Die Rache der Enttäuschten

Wenn Mitarbeiter Unternehmen bewerten

Ingrid Weidner arbeitet als freie Journalistin ín München.
Auf Internet-Portalen wie kununu oder evaluba bewerten immer mehr Mitarbeiter ihre Arbeitgeber, anonym, kosten- und oft auch schonungslos.

Autos, Software, Urlaubsreisen, Bücher, Lehrer - es gibt fast nichts, für das kein Bewertungssystem im Internet verfügbar wäre. Und jetzt sind die Arbeitgeber an der Reihe. In den vergangenen Jahren standen bereits einige Seiten im Netz, auf denen Mitarbeiter ihre Chefs, Kollegen und das Unternehmen beurteilen konnten. Mit dem Portal "kununu.com" ging im Juni 2007 eine weitere Site online, die sich auf die Bewertung von Arbeitgebern konzentriert. Das Startup brachte mit frischem Design und gutem Marketing das Thema einem breiten Publikum nahe. Inzwischen zählt kununu zu den erfolgreichsten Angeboten im deutschsprachigen Raum. Mit über 27.258 Einträgen (Stand Ende März 2009) und 12.835 bewerteten Firmen aus Österreich, der Schweiz und Deutschland finden sich dort gleichermaßen Beurteilungen zu Konzernen, kleinen und mittelständischen Betrieben.

Sind sechs Bewertungen repräsentativ?

Wie im Internet üblich, bewerten die Nutzer anonym und kostenlos anhand eines Fragebogens. Allzu umfangreich sind die Multiple-Choice-Bögen auf kununu nicht. Je nach Zeitbudget entscheiden die Kritiker, ob sie zwei Minuten für 13 Bewertungskriterien investieren oder in etwa fünf Minuten zu den 13 Kriterien noch 38 Detailfragen zu ihrem Arbeitgeber beantworten und ihre Urteile kommentieren möchten.

Anonym und kostenlos können Mitarbeiter auf kununu.com oder evaluba.com Arbeitgeber bewerten. Foto: David Humphrey/Fotolia.com
Anonym und kostenlos können Mitarbeiter auf kununu.com oder evaluba.com Arbeitgeber bewerten. Foto: David Humphrey/Fotolia.com
Foto: Fotolia, David Humphrey

Jedes Portal handhabt den Fragenkatalog sowie das freie Kommentarfeld etwas anders. Größter Schwachpunkt aller Bewertungen sind die Rankings nach einem Punktesystem. Eine statistische Auswertung suggeriert Objektivität. Auch wenn nur eine Person den Fragebogen bearbeitet, wird das Ergebnis mittels eines Notensystems veröffentlicht. Als repräsentativ bezeichnen die Macher von kununu sechs bis zehn Meinungen, statistisch gesehen ist das nicht gerade seriös.

"Solange es nur wenige Bewertungen gibt, ist es eine Schwäche der Portale, daraus ein Gesamturteil zu formen, denn durch Fake-Einträge lässt sich das Ergebnis leicht manipulieren", bemängelt Marcus Fischer, HR-Projekt-Manager bei Audi. "Wir selbst merken schnell, ob ein Kommentar echt ist oder nicht, Außenstehende haben da kaum eine Chance."