Weiterbildung für Entwickler

Wie agile Programmierer von- und miteinander lernen

20.04.2011
Von Elisabeth Wagner
Sie treffen sich in ihrer Freizeit, um sich die Grundlagen der agilen Entwicklung beizubringen. Und sie gehören zu den Pionieren eines Trends, von dem immer mehr Firmen erfasst werden.

Eigentlich eine Situation, die einen ITler zur Verzweiflung bringen kann: Christoph Mathis, agiler Coach, sitzt am Laptop und programmiert. Neben ihm ein Kollege, der ihm ständig erzählt, was er zu tun und zu lassen hat. Und hinter den beiden weitere acht Programmierer, die das Geschehen über eine große Leinwand verfolgen und jeden Schritt, der sich vor ihnen abspielt, laut diskutieren. Manches würden sie offensichtlich besser oder zumindest anders machen, wenn sie selbst ...

Christoph Mathis: "Was haben ein erstklassiger Sportler oder Musiker gemeinsam? Sie üben und üben, bis sie alle Grundfertigkeiten wie im Schlaf beherrschen. Das sollten auch Softwareentwickler tun."
Christoph Mathis: "Was haben ein erstklassiger Sportler oder Musiker gemeinsam? Sie üben und üben, bis sie alle Grundfertigkeiten wie im Schlaf beherrschen. Das sollten auch Softwareentwickler tun."
Foto: Christoph Mathis

Und das dürfen sie, einer nach dem anderen. Nach etwa sieben Minuten freuen sich die beiden Protagonisten am Laptop, dass bei ihrem Abschlusstest alles grün ist, dann darf Mathis nach hinten, sein Nebenmann geht an die Tastatur und einer der Hintermänner, der gerade besonders viele Ideen hatte, nimmt tatendurstig den freien Ansagerplatz ein. Und weiter geht es mit der Aufgabe, die alle auf einem DIN-A4-Blatt in der Hand halten.

Die gelassene, ja wohlwollende Ruhe mit der alle gerade Aktiven die ewigen Kommentare über sich ergehen lassen, würde einem zufällig hereingeschneiten Beobachter schnell den Eindruck vermitteln: Hier wird offensichtlich nicht wirklich ernsthaft gearbeitet. Und genauso ist es ja auch. Knapp ein Dutzend Programmierer, etwa zwischen 25 und 50 Jahre alt, hat sich an diesem Abend in dem Tagungsraum des Hotels vor den Toren Münchens verabredet, um gemeinsam zu lernen, miteinander und vor allem voneinander.

Alle Anwesenden, die da so lebendig miteinander diskutieren, haben eines gemeinsam: Sie sind nicht nur Programmierer, sie haben außerdem ein Faible für agile Softwareentwicklung und bis auf einen sehr jungen Kollegen schon einige Erfahrung in Scrum-Projekten, einer speziellen Ausprägung der Agilität. Diese setzt stark auf die Kreativität selbstorganisierter Entwicklerteams: Wenn die Anforderungen für eine meist circa sechs Wochen lange Programmierphase vereinbart sind, darf niemand dem Team dreinreden, wie es seine Arbeit macht. Intensive gemeinsame Entwicklung, etwa in der Form des Pair Programming, wird von Scrum ausdrücklich gefordert. Dass die Scrum-Anhänger Weiterbildung zumindest zum Teil in selbstorganisierten Gruppen suchen, ist eine Konsequenz ihrer positiven Teamerfahrung in ihren Projekten.