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Werkstoff für Flachbildschirme könnte knapp werden

09.08.2004

Indium kennt kaum jemand. Indium wird eigentlich auch nur als Abfallprodukt in der Bergbauindustrie gefördert. 400 Tonnen pro Jahr maximal. Die Zinkförderung beträgt im Vergleich dazu rund neun Millionen Tonnen, 22.900 Mal so viel. Indium ist aber wichtig für die Produktion von Flüssigkristall-Flachbildschirmen, wie sie in Notebooks oder Handys zum Einsatz kommen. Indium wird immer seltener gefördert. Das könnte ein Problem werden.

Ịndium ist ein metallisch-chemisches Element. Das chemische Symbol lautet In. Es stammt aus der dritten Hauptgruppe des Periodensystems der chemischen Elemente und hat die Ordnungszahl 49. Indium kommt in kleinen Teilen als Spurenelement in Zink- und Bleierzen vor. Aus der Schlacke von Zink oder Blei wird es denn auch nur als Beiprodukt gefördert. Indium hat - wie alle Metalle - die Eigenschaft, Elektrizität zu leiten. Das alles wäre vielleicht nicht so interessant für die IT-Industrie. Indium aber ist auch durchsichtig und deshalb für die Produktion von Flüssigkristallmonitoren von großer Bedeutung. Denn in diesen Displays sorgen Tausende von Flüssigkristallen dafür, dass der Benutzer überhaupt etwas sehen kann.

Seit die Eigenschaften von Indium bekannt und es bei der Bildschirmproduktion verwendet wird, ist der Preis für das Element ständig gestiegen. Ende 2002 kostete ein Kilogramm noch rund 60 Dollar. Heute hat sich der Preis für das seltene Gut mit etwa 610 Dollar mehr als verzehnfacht. Aber Indium wird nicht nur in geringen Mengen gefördert, es wird auch immer knapper. 2003 ist etwa die bis dato ergiebigste Förderquelle für Indium in Südchina versiegt. 100 Tonnen des Elements gewannen Chinesen pro Jahr. Aber 2002 hatte es im dortigen Bergbau ein Grubenunglück gegeben, die Stollen wurden überschwemmt, 80 Bergleute starben seinerzeit. Damals schon wurde die Förderung von Zink mit dem Beiprodukt Indium stark reduziert. Die französische Metaleurop SA aus Paris hat ebenfalls eine Produktionsstätte geschlossen, die immerhin 60 Tonnen zum gesamten Indium-Weltmarkt beitrug.

Steigende Preise sind deshalb gar nicht einmal das Problem für die LCD-Industrie. In jedem Display wird nur rund ein Gramm Indium verwendet. Die eigentliche Frage ist, wie lange es überhaupt noch Indium geben wird. Das geförderte Indium muss erst verfeinert werden, um in der Displayproduktion eingesetzt werden zu können. Das "Wall Street Journal" zitiert einen Experten mit der Schätzung, dass für 28 Tonnen produktionstechnisch reines Indium etwa 230 Tonnen gefördert werden müssen. Da zudem bis 2006 einerseits der Bedarf an reinem Indium in der LCD-Industrie auf 64 Tonnen wachsen wird - was bedeutet, dass zirka 540 Tonnen ans Tageslicht gebracht werden müssen -, andererseits aber heute schon die Förderung von Indium zurückgeht, ist das Problem programmiert. Hinzu kommt schließlich, dass für die Montanindustrie Indium nicht besonders interessant ist, weil es als Nebenprodukt der Zink- und Bleiförderung in nur geringen Maßen

vorkommt. Während die Monitorproduzenten also händeringend nach dem Rohstoff suchen, ist dieser für die Bergbauindustrie eher uninteressant. (jm)