Best-Practice-Beispiele

Wie die IT grün wird

Jan-Bernd Meyer betreut als leitender Redakteur Sonderpublikationen und -projekte der COMPUTERWOCHE. Auch für die im Auftrag der Deutschen Messe AG publizierten "CeBIT News" ist Meyer zuständig. Inhaltlich betreut er darüber hinaus Hardware- und Green-IT- bzw. Nachhaltigkeitsthemen sowie alles was mit politischen Hintergründen in der ITK-Szene zu tun hat.   
Der Wettbewerb "GreenIT Best Practice Award 2010" hat es bewiesen: Mit den richtigen Strategien lässt sich ökologisch und ökonomisch eine Menge bewegen.
Das ist der Blick, mit dem eine Wärmebildkamera in den Gang eines Rechenzentrums sieht und die Wärmepunkte aufzeichnet.
Das ist der Blick, mit dem eine Wärmebildkamera in den Gang eines Rechenzentrums sieht und die Wärmepunkte aufzeichnet.
Foto: Knürr AG

Über Techniken wie etwa freie Kühlung oder das Beheizen von Bürogebäuden durch die Abwärme aus Rechenzentren wird nicht mehr nur trefflich theoretisiert. Die Avantgarde der deutschen IT-Szene nutzt diese Optionen. Sie spart damit Geld und leistet einen Beitrag zur Verbesserung des Klimas und der Eindämmung von umweltschädlichen Emissionen.

An dieser Stelle möchten wir zeigen, wie einige der Wettbewerbsteilnehmer State-of-the-Art-Techniken und -Anwendungen nutzen, um die Umwelt - und den eigenen Geldbeutel - zu schonen.

Was ein Rechenzentrum kann: Abwärme heizt Büros

Der Logistiker Dachser aus Kempten kann nicht klagen: Die Geschäfte laufen gut, das Unternehmen wächst. Konsequenz war, dass sowohl ein größeres RZ als auch mehr Bürofläche hermussten.

Aus dieser Not machte das Unternehmen eine Tugend und verwob Architektur- und IT-Planung. Anstatt die in einem Data Center entstehende Wärme kostspielig herunterzukühlen, leitet der Konzern sie in einen neu gebauten Bürokomplex um. Zwei Gebäude, die zunächst einmal wenig miteinander zu tun haben, wurden in dem Dachser-Konzept somit ökologisch sinnvoll verbunden.

Die Allgäuer machten dabei eine angenehme Erfahrung, die interessierte Nachahmer ermutigen sollte: In vielen Gesprächen der Projektbeteiligten aus den Bereichen "Bau und Immobilien" sowie "IT" kam heraus, dass kein einziger Teilnehmer von nennenswerten technischen oder administrativen Problemen berichtete. Die Idee, die überschüssige Wärme eines RZ für die Beheizung anderer Gebäudeteile zu nutzen, ist also weder weltfremd, noch stellt sie die Beteiligten vor unüberwindliche Probleme.

Nicht von ungefähr sprechen die Dachser-Verantwortlichen von einem Projekt, das Modellcharakter für andere Firmen habe. Sie betonen dabei explizit den hohen ökologischen Nutzen und die finanziellen Anreize.

Ganz ähnliche Erfahrungen machte die Heinrich-Böll-Stiftung. Auch sie nutzt die Abwärme des Data Centers, um ihre Büros zu heizen. Darum hat die Stiftung kurzerhand ihre Geschäftsbereiche IT und Facility-Management zusammengelegt. Diese scheinbar banale Maßnahme ist in Wirklichkeit von essenzieller Bedeutung: Diverse Untersuchungen von Gartner oder Experton belegen, dass viele IT-Verantwortliche allein deshalb die Energiekosten ihrer Rechenzentren gar nicht kennen, weil sie für die Stromkostenbegleichung schlicht nicht zuständig sind. Durch die Zusammenlegung von IT und Facility-Management schafft die Heinrich-Böll-Stiftung die nötige Transparenz, die auch zu weiteren Aktionen führte, etwa dem Projekt, Abwärme des RZ für die Beheizung von Büros zu nutzen.

Mit ihren cleveren Ansätzen belohnen sich Dachser und die Heinrich-Böll-Stiftung gleich doppelt: Sie sparen Geld, und sie tun etwas für ihr Umweltgewissen.