Web

Studie

Wie Digitalisierung und Social Media die Arbeitswelt verändern

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
Er sorgt außerdem ziemlich rund um die Uhr bei Twitter dafür, dass niemand Weltbewegendes verpasst, treibt sich auch sonst im Social Web herum (auch wieder bei Facebook) und bloggt auf teezeh.de. Apple-affin, bei Smartphones polymorph-pervers.
Die Digitalisierung der Gesellschaft verändert unser Leben - aber leider nicht nur zu unserem Besten. Immer mehr Menschen verbringen ihre Zeit privat und beruflich online und nehmen damit eine massive Verringerung persönlicher Kontakte in Kauf.

Auch die permanente Erreichbarkeit führt zu einem dauerhaften Zeitdruck, der durchaus gesundheitliche Schäden nach sich ziehen kann. So ist für eine Mehrheit von 69 Prozent die Digitalisierung mit konkreten Nachteilen verbunden. Zu diesem Ergebnis kommt eine im Auftrag der Fachmesse Internet World vom Institut Ibi Research an der Universität Regensburg durchgeführte Befragung unter 1000 "Experten der Internetbranche" (PDF-Link).

Die Digitalisierung von Inhalten aller Art und die Erweiterung der Kommunikationsprozesse habe in den vergangenen fünfzehn Jahren zu einer Informationsüberflutung geführt, heißt es darin. Vor allem die Entwicklung des öffentlichen Netzes, das insbesondere durch den Ausbau der Sozialen Netzwerke für jedermann zugänglich ist, sei hier der Haupttreiber.

Die stärksten Auswirkungen der Digitalisierung sehen 91 Prozent der Teilnehmer im Bereich der Arbeitswelt. 79 Prozent der befragten Experten stellen daher auch ein verändertes Verhalten der Arbeitnehmer im Arbeitsalltag durch die Social Networks fest: Fehlende Trennung von Beruflichem und Privatem, Abnahme von Höflichkeitsformen sowie Konzentrationsschwäche sind nur einige der spontan genannten Effekte.

"Aus Sicht der Befragten hat die Nutzung sozialer Netzwerke sowohl positive als auch negative Auswirkungen auf das Verhalten im Arbeitsalltag", erläutetert Studienleiter Michael Wittmann, Consultant bei Ibi Research. "Zum einen werden größere Kommunikationsbereitschaft und Transparenz als Folge wahrgenommen, auf der anderen Seite aber auch mangelnde Höflichkeit und sinkende Aufmerksamkeit."

85 Prozent der Befragten beobachten diese Tendenz vor allem bei jüngeren Arbeitnehmern. Aber auch schon bei der Vorbereitung auf die Arbeitswelt in Schule, Studium und Ausbildung sehen die Experten Defizite der heranwachsenden Generation. So konstatiert die Mehrheit vor allem Nachholbedarf bei den Themen Respekt (60 Prozent) und Umgangsformen (55 Prozent). Auch sorgen die Befragten sich um ein sinkendes Bildungsniveau.

Die Jugendlichen brauchen aus ihrer Sicht vor allem Unterstützung und Anleitung im Umgang mit den Sozialen Netzwerken. Die Verantwortung wird hier besonders bei den Erziehungsberechtigten und Bildungseinrichtungen gesehen. Dem eigenen Kind würden 28 Prozent der Befragten erst ab einem Alter von 15 Jahren die Nutzung Sozialer Netzwerke erlauben.