Umfrage der WHU

Wie Controller mit der Wirtschaftskrise leben

Sascha Alexander ist Manager Marketing & Kommunikation bei der QUNIS GmbH, Neubeuern, die auf Beratung und Projekte in der Business Intelligence, Big Data und Advanced Analytics spezialisiert ist. Zuvor war der Autor als Director Communications bei den Marktforschungs- und Beratungsunternehmen BARC und PAC tätig. Als ehemaliger Redakteur der COMPUTERWOCHE sowie Gründer und Chefredakteur des Portals und Magazins für Finanzvorstände CFOWORLD verbindet ihn zudem eine lange gemeinsame Zeit mit IDG.
Seine Themenschwerpunkte sind: Business Intelligence, Data Warehousing, Datenmanagement, Big Data, Advanced Analytics und BI Organisation.
Zwischen Hoffen und Bangen suchen die Zahlenspezialisten derzeit Wege, wie sie ihre Analysen und Methoden verbessern können.

"Viele Controller sind rund um die Uhr damit beschäftigt, die Planung zu aktualisieren, ganz neue Szenarien für das nächste Jahr zu entwickeln oder konkrete Cost-Saving- oder Cost-Cutting-Projekte zu planen", resümiert Jürgen Weber, Professor für Controlling und Unternehmenssteuerung an der WHU - Otto Beisheim School of Management sowie Kuratoriumsvorsitzender des Internationalen Controller Vereins. Weber gibt damit den Eindruck einer aktuelle Umfrage des "Controllerpanels" des von ihm geleiteten Instituts für Management und Controlling (IMC) an der WHU wieder, in der 464 Controller zu ihrer persönlichen Situation angesichts der Wirtschaftskrise befragt wurden.

Mehr Einfluss der Controller, aber kein Optimismus

Laut der Autoren würden momentan Controller ihre Planungsszenarien, Risikoanalysen und Prognoseverfahren überdenken und anders als bisher eine engere Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen im Unternehmen suchen (dabei gewinnen auch das Performance-Management und Business Intelligence an Bedeutung). Allgemein mache sich auch eine spürbar stärkere zeitliche Belastung bei der täglichen Arbeit bemerkbar. Diese gehe so weit, dass in einigen Unternehmen zusätzliche Ressourcen im Controlling bereitgestellt werden müssen.

Mit der stärkeren Belastung der Controller steige aber auch ihr Einfluss auf die Entscheidungen im Management. Die alte Faustregel "Schlechte Zeiten für das Unternehmen sind gute Zeiten für Controller" gelte also weiterhin, erklärt Controlling-Professor Weber. Doch sind die Controller selbst skeptisch, ob sie grundsätzlich etwas an der Wirtschaftslage ändern können "Ihren Beitrag zur Bewältigung der Krise schätzen die Controller mit Bescheidenheit ein. Den Haupthebel halten die marktnahen Abteilungen (Marketing und Vertrieb) in den Händen."

Grundsätzlich herrscht unter den Befragten die Ansicht, dass die Wirtschaft nicht durch ein langes Krisental wandern muss, sondern die aktuellen Probleme schnell behoben sein werden. Allerdings sehen Controller in krisengeschüttelten Unternehmen diese Entwicklung deutlich pessimistischer. "Geht man davon aus, dass das Wissen um die Krisenfaktoren mit der Krisenerfahrung steigt, ist dies ein beunruhigender Befund", kommentiert Weber.

Betroffene fordern Neuausrichtung im Controlling

In der WHU-Studie wurde schließlich erfragt, ob die Finanz- und Wirtschaftskrise mittelfristig eine Neuausrichtung der Unternehmenssteuerung im Unternehmen - und damit indirekt auch des Controllings - erfordert. Obwohl es einerseits nach mehrheitlicher Einschätzung der Controller keine grundsätzliche Veränderung der Unternehmenssteuerung folgen wird, gibt es andererseits exponierte Gegenmeinungen "krisenbetroffener" Controller: Fast die Hälfte (46 Prozent) dieser Gruppe, die insbesondere aus dem Kredit- und Versicherungsgewerbe, dem Fahrzeugbau und der Bauindustrie kommt, hält heute schon eine Neuausrichtung für notwendig. Um diese Entwicklung besser einschätzen zu können, plant Studienleiter Weber die Umfrage in rund drei Monaten zu wiederholen.