Junge Gründer

"Wenn wir hier gewinnen, gehen wir in die USA"

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
100.000 US-Dollar hat das Münchener Start-Up Konux, ein Anbieter von Sensor-Lösungen, beim World Founder Forum gewonnen. Nun lockt Kalifornien.

Die Sonne taucht den Innenhof der ESCP Europe in warmes Licht. Die braunen Mauern des historischen Gebäudes an der Avenue de la Republique in Paris dämpfen die angeregten Gespräche der mehreren Dutzend junger Leute. Drinnen wird gerade das Mittags-Buffet aufgebaut - Pizza-Kartons, Gemüse in Pappschachteln, Halbliterflaschen Wasser. Durch die 1819 gegründete Wirtschafts-Hochschule weht ein Hauch Silicon Valley: Mitte Juni versammeln sich in der ESCP Vertreter von 50 jungen Start-Ups, die den Wettbewerb des kalifornischen Investors Founder.org gewinnen wollen. Zehn von ihnen werden auf dem World Founder Forum den Sieg erringen. Und jeweils 100.000 US-Dollar. Insgesamt hatten sich knapp 1.000 Start-Ups beworben.

Eine Stunde nach der vorzeitigen Datenübertragung in real time steht es fest: Konux ist einer der Gewinner beim World Founder Forum (v.l.: Michael Baum (Founder.org) sowie Vlad Lata, Andreas Kunze und Dennis Humhal von Konux, Claudius Jablonka und Florian Hillen, beide vom CDTM)
Eine Stunde nach der vorzeitigen Datenübertragung in real time steht es fest: Konux ist einer der Gewinner beim World Founder Forum (v.l.: Michael Baum (Founder.org) sowie Vlad Lata, Andreas Kunze und Dennis Humhal von Konux, Claudius Jablonka und Florian Hillen, beide vom CDTM)
Foto: Founder.org

Unter den 50 Finalisten ist auch das Münchener Start-Up Konux . Andreas Kunze, der 23-jährige Head of Business, hat an der TU München den Bachelor in Wirtschaftsinformatik gemacht. Das war vor zwei Jahren. "Seitdem habe ich mehr gelernt als in den vergangenen 21 Jahren zusammen", sagt Kunze, der sein Gegenüber selbstverständlich duzt. Seine Firma Konux verfolgt "die Vision, den Sensormarkt für mechanische Messgrößen zu revolutionieren". Konux hat über mehrere Jahre eine optische berührungslose Messtechnologie entwickelt, die unterschiedlichste Messgrößen bestimmen kann. "Auf Basis dieser Technologie bieten wir individuelle Sensorlösungen an", erklärt Kunze. Neben der Technologie hat er sich um Betriebswirtschaftliches zu kümmern. So wandelt er Konux gerade von einer UG (haftungsbeschränkt) in eine GmbH um.

Doch eine Münchener GmbH reicht wohl nicht. "Wenn wir hier gewinnen, gehen Vlad und ich nach Kalifornien", sagt Kunze. Vlad ist Vlad Lata, Head of Technology bei Konux. Wie Kunze hat der Elektro- und Informationstechniker (TU München und UC Berkeley) außer dem Studium Eliteprogramme durchlaufen. Manage & More bei der TU München beispielsweise, ein unternehmerisches Qualifizierungsprogramm, das dem Nachwuchs Projekterfahrung und Schlüsselkompetenzen vermittelt, oder das Graduate Program des Center for Digital Technology & Management (CDTM) in München. Außerdem bringen die beiden jungen Männer erste Erfahrungen aus Konzernen wie BMW, Siemens und Audi mit. Dennoch lockt das Silicon Valley.

"Im Gegensatz zu den USA verstehen deutsche Konzerne nicht, dass sie mit Start-Ups zusammenarbeiten müssen", so Kunzes Erfahrung. Zwischen den Zeilen klingt durch, wie langsam die deutschen Dickschiffe vor sich hindümpeln. Als lobende Ausnahme nennt er das TTB Siemens (Technology-to-Business).

Spanisches Lob für den Standort Deutschland

Doch an diesen Nachmittag fallen auch positive Worte über den Standort Deutschland. Lucas Leon, als einer der Geschäftsführer des Berliner Start-Ups Akvolution ebenfalls Finalist, hat viel Unterstützung erfahren. "Ich komme aus dem krisengeschüttelten Spanien", sagt Leon. Ihm fällt auf, wie sehr junge Menschen an den deutschen Hochschulen zum Gründen ermutigt werden. Auch die flankierenden politischen Maßnahmen, etwa Existenzgründerzuschüsse, würdigt der junge Nachrichtentechniker. "In Spanien kann ich mir so etwas nicht vorstellen", sagt er offen. Doch ob Deutschland, Spanien oder ein anderes Land - in einem Punkt ähneln sich alle Finalisten: es geht nicht nur um’s Geld. Akvolution bietet mit keramischen Membranen ein innovatives Verfahren für die Anlagenkonstruktion zur Wasseraufbereitung an. "Wir wollen die weltweite Wasserversorgung verbessern", so Leon. "Ich wollte schon immer etwas Sinnvolles tun, und das nicht nur im Privaten."

Mittlerweile ist es Nachmittag geworden in der ESCP. "Congratulations!" schallt es Andreas Kunze plötzlich entgegen. Überrascht blickt er auf die Uhr - es ist doch erst eine runde Stunde vor der Siegerehrung? Aber im Internet steht’s, denn die Info über die Gewinner ist schon draußen. Dennoch traut er sich erst zu feiern, als der Sieg beim World Founder Forum offiziell verkündet wird. Die Party geht aber nur bis 24 Uhr. "Wir müssen ja morgen wieder um sechs aufstehen", erklärt Kunze. Lata und er werden wohl deutsche Disziplin mitnehmen in ihren kalifornischen Aufbruch.