Beats

Wettet Apple Milliarden auf das Musikgeschäft der Zukunft?

09.05.2014
Mit über 150 Milliarden Dollar Cash auf der hohen Kante kann Apple sich auch große Firmenübernahmen leisten. Dennoch fragen sich viele Experten, warum das angebliche Übernahme-Objekt Beats über drei Milliarden Dollar wert sein soll.

Milliarden-Übernahmen haben im Silicon Valley Hochkonjunktur: Facebook zahlt 19 Milliarden Dollar für WhatsApp, Google nimmt 3,2 Milliarden Dollar in die Hand, um den Hersteller vernetzter Thermostate Nest zu schlucken. Nur einer der Großen hielt sich bislang zurück: Apple. Doch wenn die Berichte von Top-Adressen des Wirtschaftsmedien stimmen, plant auch der iPhone-Konzern einen Mega-Deal mit dem Kauf des Musik-Spezialisten Beats.

Auf 3,2 Milliarden Dollar bezifferten "Financial Times", Bloomberg und das "Wall Street Journal" unisono den Kaufpreis. Die Berichte werfen viele Fragen auf. Warum Beats? Warum jetzt? Warum so teuer? Es dürfte kaum um die Kopfhörer mit dem markanten roten "b" gehen, die zwar bei jungen Leuten beliebt sind, aber mit ihrem klobigen Plastik-Look kaum der Design-Philosophie von Apple entsprechen.

Beats Music gibt es bisher nur in USA.
Beats Music gibt es bisher nur in USA.
Foto: Beats

Spannender dürfte der im Januar gestartete Streaming-Dienst Beats Music sein. Hofft Apple-Chef Tim Cook, durch den Milliarden-Deal langwierige Gespräche mit den Musik-Konzernen um zusätzliche Rechte zu umgehen? Die müssten aber nach einem Eigentümer-Wechsel vermutlich eh neu verhandelt werden. Oder will er einfach die Zeit für den Aufbau eines eigenen Streaming-Dienstes sparen? Auf jeden Fall wären über drei Milliarden Dollar ein vielfaches von dem, was Beats bisher wert war. Der Smartphone-Konkurrent HTC war zeitweise Mehrheitseigentümer für nur 300 Millionen Dollar. Apple mit seinem Geldberg von über 150 Milliarden Dollar kann sich jedoch locker einen Aufpreis leisten.

Der iPhone-Konzern übernahm bisher aber immer wieder nur kleinere Firmen, um gezielt technisches Know-how einzukaufen und talentierte Techniker ins Boot zu holen. So kam der virtuelle Sprachassistent Siri von der Firma Voice Control Software im April 2010 zu Apple und im Oktober 2011 dann auf das iPhone. Milliarden-Übernahmen haben Apple-Mitbegründer Steve Jobs und sein Nachfolger Tim Cook aber stets abgelehnt. Selbst bei strategisch wichtigen Deals wie dem Kauf des Chip-Herstellers P.A. Semi konnte Apple die geforderten 278 Millionen Dollar quasi aus der Portokasse bezahlen.

Tim Cook, CEO von Apple
Tim Cook, CEO von Apple
Foto: IDG News Service

Apple-Chef Tim Cook musste diesen zurückhaltenden Kurs zuletzt aber immer wieder verteidigen. "Wir wetteifern nicht darum, das meiste Geld auszugeben oder die meisten Firmen zu kaufen", rechtfertigte sich Cook erst vor zwei Wochen in einem Gespräch mit Analysten. Es gehe darum, die weltbesten Produkte zu bauen - und diesem Ziel seien auch die Zukäufe untergeordnet. Cook schreckt dabei auch vor den Schwierigkeiten zurück, die eine Integration größerer Teams in die Apple-Kultur mit sich bringen könnte. Zugleich versprach er aber auch Deals, "die es unmöglich sein wird, zu verschweigen".

Dennoch kratzten viele Branchenexperten am Freitag verwundert den Kopf, als sie von den Beats-Gerüchten hörten. "Es fällt uns schwer, die Gründe für diesen Schritt nachzuvollziehen", schrieb Branchenanalyst Gene Munster in einer ersten Reaktion. Apple sei nicht auf die Marke von Beats angewiesen und die Firma sei auch nicht für irgendeine besondere Technologie bekannt.

Beats-Kopfhörer sind sehr teuer und total in - allerdings sind sie viel zu basslastig und eignen sich eigentlich nur für bestimmte Musik (wie zum Beispiel den Hiphop von Mitbesitzer Dr. Dre)...
Beats-Kopfhörer sind sehr teuer und total in - allerdings sind sie viel zu basslastig und eignen sich eigentlich nur für bestimmte Musik (wie zum Beispiel den Hiphop von Mitbesitzer Dr. Dre)...
Foto: Beats

Es ist tatsächlich viel Geld für einen noch kleinen Player: Selbst Spotify, das Flaggschiff der neuen Musik-Dienste mit über sechs Millionen zahlenden Nutzern, soll bei der vergangenen Finanzierungsrunde mit vier Milliarden Dollar bewertet worden sein. "Sie kaufen sich in die Zukunft ein und die Zukunft ist Streaming und Abo-Dienste", sagte zugleich ein früherer Chef des Konkurrenten Rhapsody, Jon Irwin, der Agentur Bloomberg.

Ein Argument für den Kauf war jüngst in dem Jahresbericht des Musik-Branchenverbandes IFPI (PDF-Link) zu finden. Die Abo-Angebote wie Spotify, Rdio oder Deezer verbuchten 2013 ein Umsatzplus von 51 Prozent auf gut 1,1 Milliarden Dollar. Zum Jahreswechsel hatten sie weltweit zwar erst 28 Millionen Nutzer. Doch hier liegt ganz klar das Wachstum, während das Geschäft mit Musik-Downloads in den USA - eine Domäne von Apple - bereits schrumpfte.

Noch ist die Musik zum Herunterladen aber mit Abstand der größere Markt und es wäre nur vernünftig, wenn Apple die Milliarden aus diesem Geschäft mitnimmt, solange es noch geht. Sobald Apple aber ins Musik-Streaming einsteigt, wäre der Konzern mit seinen 800 Millionen registrierten iTunes-Nutzern auf einen Schlag eine Supermacht. (dpa/tc)