IT-Budgets erholen sich langsam

Wie CIOs investieren wollen

05.12.2003
MÜNCHEN (rg) - Portale, Speicher und Business Intelligence stehen auf der Prioritätenliste von CIOs ganz oben, sagt eine Studie von Cap Gemini Ernst & Young (CGEY). Eine Diskussion der Ergebnisse zeigte jedoch, dass die Interessen von IT-Verantwortlichen sehr unterschiedlich gelagert sind.

In welche IT-Felder wird 2004 investiert? Um der Beantwortung dieser Frage ein Stück näher zu kommen, lud der Münchner Unternehmerkreis IT (MUK-IT, Siehe Kasten: "Nur für Chefs") zu einem Roundtable-Gespräch. Rund 60 Geschäftsführer von Münchner IT-Unternehmen nutzten die Veranstaltung, um sich über die Ergebnisse einer aktualisierten Erhebung von CGEY zu informieren. Das Management- und IT-Beratungsunternehmen hatte bereits im Dezember 2002 eine IT-Trendstudie gestartet, um die damals für Großunternehmen wichtigen Themen zu ermitteln. An der Befragung hatten 131 IT-Entscheidungsträger deutscher Unternehmen teilgenommen. Nun stellte Geschäftsbereichsleiter Helmut Ramsauer die Ergebnisse einer Nachfolgeuntersuchung vor.

Das Thema Portale liegt demnach noch immer auf Platz eins der Prioritätenliste vieler Firmen, rund 55 Prozent wollen in den kommenden fünf Jahren in diesem Bereich mehr investieren. Das 2002 noch zweitwichtigste Feld Storage-Lösungen fiel dagegen in seiner Bedeutung hinter Business-Intelligence-Systeme zurück. Angesichts der wirtschaftlichen Krise wollten Unternehmen Daten schneller analysieren, um auf Fehlentwicklungen frühzeitig reagieren zu können, erläuterte Ramsauer.

Auch die Harmonisierung von ERP-Systemen wurde in der zweiten Studie höher gewichtet: 35 Prozent wollen hier ihr Engagement verstärken, 45 Prozent rechnen in diesem Umfeld mit gleich bleibenden Ausgaben, und 20 Prozent wollen dafür in den kommenden Jahren weniger investieren. Wireless- und Mobile-Lösungen stehen zwar insgesamt in ihrer Bedeutung hinter den genannten Bereichen zurück, haben jedoch Supplier-Relationship-Management und Partner-Relationship-Management in der Prioritätenliste überholt. In letztgenannten Bereichen, wie auch bei Enterprise-Application-Integration-(EAI-)Projekten, hat sich in puncto Investitionen im Schnitt wenig verändert. Allerdings wollen bei Integrationslösungen mehr Unternehmen Mittel kürzen (28,3 Prozent) als erhöhen (21,7 Prozent).

ERP-Systeme bleiben wichtige Baustelle

In einer Podiumsdiskussion äußerten sich fünf CIOs weitgehend zustimmend, wenngleich ihre Unternehmen in einzelnen Bereichen andere Schwerpunkte setzen. Margit Bauer, Geschäftsführerin von HBV-Systems, nannte beispielsweise EAI als dringendstes IT-Thema: "Wir versuchen in Teilbereichen zunehmend Standardsoftware einzusetzen, im Finanzhandel ist das allerdings nicht möglich." Dort müssten Architekturen und Prozesse vereinfacht und mittels EAI verbunden werden, um die Systeme überschaubarer zu machen.

Mit der von Ramsauer angesprochenen Harmonisierung der ERP-Systeme beschäftigt sich derzeit die RI Solutions GmbH. Der IT-Dienstleister der Baywa AG stellt in einem ersten Schritt 6000 Anwender auf "SAP R/3 Enterprise" um. Das Upgrade von 3000 Usern, habe man mittlerweile bewältigt, so Eugen Berchthold, Geschäftsführer von RI Solutions und CIO bei Baywa. "Das Projekt bindet jedoch einen Großteil unseres Budgets." Die weitergehende Harmonisierung der eingesetzten Systeme will Berchthold erst angehen, wenn der Release-Wechsel abgeschlossen ist.

