IT-Skills und Organisation

Wie Cloud Computing Prozesse verändert

Werner Kurzlechner lebt als freier Journalist in Berlin und stellt regelmäßig Rechtsurteile vor, die Einfluss auf die tägliche Arbeit von Finanzentscheidern nehmen. Als Wirtschaftshistoriker ist er auch für Fachmagazine und Tageszeitungen jenseits der IT-Welt tätig.
Laut Forrester-Analysten holt die IT in den nächsten 5 Jahren nach, was in der Industrie schon lange passiert. Dadurch verändern sich die Rollen der IT-Spezialisten.
Die IT-Uhren laufen wegen Cloud Computing bald anders - die Zeit der Silos läuft ab: So zeichnen die Forrester-Autoren den Status Quo, der nicht mehr lange haltbar ist.
Die IT-Uhren laufen wegen Cloud Computing bald anders - die Zeit der Silos läuft ab: So zeichnen die Forrester-Autoren den Status Quo, der nicht mehr lange haltbar ist.
Foto: Forrester Research

In den 1880er-Jahren bauten Gottlieb Daimler und Carl Benz ihre ersten motorisierten Wagen, und eine Pionierphase des Automobilbaus begann. 1913 dann ließ Henry Ford in seiner Detroiter Fabrik die Fließbänder anschmeißen. Ein charakteristisches Kapitel der Industriegeschichte. Was in der Fahrzeugbranche etwa ein Jahrhundert zurückliegt, beginnt in der IT nach Einschätzung der Analysten Jean-Pierre Garbani und Marc Cecere von Forrester Research gerade erst. In den kommenden fünf Jahren werde sich der IT-Betrieb vom derzeitigen frühindustriellen Modell weiterentwickeln in eine Phase der Massenproduktion. Cloud Computing macht das laut einer neuen Forrester-Studie möglich.

In ihrem Ausblick auf IT-Infrastruktur und IT-Operationen in den kommenden Jahren kommen die beiden Autoren zu dem Schluss, dass nicht die drastische Senkung von Kosten den Kern des Cloud-Modells darstelle. Der größte Nutzen des Wolken-Modells werde stattdessen in den dauerhaften Auswirkungen auf IT-Technologie und IT-Organisation liegen.

Die Entwicklung immer „klügerer“ Geräte, der explosionsartige Anstieg im Bereich der Business-Dienstleistungen und die stetig steigende Komplexität sind demnach die Schlüsselherausforderungen für die Anwender. Bisher hätten diese im IT-Betrieb die Antworten darauf in Virtualisierung, personeller Ausdehnung und der Automatisierung weniger Geschäftsprozesse gesucht. „Aber diese Strategie erreicht in Bälde ihr Verfallsdatum“, urteilt Forrester.

Ausweg Cloud Computing

Den Ausweg weise Cloud Computing, das wie die Fließbandherstellung auf Automatisierung und der Ausnutzung ökonomischer Vorteile fußt, die die Produktion großer Mengen biete. Das umwälzende Liefermodell zeigt also für die IT das Potenzial der Economies of Scale auf: „Die Lektion von Cloud Computing besteht darin, dass recht günstige 08/15-Hardware durch Virtualisierung und eingebettete Funktionalitäten die Kapazität für Computing, Storage und Netzwerke flexibilisieren kann.

Und dass enorme administrative Verbesserungen möglich sind“, heißt es in der Studie. Unter Produktivitätsgesichtspunkten sei es dabei egal, ob dies intern oder extern geschehe, solange das Cloud-Modell vollumfänglich adaptiert werde.

Den Vergleich zur Industriegeschichte spinnen Garbani und Cecere dabei zu einer Vier-Phasen-Folge: erst eine von wenigen „IT-Gurus“ geprägte„viktorianische“ Periode, dann eine Ära der vertikalen Integration, eine Epoche der Optimierung und schließlich die jetzt einsetzende Phase der Massenproduktion.

Diese Abfolge lässt sich für die verschiedenen IT-Bereiche durchdeklinieren. Auf das Zeitalter von Mainframe DOS folgten Online-Transaktionen sowie Distributed Systems und nun Cloud Computing. Herrschten zunächst Ad-hoc-Prozesse vor, so schlossen sich Phasen proprietärer und standardisierter Prozesse an, während nun die Periode der Automatisierung anbricht.