Secure Vector Routing

Wie 128 Technology „das Internet reparieren will“

Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
128 Technology schlägt einen komplett neuen Routing-Ansatz vor, um die Vernetzung einfacher und sicherer zu machen. Dies allein wäre keine Meldung wert, würde hinter dem Startup nicht Andy Ory stecken, der Gründer des Netzwerkspezialisten Acme Packet, der 2013 von Oracle für 1,7 Milliarden Dollar übernommen wurde.
Andy Ory, CEO von 128 Technology
Andy Ory, CEO von 128 Technology

Das Internet wurde einst dafür konzipiert, um Pakete von einer Quelle zu einem Ziel zu senden. Mit der Zeit wurde daraus aber eine Plattform für den Austausch von Inhalten und Diensten zwischen großen privaten Netzen. Diese komplexen Aufgaben verlangen Fähigkeiten, die über das einfache Routing hinausgehen, etwa Sicherheit und die Kenntnis über den Zustand einer Session, so Andy Ory, CEO von 128 Technology - benannt nach der bekannten Ringautobahn in der Nähe von Boston, Massachusetts, an der zahlreiche Hightech-Firmen angesiedelt sind und sich auch der Firmenhauptsitz des Startups befindet.

Herkömmliche Router seien für diese Aufgaben nicht wirklich gerüstet, erklärt Ory, weshalb Netzwerkingenieure diese mit Load Balancer, Firewalls, Tunnel, MPLS (Multiprotocol Label Switching), Deep Packet Inspection und andere Komponenten verstärkt hätten. Das habe 20 Jahre lang geklappt. Nun beginne die Komplexität uns jedoch einzuholen, führt Ory fort: "Wir haben einen Punkt erreicht, an dem es einfach nicht mehr funktioniert." Da das Internet sich in private Netze aufteilt, werde es immer schwieriger für Unternehmen, ihren Kunden Anwendungen und Services bereitzustellen.

Innovativer Ansatz vereinfacht Netzwerke

Die von 128 angedachte Lösung ist ein plangesteuertes Routing, das einen Weg durch das Internet auswählen, verwalten und durchsetzen kann. Dadurch werde sichergestellt, dass der Datenverkehr sicher und mit dem passenden Service-Level etwa zwischen einem Unternehmensnetz und Microsofts Office-365-Cloud verlaufe, erklärt Ory. Auf diese Weise würde eine Reihe von Problemen gelöst, mit denen Netzwerk-Nutzer heutzutage konfrontiert würden, einschließlich Spionage und Identitätsdiebstahl. "Das Netz selbst trägt nicht zur Sicherheit bei, aber ein Session-aware geroutetes Netzwerk könnte es."

Hinzu komme, so Analyst Rob Enderle, dass das Endergebnis wesentlich einfacher sei, deutlich weniger kostspielig zu bauen und für den Bruchteil der Kosten von herkömmlichen Netzen zu managen, bei weitem agiler und signifikant sicherer. Und es sei auch weitgehend automatisiert.

Software für virtuelle Router

Die Lösung von 128 Technology soll einen einfachen und sicheren Datentransport über das Internet ermöglichen.
Die Lösung von 128 Technology soll einen einfachen und sicheren Datentransport über das Internet ermöglichen.
Foto: hywards - www.shutterstock.com

Anstelle zu versuchen, alle Router im Internet auszutauschen, will 128 Technology eine Linux-basierende Routing-Software bereitstellen, die auf jedem Server läuft. Diese virtuellen Router sollen in Koexistenz mit den konventionellen Routern in der Lage sein, zwischen einander plangesteuerte Wege zu schaffen.

Da für eine solche Veränderung über das gesamte Internet hinweg ein großes Ökosystem benötigt wird, will 128 seine Technologie den Standardgremien vorlegen. Daneben gibt es aber auch Möglichkeiten, die Lösung zu nutzen ohne das gesamte Web umzumodeln. Zum Beispiel könnte ein Carrier die Router in seinem eigenen Netzwerk einsetzen oder ein Unternehmen könnte sie in sein Rechenzentrum implementieren.

Das Geschäftsmodell des Startups ist ähnlich unkonventionell wie der Routing-Ansatz: 128 Technology verkauft keine Hardware und die Software wird frei verfügbar sein. Um Geld zu verdienen, will 128 Lizenzen für die Nutzung der Software verkaufen, basierend auf der Menge von Daten, die Kunden über die virtuellen Router schicken.

Die Software ist ab sofort im Handel erhältlich und wird bereits von Kunden getestet. Das Unternehmen geht davon aus, dass damit noch in diesem Jahr Live-Traffic verarbeitet wird.