Arno von der Eltz, CIO der Wacker Chemie GmbH, kann sich in puncto ERP-Systeme entspannt zurücklehnen: "Mit der ERP-Konsolidierung sind wir durch." Für das kommende Jahr stehe der Release-Wechsel von "SAP-APO" auf Version 4.7 an erster Stelle seiner Agenda. Daneben sollen künftig mittels "SAP BW" erstellte Analysen in das CRM-System eingespeist werden.

Business Intelligence hoch im Kurs

Die Kopplung eines Data Warehouse mit CRM-Lösungen beabsichtigt auch der ADAC. Der Automobilclub hat in Zusammenarbeit mit Partnerunternehmen seine Produktpalette insbesondere im Bereich Versicherungen erweitert und plant, in den kommenden Jahren auch Autofinanzierungen anzubieten. Laut Norbert Peczynski, Leiter der Informationsverarbeitung, sollen für die Erweiterung der Geschäftsaktivitäten Kundeninformationen gesammelt und ausgewertet werden. Sein Unternehmen wolle damit feststellen, welche weiteren Dienstleistungen nachgefragt würden.

Den in der CGEY-Studie festgestellten Trend zur intensiveren Nutzung von BI-Systemen konnte auch Harald Arker, CIO des Süddeutschen Verlags, bestätigen. Sein Unternehmen wird mittelfristig sein Reporting auf SAP-BW umstellen.

Während sich die CIOs über die zunehmende Relevanz von BI-Systemen weitgehend einig waren, stimmten sie mit einem anderen Ergebnis der Studie nicht überein. Das als Toppriorität genannte Thema Portale beschäftigt die versammelten IT-Verantwortlichen kaum.

Zur Entwicklung ihrer gesamten IT-Budgets hielten sich die meisten CIOs bedeckt. Die Untersuchung lässt allerdings vermuten, dass die IT-Investitionen wieder steigen werden. Demnach ist zumindest die Zeit der großen Verunsicherung vorbei: In der aktuellen Umfrage gaben lediglich fünf Prozent an, noch keine Budgetaussagen für die kommenden Jahre treffen zu können. Ende 2002 lag dieser Anteil noch bei 17 Prozent.

Budget-Verunsicherung offensichtlich vorbei

Im ausgehenden Jahr verfügten 53,3 Prozent der Befragten über das Geld, das Ende 2002 eingeplant wurde. Rund ein Drittel musste jedoch mit geringeren Budgets auskommen als ursprünglich geplant. 11,7 Prozent konnten sich über eine kurzfristige Aufstockung freuen.

Mehr als 33 Prozent gehen laut Ramsauer davon aus, 2004 mehr Geld zur Verfügung zu haben, für 2005 rechnen sogar 38,3 Prozent mit steigenden Budgets (30 Prozent kalkulieren mit gleich bleibenden Ausgaben, wohingegen 26,7 Prozent weitere Kürzungen erwarten). Im Vergleich zum Vorjahr habe sich die Stimmung damit deutlich gebessert, so der Analyst. Ende 2002 hätten nur rund fünf Prozent mit steigenden Budgets gerechnet.

Für die versammelten Geschäftsführer von IT-Anbietern zog der Moderator des Roundtables, Lutz Steffen, Gründer der Steffen GmbH und Mitinitiator des MUK-IT, ein positives Resümee: "Der geschilderte Ausblick gibt Anlass, wieder zuversichtlicher voranzuschreiten."

Nur für Chefs

Der Münchner Unternehmerkreis IT sieht sich als Plattform für den Dialog zwischen IT-Unternehmern aus der bayerischen Landeshauptstadt. Die Initiatoren, allesamt Geschäftsführer ortsansässiger Firmen, haben sich auf die Fahnen geschrieben, Beziehungen zu fördern. So will der Kreis eine offene Form des Kompetenzaustausches begründen und pflegen. Zum 9. Roundtable fanden sich neben fünf CIOs namhafter Unternehmen rund 60 weitere Interessierte ein. Zu den Veranstaltungen sind ausschließlich Unternehmer, also geschäftsführende Gesellschafter, Geschäftsführer und Vorstände, zugelassen.