Frischer Wind in der Sulzer-IT

Wie die IT-Chefin den Wandel bewerkstelligt

Karin Quack arbeitet als freie Autorin und Editorial Consultant vor allem zu IT-strategische und Innovations-Themen. Zuvor war sie viele Jahre lang in leitender redaktioneller Position bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Aus einem dezentral organisierten Konzern soll ein Unternehmen mit globaler Ausrichtung werden: Der Schweizer Maschinen- und Anlagenbauer Sulzer AG erfindet sich gerade neu. Und die IT soll dabei den "zentralen Wegbereiter" für die Veränderungen spielen. Da bleibt auch in der IT kein Stein auf dem anderen.

Ursula Soritsch-Renier geht die Dinge eher pragmatisch als dogmatisch an: "Geschwindigkeit und Flexibilität gehen vor perfekte Architektur", sagt die IT-Chefin von Sulzer. Damit dürfe aber keine mangelhafte Qualität entschuldigt werden: "Beim SAP-System mache ich keine Abstriche. Aber manchmal hilft eine schnelle Brücke mehr als die perfekte Integration, die viel Zeit braucht."

Rasch, schnell oder sogar "rasend schnell" - diese Attribute fallen häufig, wenn Soritsch-Renier über die vergangenen beiden Jahre ihrer Karriere berichtet. Nur wenige Wochen vergingen zwischen dem Angebot des Sulzer-Finanzchefs in Boston, wo Soritsch-Renier für Novartis als Head of Strategy, Architecture and Project Management Office arbeitete, und ihrer Zusage, zu wechseln.

Foto: Sulzer

Sulzer in Zahlen und Fakten

  • 1834 begannen Johann Jakob Sulzer und sein Bruder Salomon in Winterthur mit der Produktion von Eisenguss und dem Bau mechanischer Geräte wie Feuerspritzen, Pumpen und Apparaten für die Textilindustrie.

  • Heute ist die Sulzer AG in drei Bereichen tätig: Pumps Equipment: Herstellung von und Services für maßgefertigte Pumpen sowie Standardpumpenlösungen; Rotating Equipment Services für rotierende Maschinen aller Hersteller, seien es Turbinen, Pumpen, Kompressoren, Generatoren oder Motoren und Chemtech: Prozesstechnologie und Trennkolonnen sowie Zweikomponentenmisch- und -austragssysteme.

  • Der Konzern beschäftigt etwa 15.000 Mitarbeiter an zirka 150 Standorten.

  • Im vergangenen Jahr erzielte er einen Umsatz von 3,26 Milliarden Schweizer Franken, das sind umgerechnet 2,7 Milliarden Euro.

IT als strategischer Enabler

"Neben anderen Gründen reizte mich auch die Gesamtverantwortung, die meine neue Position mit sich bringt", begründet die gebürtige Wienerin ihren Wechsel aus der Weltstadt Boston nach Winterthur, das wohl eher als beschaulich zu bezeichnen ist. "Bei Novartis hatte ich eine gute Rolle - aber ich war ,nur` für einen Teilbereich der IT verantwortlich, jetzt bin ich CIO einer Firma."

Die damit verbundene Möglichkeit, vieles neu zu gestalten und eine eigene, auf das Business abgestimmte Roadmap für die IT zu definieren, gab offenbar am Ende den Ausschlag. Zumal Soritsch-Renier - anders als die vorherigen Sulzer-CIOs - nicht an den CFO, sondern direkt an die Unternehmensleitung berichtet. Ein Indiz dafür, dass die IT bei Sulzer kein Erfüllungsgehilfe, sondern ein "strategischer Enabler" ist, wie sie es formuliert.

Die zitierten "anderen Gründe" haben offenbar mit dem Charakter der IT-Managerin zu tun. "Ich bin jemand, der gern verändert, etwas bewegt, ein Change-Manager", beschreibt sie sich selbst. Und das, was bei Sulzer vor sich ging, fand sie "spannend". Es sei quasi eine Geschichte, an die sie glaube.

Etwas mehr als ein halbes Jahr, nachdem Soritsch-Renier angeheuert hatte, kündigte Sulzer-CEO Klaus Stahlmann eine Reorganisation an, "bei der die IT einen zentralen Wegbereiter darstellen" sollte. Grob gesprochen, ging und geht es dem Konzern darum, sich von einer dezentralen Organisation zu einem Unternehmen mit starker Marktorientierung und globaler Ausrichtung zu wandeln. Die IT sollte das neue Geschäftsmodell unterstützen und für die organisatorische Beweglichkeit sorgen, die nötig ist, um auf die immer wieder neuen Herausforderungen der weltweiten Märkte zu reagieren.

Foto: Sulzer

Ursula Soritsch-Renier

  • Als Kind wollte Ursula Soritsch-Renier Ballerina werden. Bis zum Alter von zehn Jahren trainierte und tanzte sie am Theater an der Wien. Doch dann sei sie zu groß geworden, so sagt sie. Soritsch-Renier entschied sich, stattdessen Informatik zu studieren.

  • Die frühen Jahre ihrer beruflichen Karriere verbrachte sie bei Philips - zunächst in Wien, dann in Brügge und in der Konzernzentrale in Eindhoven, schließlich in Boston, wo sie bereits den Titel Director Information Management trug.

  • Von dort wechselte die Österreicherin, die mit einem Amerikaner verheiratet ist, erstmals zu einem Schweizer Unternehmen: Sie heuerte als Global Head IT Strategy bei Novartis in Boston an.

  • Und in dieser Funktion weckte sie das Interesse von Sulzer Management. Seit April 2013 bekleidet sie dort die Funktion des CIO.