Die IT als Gamechanger

Wie Audi mit IT Innovationen ins Auto bekommt

Audi-CIO Mattias Ulbrich berichtet über IT in Produkten, IT für Kunden und IT in den Geschäftsprozessen.

Es nervt halt immer wieder. Man hat einen Termin im Restaurant und findet auf die Schnelle keinen Platz im Parkhaus. Kein Problem, denn IT kann hier ungemein entstressen: Der Fahrer sagt dem Auto, dass es ins Parkhaus fahren soll, sobald ein Platz frei wird.

Audi CIO Mattias Ulbrich auf den Hamburger IT-Strategietagen
Audi CIO Mattias Ulbrich auf den Hamburger IT-Strategietagen
Foto: Foto Vogt

Während sein Auto noch wartet, sitzt der Fahrzeuglenker schon beim Essen, Und wenn Platz ist, fährt das Auto automatisch und allein ins Parkhaus. Und wenn der Fahrer seinen Restaurantbesuch beendet, auch wieder raus.

Kein Wunder, dass ein Raunen und lebhaftes Getuschel durch den Raum ging, als Audi-CIO Mattias Ulbrich von diesen Features im Rahmen von „Autonomem Parken“ oder „Pilotiertem Parken“ sprach. Die 800 Teilnehmer der Hamburger IT-Strategietage fanden diese Zukunftsvision spannend.

Ulbrich hielt das Motto der Konferenz „Innovation Drives Business – Die IT als Gamechanger” für sehr wichtig und treffend, weil IT-Innovationen für Unternehmen immer wichtiger würden.

So will beispielsweise Audi in den kommenden Jahren die Zahl der Modelle von 49 auf 60 erhöhen. Bis 2018 sollen rund 22 Milliarden Euro in die Entwicklung gehen, denn 90 Prozent aller Innovationen finden in den Bereichen Elektrik, Elektronik und IT statt.

Besonders in drei Bereichen will sich dabei die IT einbringen:
1. IT im Produkt
2. IT für Kunden
3. IT in den Geschäftsprozessen

IT Im Produkt

Als ein weiteres Beispiel für IT im Produkt neben dem Autonomen Parken nannte Ulbrich das Virtual Cockpit, das demnächst auf dem Genfer Autosalon vorgestellt werden soll. Das Cockpit kommuniziert beispielsweise mit Ampeln und zeigt dem Fahrer an, wie schnell er eine Ampel anfahren sollte, damit er bei Grün die Straße überqueren kann. Umgekehrt startet der Motor automatisch vier Sekunden bevor die Ampel von Rot auf Grün wechselt.

Ziel des Virtual Cockpit: IT soll den Fahrer von lästigen Aufgaben entlasten. Dazu dient auch das Autonome Fahren, bei dem das Auto alleine fährt, was zum Beispiel bei sehr zähflüssigem Verkehr sinnvoll wäre. Die Technik funktioniert laut Ulbrich bis zu einem Tempo von 60 Stundenkilometern.

IT für Kunden

Auch beim Händler unterstützt IT die Kunden. So kann kaum ein Verkäufer alle aktuellen 49 Modelle vor Ort hinstellen. Dafür gibt es im Autohaus des Händlers jetzt den Virtuellen Showroom. Hier kann der Kunde sich sein Auto nach seinen Vorstellungen zusammenstellen, wobei er aus der bescheidenen Zahl von rund 100 Millionen Konfigurationsmöglichkeiten wählen kann.

Sein Wunschauto sieht er dann im Autohaus und in Lebensgröße auf einem Riesendisplay. Er kann sich sogar Details im Motor zeigen lassen, was bei heutiger Motorenbauweise real kaum noch möglich ist.

Jetzt im Februar hat Audi den ersten Showroom in der Audi City in Berlin eröffnet. Zwei weitere Räume gibt bereits in London (seit 2012) und in Peking (seit 2013).

IT unterstützte Geschäftsprozesse

Im Business arbeitet die IT eng mit der Produktion zusammen. Das Ziel sei es dabei immer, die Qualität zu gewährleisten und die Arbeiter am Band zu entlasten. Dafür würden Fertigung und Logistik besser vernetzt. Als Beispiel nannte CIO Ulbrich den Einbau einer Autoantenne, von der es bei Audi mehr als 150 Kombinationsmöglichkeiten gibt.

Passiert es früher, dass eine falsche Antenne auf ein Auto gebaut wurde, so fiel das meist erst am Ende der Produktion auf. Dann musste unter anderem der Autohimmel aufwendig wieder entfernt werden, um die Antenne auszutauschen.

Heutzutage erkennt das IT-System solche Fehler sofort, schickt diese Information an die Logistik und ermöglicht es schon fünf Arbeitsschritte weiter, dass die Antenne ausgewechselt wird.

Beispiel Social Collaboration

Ein wichtiges Betätigungsfeld für die IT sieht Ulbrich auch in der internen Social Collaboration, um Innovationen voranzubringen. Hier arbeitet Audi auf technischer Seite unter anderem mit Microsoft Sharepoint, Jive, dem Intranet Audi myNet und dem Audi Wiki. Wenn ein Mitarbeiter nach einem Thema sucht, durchstöbert die Suche alle Social-Media-Töpfe. Das sei auch wichtig angesichts der weltweiten Vernetzung des Konzerns, sagte Ulbrich.

Hier seien IT und CIO als Gamechanger in der Unternehmenskultur gefordert. Denn Neues kann man nicht einfach nur so einführen und hoffen, dass es angenommen wird und läuft.

Lessons Learned - Rat und Tat

Zum Schluss gab Ulbrich den Teilnehmern drei Dinge mit auf den Weg, um Verbesserungen und disruptive Änderungen beherzter anpacken und umsetzen zu können.

  1. IT muss sehr intensiv mit den Fachbereichen zusammenarbeiten.

  2. Die Kompetenz der Mitarbeiter ist wichtig. Man braucht viele IT-Spezialisten und nicht nur Projektmanager, die in den vergangenen Jahren bevorzugt gesucht wurden. Denn Spezialisten können sich beispielsweise besser mit externen Spezialisten von Google oder Jive austauschen.

  3. Man sollte eine Innovationskultur schaffen und dafür Freiräume schaffen. So hat Audi Innovationstage eingeführt und stellt Mitarbeiter dafür frei. Außerdem werden Schulungen gefördert, etwa für Design Thinking.