In der Cloud-Ära

Wie die Zukunft der Rechenzentren aussieht

André Kiehne ist Sales Director Transformational Business IT Sales bei Dimension Data Germany.
Der technologische Wandel stellt das klassische Rechenzentrum als Fundament der Unternehmens-IT in Frage. Cloud Computing ist aber nur eine Antwort.
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Die Meinungen darüber, ob Rechenzentren in der Cloud-Ära überhaupt noch eine Rolle spielen werden, gehen auseinander. Einige Experten und Analysten vermuten, dass Unternehmen in Zukunft keine eigenen Rechenzentren mehr besitzen und betreiben werden. Andere behaupten, dass Private Clouds - von einigen wenigen Abläufen, die in Public Clouds genutzt werden, abgesehen - die Geschäftswelt dominieren werden. Was jedoch klar ist: Das Tempo des technologischen Wandels hat die Industrie an einen Wendepunkt gebracht, an dem auch der Markt für Rechenzentren revolutioniert wird.

Denn Fakt ist, für CIOs wird es immer schwieriger einzuschätzen, welche Kapazitäten im eigenen Rechenzentrum benötigt werden. So sind 64 Prozent der Unternehmen in Deutschland in den vergangenen ein bis zwei Jahren Fehler bei der Kapazitätsplanung unterlaufen, wie eine unabhängige Studie im Auftrag des IT-Service-Anbieters Colt belegt. Angesichts der großen Investitionen die mit dem Aus- oder Neubau eines Rechenzentrums verbunden sind, sollten mögliche Vorteile sogfältig geprüft werden. Denn die Errichtung eines neuen Rechenzentrums ist in der Regel mit einer 20-jährigen Investition gleichzusetzen. Und Aussagen darüber, welche Kapazitäten 2034 in Unternehmen gebraucht werden, sind in Zeiten der digitalen Transformation Kaffeesatzleserei.

Effiziente Ressourcennutzung dank neuer Technologien

Ansätze, die die Chancen des Cloud Computing komplett ignorieren, bergen das Risiko von Kapazitätsüberschüssen und freien, ungenutzten Ressourcen. Die durchschnittliche Auslastungsquote von Rechenzentren beträgt derzeit gerade einmal sechs bis zwölf Prozent, wie wiederum die Studie "Data Center 2025" von Emerson Network Power ergeben hat. Für 2015 erwarten die Umfrageteilnehmer dank des Aufbaus einer effizienteren IT-Infrastruktur und neuer Technologien dagegen eine Auslastung von etwa 70 Prozent. Entscheidend ist dabei aber nicht, blindlings neue Technologien zu nutzen, sondern auf Basis einer strukturierten Analyse zu entscheiden, welche Daten und Prozesse über die Cloud verarbeitet werden können und welche - je nach geschäftskritischer Bedeutung - On-Premise oder über Server-Housing abgewickelt werden sollen. Unnötige Risiken, Störungen und unvorhergesehenen Kosten bei der Cloud-Migration können so verhindert werden.

Laut dem globalen Cloud-Index von Cisco entfallen rund 46 Prozent der derzeitigen Arbeitslast von Rechenzentren auf Cloud-Dienste. Bis 2017 soll dieser Anteil auf 63 Prozent ansteigen. Wichtig ist, dass IT-Führungskräfte sich proaktiv über die Möglichkeiten und Herausforderungen des Cloud Computing informieren, so dass sie zeitnahe, fundierte Entscheidungen über die Errichtung eines leistungsstarken Datenzentrums der nächsten Generation treffen können. Und hier liegt vielfach das Problem: Laut der Studie zur Nutzung von Rechenzentren heute haben sich die Planungsphasen für die Umstrukturierung des Rechenzentrums bei 51 Prozent der Unternehmen, die eine Veränderung in ihren Planungsphasen festgestellt haben, in den letzten zwei Jahren verlängert.

Diverse Faktoren entscheiden über den Einsatz von IT-Lösungen

Die Faktoren, die die Teilnehmer der Studie bei der Nutzung von Rechenzentren als entscheidend angaben, sind geschäftliche Veränderungen, der Standort, das Energiemanagement sowie Risiko und Compliance. Bei der Auswahl eines Cloud-Anbieters sollten Kunden daher auch die Prozesse und Managed-Services-Angebote berücksichtigen, die für die verschiedenen Arten der Cloud angeboten werden. Wenn Kunden Public Cloud-Services für Test- und Entwicklungsaktivitäten nutzen, ist es die Plattform an sich, die den größten Nutzen für das Unternehmen einbringt. Unternehmen können sicher sein, dass alle relevanten Prozesse in einer geeigneten Umgebung und hoch effizient ablaufen, während sie die Verwaltung weiterhin selbst in der Hand haben. Wenn Unternehmen aber eine Cloud-Plattform suchen, auf der sie sensible Anwendungen hosten wollen, sollten die Ansprüche höher sein. Unternehmen benötigen eine größere Bandbreite an Angeboten, ein höheres Maß an Skalier- und Individualisierbarkeit.

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Da Mitarbeiter heute vielfach mobil oder in regionalen Niederlassungen arbeiten, wird es darüber hinaus zunehmend unwichtig, dass ein Rechenzentrum in unmittelbarer Nähe zum Unternehmen steht. Mit Hilfe der Wide Area Network (WAN)-Optimierung können Kunden über größere Distanz die Leistung erhalten, die sie mit Blick auf Verfügbarkeiten und Netzwerkgeschwindigkeit benötigen.

Einige wenige Unternehmen haben ihre gesamte Infrastruktur bereits in eine Public oder Private Cloud-Umgebung migriert, sinnvoller ist es in den meisten Fällen aber, zukünftig zusätzlich auch weiterhin auf eine On-Premise-Infrastruktur zurückgreifen. Für Unternehmen bieten sich durch die Optimierung der herkömmlichen Prozesse und eine Aktualisierung der Unternehmenstechnologie allerdings Chancen, Kosten einzusparen und dadurch effizienter und agiler zu werden. Veraltete Infrastrukturen kosten in der Verwaltung mehr und es wird zunehmend schwieriger, auf innovative Trends wie das Mobile Business umzusteigen. Und wie wichtig das ist, zeigt der aktuelle Network Barometer Report von Dimension Data, der eine Zunahme des Wireless-Business von 30 Prozent alleine in den letzten zwölf Monaten festgestellt hat.

Eine veraltete Netzwerkarchitektur kann nicht den Nutzen liefern, den ein modernes Unternehmen braucht. Die Vorteile der Cloud-Nutzung, Kosten zu sparen und in der Entwicklung effizienter zu agieren, werden dadurch vielfach konterkariert. Dass viele Unternehmen in den kommenden Jahren auf agilere Cloud-Lösungen umsteigen werden, zeigt auch der Cloud Vendor Benchmark der Experton Group: Demnach werden sich die Investitionen und Ausgaben im Bereich Cloud Computing in Deutschland in den kommenden zwei Jahren verdoppeln - von 4,52 Milliarden Euro 2013 auf etwa 9,23 Milliarden Euro in 2015.

Das Rechenzentrum stirbt nicht aus

Mit einer modernen, optimierten Rechenzentrums-Infrastruktur, einer individuellen Mischung aus Cloud-Services und stationären Rechenzentren, können Unternehmen wiederum ihr Angebot von neuen und bestehenden Anwendungen und Diensten verbessern und den Kunden einen Zugang bieten, der orts- und Device-unabhängig ist. Das unternehmenseigene Rechenzentrum wird in der Cloud-Ära nicht aussterben, es wird allerdings eine grundlegende Neustrukturierung erfahren. (jha)