Entscheidungen fallen nach Mustern

Werden Sie manipuliert?

06.02.2013 | von 
Dr. Renate Oettinger
ist freie Journalistin, Autorin und Textredakteurin. Sie arbeitet für große und mittelständische Unternehmen sowie für Fachverlage.  

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Die Annahme, dass wir mit uns selbst und unseren Mitmenschen rational umgehen, ist nicht zutreffend. Wolf Erhardt nennt die Gründe.

Ihr Arbeitsplatz ist nicht gefährdet. Sie engagieren sich natürlich in politischen Foren und Debattierklubs, um halbwegs informierte Wahlentscheidungen zu treffen. Ihre Ehe ist nicht in der Krise und Ihre Kindererziehung läuft prima. Ihr Freundeskreis ist groß und interessant. Sie konsumieren selbstredend auch nur im Rahmen Ihres monatlichen Budgets. Frustkäufe unterlaufen Ihnen nicht.

Wie nehmen Sie sich wahr? Selbstbestimmt oder als eine Marionette der gesellschaftlichen Umstände?
Wie nehmen Sie sich wahr? Selbstbestimmt oder als eine Marionette der gesellschaftlichen Umstände?
Foto: kikkerdirk, Fotolia.com

Falls das so ist: Herzlichen Glückwunsch. Sie haben ihr Leben im Griff, - verarbeiten und bewerten sämtliche Informationen korrekt. Beschleicht Sie aber das Gefühl, das sich die Wirklichkeit langsam zur Kakofonie einer Peking-Oper entwickelt, die Sie aber leider nur durch das Guckloch einer Peepshow betrachten können, dann sollten Sie unbedingt weiterlesen. Was führt dazu, dass Sie manchmal das Terrain mit der Landkarte verwechseln? Sich falsch entscheiden und Entscheidungen treffen, die Sie besser unterlassen hätten?

Einige Erklärungsversuche: Da ist zum einen das sogenannte "Unbewusste". Die meisten Menschen können mit dem Begriff des "Unbewussten" oder "Unterbewusstsein" spontan etwas anfangen. Manchmal wird dabei aber glatt übersehen, dass Informationen aus dem Unbewussten nicht mehr unbewusst sind, sobald sie unser Aktualbewusstsein erreicht haben. Wir können diese Quelle von unbewussten Informationen dann nicht mehr erkennen. Wir können nur erkennen, welche Informationen über unsere Sinnesorgane von außen auf uns einwirken. Und auch das noch nicht einmal mit absoluter Genauigkeit. Was uns von innen dazugespielt wird, identifizieren wir in dem Augenblick, wo es hochpoppt, nicht mehr als unbewusst.

Zum anderen neigen wir sehr stark dazu, uns die wesentlichen Begründungen einer Entscheidung erst im Nachhinein zu suchen. Wir rationalisieren rückwirkend Entscheidungen, die wir in Wirklichkeit auf der Grundlage einer Mixtur von vollständig unbewussten Emotionen und bewusst erkannten Tatsachen getroffen haben. So sind wir programmiert. Und das ist sehr gut so. Anders könnten wir die Kakofonie der sekündlich auf uns einprasselnden Informationen gar nicht verarbeiten. Dabei wären sogar die 100 Milliarden Neuronen überfordert, die sich als Mega-Computer in den drei Pfund Eiweiß zwischen Ihren Ohren befinden.

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