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Wer (oder was) brachte Infineon-Chef Schumacher wirklich zu Fall?

29.03.2004

Die Spekulationen um die Gründe für den plötzlichen "Rücktritt" von Infineon-Chef Ulrich Schumacher erhielten am vergangenen Wochenende neue Nahrung. So berichtet die "Welt am Sonntag", der Sturz sei auf eine direkte Intervention des Siemens-Chefs Heinrich von Pierer zurückzuführen. Schumacher sei von Pierer schon lange ein Dorn im Auge gewesen, zitiert die Sonntagszeitung einen Siemens-Manager: "Von Pierer hält Schumacher für einen Egomanen und hat schon seit langem auf eine Gelegenheit gewartet, ihn loszuwerden."

In einem Bericht der "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" heißt es indes, der Grund liege im persönlichen Bereich Schumachers. Wie das Blatt unter Berufung auf Aufsichtsratskreise meldet, werden ihm die hohen Ausgaben für die eigene Imagepflege vorgeworfen. Es gebe sogar Vorwürfe einer "milden Form der Korruption". Der Konzern prüfe nun rechtliche Schritte gegen den ehemaligen Firmenchef.

Schumacher hatte den Vorstandsvorsitz am vergangenen Donnerstagabend nach einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung überraschend niedergelegt. Als Grund nannte die IG Metall, die einen Posten im Kontrollgremium von Infineon besetzt, Schumachers exzentrischen Führungsstil. Der 45-jährige Topmanager habe damit nicht nur Angestellte und Gewerkschaftler sondern auch seine Vorstandskollegen gegen sich aufgebracht, Auf der Sondersitzung habe es dann gekracht. Andere Quellen berichteten, der Aufsichtsrat habe Schumacher einstimmig geraten, sein Amt niederzulegen. Falls Schumacher der Aufforderung nicht gefolgt wäre, hätte das Gremium ihn dazu gezwungen. (Computerwoche.de berichtete).

Der Siemens-Ableger will nun einen Nachfolger außerhalb des Konzerns suchen. Als Interimschef wurde der Aufsichtsratsvorsitzende Max Dietrich Kley eingesetzt. (mb)