Fachkräftemangel

Wie Arbeitgeber die Generation Y erreichen

Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting, Social Media im Berufsleben. Zusätzlich betreut das Karriereressort inhaltlich das Karrierezentrum auf der Cebit.
Mit aufwändigen Maßnahmen und einer glaubwürdigen Selbstdarstellung erreicht das IT- und Beratungshaus Capgemini den Nachwuchs.
Die Capgemini-Managerinnen Marie-Fleur Revel (links) und Christina Gräßel erläutern CW-Redakteur Hans Königes, wie sie Digital Natives an ihr Unternehmen binden wollen.
Die Capgemini-Managerinnen Marie-Fleur Revel (links) und Christina Gräßel erläutern CW-Redakteur Hans Königes, wie sie Digital Natives an ihr Unternehmen binden wollen.
Foto: Capgemini

Die Personaler aus dem IT- und Beratungshaus Capgemini verstehen diese neue Generation nicht als "verwöhnte Bewerber", sondern meinen pragmatisch, man müsse sich "in den Haltungen einander anpassen". Man profitiere vom Selbstbewusstsein der neuen Generation und sei gefordert , "innovativ und attraktiv zu sein", wie es Personalfrau Christina Gräßel formuliert.

Kontakt zur Praxis

Im Rahmen ihrer Event-Serie "Expedition" lädt das Unternehmen seit 2011 Studierende, Absolventen und Berufseinsteiger zu einer Veranstaltungsreihe, bestehend aus mehreren Workshops zu aktuellen IT-Themen in verschiedenen deutschen Städten, ein. Höhepunkt bildet dann der sogenannte Expedition Summit - ein Gipfeltreffen, an dem in diesem Sommer zum Beispiel 130 Teilnehmer aus Deutschland in München dabei waren und neben dem Besuch von Vorträgen Gespräche mit mehr als 50 Capgemini-Mitarbeitern über IT-Trends und die Arbeit in einem Beratungshaus möglich waren. Vor allem diesen letzten Aspekt schätzte der Nachwuchs besonders. Um die Capgemini-Consultants bildeten sich richtige Trauben von Absolventen, die aus erster Hand Informationen zum IT- und Beraterjob erfragten und sich gelegentlich auch auf kontroverse Diskussionen mit den Profis einließen.

Marie-Fleur Revel, zur Generation Y zählende Projektleiterin bei Capgemini, weiß sehr wohl, was ihre Altersgenossen wünschen und schätzen, und darauf hat sich das Beratungshaus eingestellt. So gibt es zum Beispiel im Bewerbungsverfahren nur einen kurzen Fragebogen, um die Guten nicht gleich zu verscheuchen. Auch auf ein Assessment Center verzichtet das Unternehmen, stattdessen "steht das persönliche Gespräch im Vordergrund", wie Revel versichert. Man verlasse sich auch auf das Bauchgefühl, sekundiert Personalerin Gräßel. Im Vorstellungsgespräch sind aktuelle junge Kollegen dabei und der potenzielle Chef. Und damit der Einstieg auch gelingt, begleitet ein Mentor den neuen Mitarbeiter, "und das darf nicht der Chef sein", wie Gräßel erzählt.

In ihrer "Expediton"-Reihe versucht Capgemini, glaubwürdig und realistisch dem Nachwuchs die betriebliche Realität zu demonstrieren, um umgekehrt zu zeigen, dass man verstanden hat, was die Ansprüche und Wünsche der Digital Natives sind.

Am Projekt probieren

In Workshops arbeiten die Teilnehmer in Teams an echten Fällen, um zum einen die Herausforderungen in einem anspruchsvollen Projekt kennenzulernen, zum anderen, um das hierarchiefreie Arbeiten in der IT-Praxis zu erleben. Kleiner Nebeneffekt, den der Nachwuchs schätzt: Alle duzen sich von Anfang an. Capgemini kann noch mit einem weiteren Pfund wuchern, das gut ankommt: der Internationalität. Wie Revel und Gräßel bestätigen, arbeitet der Nachwuchs gern in internationalen Teams. Es sei kein Problem, die Jungen für Aufgaben in den Offshore-Zentren in Indien und Polen zu begeistern. (hk)