Freiberufler

Wie Alter und Markt das Honorar beeinflussen

08.11.2012
Von 
Alexandra Mesmer war bis Juli 2021 Redakteurin der Computerwoche, danach wechselte sie zu dem IT-Dienstleister MaibornWolff, wo sie derzeit als Head of Communications arbeitet.
Je älter und erfahrener, desto höher der Stundensatz. Diese Formel gilt für IT-Freiberufler nur bis Mitte 40. Auch die Marktentwicklung bremste viele IT-Selbständige in ihren Forderungen aus, wie eine Beispielrechnung zeigt.
Mehr Erfahrung = höheres Honorar. Diese Gleichung geht für Freiberufler nur bis zu einem bestimmten Alter auf.
Mehr Erfahrung = höheres Honorar. Diese Gleichung geht für Freiberufler nur bis zu einem bestimmten Alter auf.
Foto: Tobif82 - Fotolia.com

Wie wirken sich Marktlage und Alter der Freiberufler auf deren Stundensätze aus? Diese Frage versuchte die IT-Projektbörse und Personalagentur Gulp mit vier Beispielrechnungen zu beantworten. Darin analysiert sie, wie sich die Stundensatzforderungen der Freiberufler seit 2002 entwickelten. Ein Befund: Mit dem Alter und der Erfahrung steigt auch der Preis der Freiberufler, allerdings nur bis zu einem bestimmten Punkt.

Von 25 bis 35 Jahren steigen die Honorare

Die heute 35-jährigen IT-Freiberuflern gehören laut Gulp-Rechnung zu den Gewinnern: Ihre Stundensatzforderungen sind seit 2002 nur gestiegen. Mit 25 Jahren verlangten sie einst im Schnitt 64 Euro in der Stunde, heute sind sie bei 73 Euro in der Stunde angelangt. Das führt Gulp-Marketing-Leiter Stefan Symanek nicht nur auf die gute Marktlage zurück. 35 Jahre markieren eine Grenze, ab der Freiberufler deutlich mehr verdienen. "Das Stundensatz-Maximum erreichen Selbstständige im Schnitt mit 50 bis 54 Jahren. Wenn der Markt sich gut entwickelt, ist also noch Luft nach oben", sagt Symanek.

Diese Luft nach oben hatten viele der heute 45-jährigen IT-Freiberufler aber nicht, wie die nächste Modellrechnung zeigt. Im Jahr 2002 und 35 Jahren betrug der gewünschte Stundensatz noch 75 Euro, sank bedingt durch die Wirtschaftskrise auf 72 Euro ab. Aktuell fordert der 45-Jährige wieder 77 Euro in der Stunde. Der Anstieg fiel damit weniger deutlich aus als bei den jüngeren Kollegen.

Die älteren Freiberufler mussten ihre Stundensatzforderungen sogar nach unten korrigieren. Ein heute 55-Jähriger setzt sein Honorar laut Gulp bei durchschnittlich 74 Euro an, 2002 und mit 45 Jahren forderte er noch 76 Euro. Noch deutlicher ist der Abwärtstrend bei den Stundensätzen der heute 65-jährigen IT-Selbständigen: Mit 55 Jahren, im Jahr 2002, hatte er durchschnittlich eine Honorarforderung von 77 Euro in sein Gulp-Profil eingetragen. Aktuell sind es zwölf Euro weniger. "Diese Entwicklung war bis zu einem gewissen Grad vorhersehbar, aber nicht in dem Maße", kommentiert Symanek. "Sie bleibt unverständlich: Was externe IT-Spezialisten in Unternehmen mitbringen, ist vor allem Erfahrung, Know-how aus früheren Projekten und Fachwissen. Und es liegt auf der Hand, dass diese Dinge im Laufe eines Berufslebens immer mehr werden, und nicht weniger." Projektanbieter seien aktuell bereit, im Schnitt einen Euro mehr zu bezahlen als die Freelancer fordern, betont der Gulp-Manager. Anscheinend wüssten einige Unternehmen Erfahrung und Know-how doch zu schätzen.