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Antitrust-Prozeß

Wetten daß...?

26.02.1999
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Antitrust-Prozeß

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - ... der Vorsitzende Richter des Microsoft-Prozesses, Thomas Jackson, mittlerweile von Microsoft die Nase voll hat? Schon mehrfach hatte der stämmige US-Distriktrichter im Verlaufe des nunmehr bereits fünf Monate dauernden Verfahrens seinen nur mühsam gezügelten Unwillen über diverse unverständliche Auftritte von Microsoft-Managern vor Gericht geäußert.

Jetzt bot ihm Microsofts Senior Vice-President Joachim Kempin einmal mehr Gelegenheit, Salz in die offenen Wunden der Gates-Company zu streuen. Für Kempin geriet nämlich der Versuch zu einem Eiertanz, sich zu den möglichen Auswahlkriterien von PC-Benutzern bezüglich Browser-Software zu äußern. Zunächst wollte der Microsoft-Mann nicht mit Daten zu etwaigen Marktanalysen für die Browser-Wahl herausrücken.

Als Kempin allerdings Microsoft-interne Forschungsresultate präsentiert wurden, wollte der Topmanager nicht zu ihnen stehen. Die Gates-Company hatte in ihrer Marktstudie herausgefunden, daß die meisten Anwender auf die Frage nach dem favorisierten Browser antworteten: "Ich bin auf Microsofts Explorer gewechselt, weil er mit meinem PC ausgeliefert wurde." Diese ans Licht der Öffentlichkeit gezerrte Antwort kann Microsoft nicht gefallen. Schließlich versucht das Unternehmen verzweifelt zu belegen, daß Netscape eine faire Chance hat, seinen Browser am Markt zu vertreiben. Und dies, obwohl der Explorer, in Windows integriert, mit jedem PC ausgeliefert wird.

Richter Jackson dazu: "Gerade vorhin haben Sie sich noch ganz schön geziert, uns irgendwelche Statistiken zu präsentieren, die belegen würden, warum Käufer sich für welche Browser-Software entscheiden. Nun sagen Sie uns, Sie würden den Ergebnissen Ihrer eigenen Marktstudien widersprechen. Worauf begründen Sie Ihre Meinung? Auf Mundpropaganda?"