Tore Meyer

WeTab-Chef geht nach Canossa

11.10.2010
Nach dem Chaos um den deutschen "iPad-Konkurrenten" WeTab hat WeTab-Geschäftsführer Tore Meyer Fehler eingeräumt und Verbesserungen des Produkts versprochen.
WeTab - "kaum ein Fettnäpfchen ausgelassen"...
WeTab - "kaum ein Fettnäpfchen ausgelassen"...
Foto: WeTab GmbH

"Wir wollen wieder das Produkt in den Vordergrund rücken und die Wahrnehmung verbessern", sagte Tore Meyer, WeTab-Geschäftsführer, der Tageszeitung "Die Welt" (Montagausgabe). Meyer ist nach dem Ausscheiden von Helmut Hoffer von Ankershoffen nun alleiniger Geschäftsführer der WeTab GmbH, einem Gemeinschaftsunternehmen der Unternehmen Neofonie aus Berlin und 4tiitoo aus München.

"Wir haben es ganz sicher unterschätzt und kaum ein Fettnäpfchen ausgelassen", sagte Meyer. Es sei falsch gewesen, mit dem Gerät, so wie es war, in den Markt zu gehen, sagte Meyer. Der Tablet-Computer hat nach Meinung von Experten Mängel. So funktioniert die Multitouch-Funktion - das Vergrößern und Verkleinern durch Fingerbewegungen - nicht richtig. "Daran sind die Leute durch Apple-Produkte wie das iPhone und iPad gewöhnt. Das wird einfach erwartet", sagte Meyer. Das habe man unterschätzt. In den nächsten Tagen soll es eine großangelegte Aktualisierung der WeTab-Software geben. "Wir bemühen uns, das in den Griff zu bekommen."

Das WeTab ist ein Tablet-Computer, der über eine berührungsempfindliche Oberfläche gesteuert wird und seit Ende September verkauft wird. Der frühere Chef Ankershoffen musste nach Ankündigungen Verkaufstermine immer wieder verschieben. Vergangene Woche gab Ankershoffen zu, beim Onlinehändler Amazon unter falschem Namen eine positive Kritik des WeTab veröffentlicht zu haben. Als Konsequenz zog er sich von seinen Geschäftsführerposten bei WeTab zurück.

Fake-Bewertungen auch auf Telekom-Portal

Auf einem Einkaufsportal der Telekom im Internet sollen Hunderte von fingierten Kundenbewertungen abgeben worden sein. Wie "Spiegel Online" berichtet, hat eine Textagentur im Auftrag der "Einkaufswelt" von T-Online die künstlichen Bewertungen erstellt. Ziel sei es dabei gewesen, eine lebhafte Debatte über neue Produkte vorzutäuschen, um damit das Einkaufsportal aufzuwerten.

So hätten zahlreiche Autoren bezahlte Texte für Waschmaschinen, Kameras oder Eismaschinen erstellt. Sowohl positive wie auch negative Bewertungen seien erlaubt gewesen, um ein möglichst getreues Abbild der Realität zu erhalten. Die Telekom sprach von einem "übereifrigen Dienstleister". Dem Konzern sei der Auftrag nicht bekanntgewesen. Die Einkaufswelt von T-Online handele in ihren Geschäftsbeziehungen autark und unabhängig von der Telekom. "Hier ist der Dienstleister deutlich über das Ziel hinausgeschossen", zitierte das Magazin eine Sprecherin des Bonner Unternehmens.

Ankershoffen hat mittlerweile auch bei seinem ursprünglichen IT-Unternehmen Neofonie GmbH die Leitung niedergelegt. Der Mitgründer verlasse die Geschäftsführung mit sofortiger Wirkung aus "persönlichen Gründen", teilte das Unternehmen am Freitag mit. Bis auf weiteres werde der zweite Geschäftsführer Thomas Kitlitschko die Geschäfte von Neofonie allein weiterführen, hieß es weiter.