Miriam Meckel

Wer abschaltet, arbeitet besser

Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting, Social Media im Berufsleben. Zusätzlich betreut das Karriereressort inhaltlich das Karrierezentrum auf der Cebit.
Der Mensch hat sich zum homo connectus entwickelt - immer erreichbar auf allen Kanälen, mit allen negativen Konsequenzen, wie Kommunikationsprofessorin Miriam Meckel in München darlegte.
Nach ihrem Burnout plädiert Miriam Meckel für "weniger ist mehr".
Nach ihrem Burnout plädiert Miriam Meckel für "weniger ist mehr".
Foto: Claude Stahel

Die Wissenschaftlerin Miriam Meckel aus St. Gallen, zuletzt bekannt geworden durch ihr Burnout-Bekenntnis ("Brief an mein Leben. Erfahrungen mit einem Burnout") zeigte an einem Beispiel aus ihrem Bekanntenkreis, wie weit es mit dem Kommunikationsstress mittlerweile gekommen ist. So fahren Paare mit getrennten Taxen zum Zielort, weil beide so viele Telefonate noch zu erledigen hätten.

Beängstigend findet sie die Entwicklung erst recht bei Jugendlichen: "Da verabreden sie sich zum Eis-Essen, und sie sind nur am Telefonieren; das Reden miteinander - Fehlanzeige." Studien belegten, dass Kommunikation immer umfassender, immer schneller und immer techniklastiger werde. Diese Entwicklung sei unumkehrbar, aber, fragte sie in den Raum: "Müssen wir es so tun, wie wir es jetzt tun?"

Die Tyrannei der Wahl

Anhand von Studien und Beispielen belegte sie, dass ein Zuviel an Informationen zum Hindernis wird und die Entscheidungsfindung beeinträchtigt. "Weniger ist mehr", müsse die die Devise lauten und sprach von einer "Tyrannei der Wahl".

Als klassisches Beispiel dafür erzählte sie von dem Versuch, in dem in einem Laden 24 Sorten Marmelade angeboten wurden, in einem zweiten sechs Sorten. Im ersten Fall kauften sechs Prozent der Ladengäste die Marmelade, im zweiten 30 Prozent. Ähnliche Beispiele kenne sie aus dem betrieblichen Alltag. Ein Unternehmen, das der Belegschaft eine Altersversorgung mit 15 Optionen anbiete, müsse mit einer schwachen Resonanz rechnen, weil sich viele Mitarbeiter überfordert fühlten. Wenn es dagegen nur eine Option gäbe, sei die Akzeptanz wesentlich höher.