Großauftrag für EDS

Werden Mega-Deals wieder häufiger?

Sabine Prehl ist freie Journalistin und lebt in München.
Milliarden-Deals wie das Abkommen zwischen EDS und Aviva dürften in Krisenzeiten wieder zunehmen, glauben Experten.

Der gestern angekündigte IT-Outsourcing-Vertrag zwischen Aviva und EDS läuft über zehn Jahre und ist mit einem Volumen von 700 Millionen Pfund (umgerechnet eine Milliarde Euro) einer der größten britischen IT-Outsourcing-Deals der letzten Jahre. Er sieht die Modernisierung und das Management von zwei Aviva-Rechenzentren vor. Rund 300 Aviva-Mitarbeiter wechseln im Rahmen der Vereinbarung zu EDS.

"IT-Infrastrukturservices sind das Brot-und-Butter-Geschäft von EDS", kommentiert Ian Brown, Senior Analyst beim britischen Marktforschungsunternehmen Ovum. Für den IT-Dienstleister berge der Deal keine großen Risiken. Und nur hier ließen sich noch Milliarden-Deals wie dieser an Land ziehen, auch wenn der Bereich nicht ungedingt "sexy" sei. "Wie hoch die Gewinnmargen ausfallen, wird jetzt davon abhängen, wie schnell die Transformation gelingt und wie viel Personal sich auf lange Sicht einsparen lässt", so Brown.

Auch für den Versicherer Aviva, der sich von der Standardisierung und Rationalisierung von Prozessen und Systemen erhebliche Einsparungen erhofft, rechne sich der Vertrag: "700 Millionen Pfund klingt erst einmal viel. Aber 70 Millionen Pfund pro Jahr dafür, dass ein Provider zwei große Rechenzentren samt 300 Mitarbeitern managt, ist für einen Konzern mit einem Jahresumsatz mit 50 Milliarden Pfund ein guter Deal", meint Brown.

Dieser faire Preis sei unter anderem darauf zurückzuführen, dass sich Aviva auf eine zehnjährige Laufzeit eingelassen und damit gegen den Trend der vergangenen Jahre zu kleinen, kurzen Deals gehandelt habe. Und das wiederum sei eine Folge des weltweiten Wirtschaftsabschwungs: "In Krisenzeiten versuchen die Anbieter, längere Laufzeiten auszuhandeln, um bessere Preise zu bekommen." Das bedeute aber nicht zwangsläufig eine größere Abhängigkeit für die Anwender. Durch eine Paketierung der Services in kleine Einheiten und eine gerechte Aufteilung von Gebots- und Neuverhandlungsphase könnten sich solche Deals für sie auszahlen. Speziell in einer Rezession seien sie eher zu empfehlen als aufwändig zu steuernde Multi-Sourcing-Vorhaben.

Auch HP dürfte sich über Deal freuen. Nach den Worten von Brown "sind es genau die langfristigen Umsatzbringer, für die der Konzern EDS vergangenes Jahr übernommen hat." Nur bei den Margen bestehe noch Nachholbedarf: "Bei EDS lagen sie vor der Übernahme bei vier bis fünf Prozent. Aber HP ist zweistellige Margen gewöhnt", räumt der Experte ein.