Wer zu spät kommt ...

02.10.1992

"Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben". Dieses legendäre, wenn auch mittlerweile abgedroschene Gorbatschow-Zitat paßt auf die derzeitige Situation von Comparex wie die Faust aufs Auge. Schienen die Mannheimer noch im vergangenen Jahr die Zeichen der (Open-Systems-) Zeit erkannt zu haben und fest entschlossen zu sein Nagel mit Köpfen zu machen, so drängt sich zwölf Monate später der Eindruck auf daß alles nur heiße Luft war.

Ratlos, fast schon hilflos wirkt Comparex-Chef Brillinger heute, ist doch bei dem PCM-Anbieter noch nicht einmal ansatzweise eine Open-Systems-Strategie erkennbar. Das fängt bereits bei Unix an. Während Kontrahent Amdahl schon seit zehn Jahren das Mainframe-Unix UTS auf seinen Großrechnern anbietet, ist Comparex hier keinen Schritt weitergekommen. Hitachi entwickelt im fernen Tokio vor sich hin, ohne daß ein Ergebnis in Sicht wäre, und mit einer anderen Unix-Alternative, etwa AIX/ESA von IBM, scheint man sich wiederum nicht anfreunden zu können. Auch ist heute keine Rede mehr von möglichen Kooperationen mit Software- und Netzwerkspezialisten, die den Zutritt in die offene Systemwelt erleichtern könnten. Einzig in Sachen Workstations scheint Comparex die Lethargie abgestreift und Verhandlungen mit potentiellen Lieferanten aufgenommen zu haben. Die Entscheidung soll im nächsten halben Jahr fallen - denkbar, daß man die CeBIT als würdiges Forum für die Bekanntgabe ausguckt.

Sicher, als traditioneller PCM-Anbieter ist Comparex gewöhnt, abzuwarten und zu reagieren. Dieses Geschäft beherrschen die Mainframe-Cloner perfekt. Mehr denn je aber sind heute Eigeninitiative und auch der Mut zum Risiko gefragt, selbst wenn dies bis an die Schmerzgrenze geht. Diesen Herausforderungen muß sich Comparex stellen, je eher, desto besser. Tun die Mannheimer dies nicht konnte sie das gleiche Schicksal ereilen wie zuvor zahlreiche MDT-Hersteller, die sich ebenfalls zu lange an ihren angestammten Geschäftsfeldern festklammerten und den Trend der Zeit schlichtweg verschliefen.