Konfliktfeld zwischen CIO und CFO

Wenn der CFO das IT-Budget kürzt

Karin Quack arbeitet als freie Autorin und Editorial Consultant vor allem zu IT-strategische und Innovations-Themen. Zuvor war sie viele Jahre lang in leitender redaktioneller Position bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Sechs von zehn Finanzchef sind außerstande, die Auswerkungen von Sparmaßnahmen in der IT zu überblicken.
Basis: n= 81; Studie von Alfabet und IDG Business Research Service
Basis: n= 81; Studie von Alfabet und IDG Business Research Service
Foto: Alfabet AG

Die Höhe des IT-Budgets richtet sich nach der Business-Strategie des Unternehmens? Schön wärs! Die Realität in deutschen Unternehmen sieht anders aus: Gerade mal vier Prozent leiten ihre jeweiligen Ausgaben für Informationstechnik aus einer sauberen IT-Portfolio-Analyse ab. Mehr als 90 Prozent richten sich lieber nach dem branchenüblichen Prozentsatz vom Umsatz oder einem - möglicherweise der Finanzsituation angepassten - Vorjahresbetrag.

Zu diesem Ergebnis kommt die eine Marktforschungsstudie der IDG Business Research Service. Im Auftrag des Berliner Softwareunternehmens Alfabet AG befragte der Marktforschungsbereich der IDG Business Media 81 (Finanz-) Verantwortliche für IT-Investitionen in internationalen Unternehmen mit Sitz in Deutschland.

Wie die Studienergebnisse ausweisen, haben etwa 60 Prozent der Befragten keinen Überblick darüber, wie sie die von ihnen verordneten Kürzungen des IT-Budgets auf die geschäftlichen Abläufe und Ergebnisse auswirken beziehungsweise welche Risiken das Unternehmen dadurch eingeht. In mehr als 40 Prozent der Firmen dauert es mehr als zwei Wochen, bis verlässliche Informationen über die Auswirkungen von Budgetveränderungen in der IT auf die Business-Risiken vorliegen; in 22 Prozent beträgt diese Spanne sogar länger als einen Monat. Automatisch verfügbar sind die Daten nur in 15 Prozent der befragten Organisationen.

Alte und unzuverlässige Daten

Aussagekräftige, aktuelle und korrekte Informationen zur IT-Landschaft sind anscheinend ein seltenes Gut, so hat Alfabet herausgefunden. Das förderte bereits eine von Nucleus Research vorgenommene Studie aus der ersten Hälfte des Jahres 2011 zu Tage. Ihr zufolge arbeiten IT-Entscheider in diesem Bereich regelmäßig mit Daten, die durchschnittlich 14 Monate alt und nur zu 55 Prozent korrekt sind.

Christian Weichelt, Alfabet AG: "Für viele Finanzverantwortliche ist die IT offenbar eine Black Box."
Christian Weichelt, Alfabet AG: "Für viele Finanzverantwortliche ist die IT offenbar eine Black Box."
Foto: Alfabet AG

Die aktuelle Untersuchung sollte nun herauszufinden, wie die für IT-Investitionen Verantwortlichen von diesem Fehlen zuverlässiger Informationen betroffen sind. Die Ergebnisse untermauern einmal mehr, dass Entscheidungen zu IT-Investitionen selten auf verlässlichen Daten beruhen. Dadurch, dass Informationen nicht bedarfsaktuell verfügbar sind, verlangsamen sich die Entscheidungsprozesse, so die Autoren der Studie. Da nehme es kaum Wunder, dass nur 30 Prozent der Finanzverantwortlichen behaupten können, ihre IT-Portfolios seien vollständig auf die jeweiligen Geschäftsanforderungen ausgerichtet. Und alenfalls 14 Prozent können sich damit brüsten, ihr IT-Portfolio sei wirklich schnell an geänderte Geschäftsanforderungen anpassbar.

Alles in allem vermitteln die Ergebnisse den Eindruck, dass die IT für die Finanzverantwortlichen eine Black Box darstellt, erläutert Christian Weichelt, Director Solution Marketing der Alfabet AG. Die Prozesse innerhalb der IT-Supply-Chain seien für den Chief Financial Officer (CFO) häufig nicht durchschaubar. Das wiege umso schwerer, als der IT-Verantwortliche häufig an den CFO berichte, letzterer also die Budgetentscheidungen zu treffen habe.