Wirtschaftsinformatik der Universität St. Gallen. Seine Forschungsschwerpunkte sind Informationsmanagement, Industrielle Services, CRM, Design Thinking und Digital Consumer Business.
Ob Smartphone, Smartwatch oder Facebook: Produkte und Dienstleistungen der IT und Kommunikationstechnik durchdringen fast alle Bereiche des Lebens. Für viele Unternehmen ist die Neuausrichtung der Unternehmens- und IT-Strategie schwierig. Mit dem Digital-Readyness-Check wird der Einstieg leichter.

Jeder von uns erlebt es jeden Tag: Alles was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert. Digitale Armbänder erlauben es jede Bewegung aufzuzeichnen, digitale Armbanduhren zeigen ankommende E-Mails an und sollen rasch auch sogenannte teure Schweizer Schmuckarmbanduhren ersetzen.

Ständig gibt es neue Meldungen über autonomes Autofahren. Inzwischen fahren Autos mit sehr hohen Geschwindigkeiten autonom auf Rennstrecken und sind besser bei der Optimierung der Ideallinie als professionelle Rennfahrer. Die Liste der Beispiele ließe sich beliebig fortsetzen. Niemand ist heute in der Lage, den Überblick über alle Innovationen im Rahmen der Digitalisierung zu behalten.

Viele Unternehmen fühlen sich von diesen Entwicklungen gefordert und manchmal überfordert. Sie fragen sich, was bedeutet digitale Transformation für mein Unternehmen und wo fange ich mit diesem Prozess an. Ein guter Einstieg stellt ein sog. "Digital-Readyness-Check" dar, der Auskunft darüber gibt, in welchem Mass ein Unternehmen für die digitale Transformation bereit ist und in welchen Bereichen Handlungsbedarf besteht.

Mein Institut, das Institut für Wirtschaftsinformatik an der Universität St. Gallen, hat in den letzten Monaten zusammen mit einigen führenden Großunternehmen einen Digital-Readyness-Check, ein Art Checkliste, entwickelt, die umfassend prüft, ob und in welchem Ausmaß ein Unternehmen für die digitale Zukunft gerüstet ist. Der Digital-Readyness-Check ist im Moment primär auf Business-to-Consumer-Unternehmen ausgerichtet und in sechs Handlungsfelder gegliedert.

Struktur des Digital- Readyness-Check
Struktur des Digital- Readyness-Check
Foto: Walter Brenner

Die Abbildung zeigt die Struktur des Digital-Readyness-Checks und die zentralen Inhalte der sechs Handlungsfelder. Für jeden dieser Bereiche existieren Prüfpunkte. Ein Beispiel für zwei Prüfpunkte aus dem Bereich "Digitale Organisation" wäre "Define, document, communicate Digital Business roles, tasks and responsibilities" und "Acquire and develop knowledge and competencies for managing Digital Business and exploiting consumer information in decision making".

Für jeden Prüfpunkt existiert zusätzliches Material, beispielsweise in Form von Good Practices aus anderen Unternehmen, das erlaubt, sehr schnell intensiv über die Herausforderung, die auf ein Unternehmen im Rahmen der digitalen Transformation zukommt, zu diskutieren.

Der Digital-Readyness-Check kann mit mehreren Persönlichkeiten aus unterschiedlichen Bereichen eines Unternehmens laufen. Durch Vergleiche ihrer Antworten lässt sich beispielsweise erkennen, wie weit die Meinungen über digitale Transformation in einem Unternehmen auseinandergehen und wo der größte Handlungsbedarf besteht.

Einschränkend will ich aber klar zum Ausdruck bringen: Der Digital-Readyness-Check löst nicht das Problem der digitalen Transformation. Er hilft aber zu einem relativ objektiven Einstieg in die Neuformulierung der Unternehmensstrategie im Zeitalter der Digitalisierung.