ERP

Wenn das Softwareprojekt zum Nervenkitzel wird

Daniela Hoffmann ist freie IT-Fachjournalistin in Berlin.
Die Einführung eines neuen ERP-Systems im Mittelstand ist fast immer eine große Belastung für die Mitarbeiter, die nebenbei noch ihr Tagesgeschäft bewältigen müssen. Dennoch zeigen Anwendungsbeispiele, wie mit der richtigen Strategie auch solche Vorhaben gelingen.

Regelmäßig organisierte ERP-Zufriedenheitsstudien zeigen, dass rund ein Drittel der Anwender mäßig zufrieden sind mit ihrer ERP-Lösung. "25 Prozent fallen sogar in die Kategorie "leidende Installationen", so Karsten Sontow, Vorstand des Marktforschungs- und Beratungshauses Trovarit AG. Gemeint sind damit zum Beispiel Systeme, um die sich Excel-Parallelwelten gebildet haben. Damit die Einführung kein Abenteuer mit ungewissem Ausgang wird, können Anwender auf Kriterien und Strategien zurückgreifen, die sich bewährt haben.

"Entscheidend ist, vorher genau zu klären, was gebraucht wird - und ob der Anbieter dies leisten kann. Wenn die Erwartungshaltung nicht auf beiden Seiten klar und transparent ist, sind Konflikte vorprogrammiert", meint Sontow. "Expectation-Management" lautet der passende Fachterminus - schließlich sind ERP-Projekte ebenso hochgradig komplex wie schwer greifbar. Oft fehlt auf der Seite der Anwender die Erfahrung.

Ein auf den Geschäftsprozessen basierendes Lastenheft ist hier State-of-the-Art, und eine gewisse Nähe zum Standard der ERP-Software bewahrt vor Anpassungen, die ein vertretbares Maß überschreiten. Zudem empfiehlt Sontow den Anwendern, sich stark auf die Einführungsmethodik des Anbieters einzulassen. Allerdings sollte man sich dessen Vorgehen genau anschauen - immerhin gibt es allerlei Variationen vom Rapid Prototyping bis zur Wasserfall-Methode.

Was ERP-Projekte und Ehen gemeinsam haben

Fast an erster Stelle steht jedoch die "Chemie". Ein gutes Gefühl in Bezug auf die partnerschaftliche Zusammenarbeit ist laut Sontow ein Muss. Auch die Konfliktkommunikation hat oberste Priorität. "Beim ersten Anzeichen von Missstimmung sollte sofort das offene Gespräch gesucht werden - damit kein Raum für aufgestauten Ärger und kontraproduktive Grüppchenbildung entsteht", mahnt der Trovarit-Chef. Misslungene Projekte seien nicht selten wie zerrüttete Ehen, bei denen so viel Persönliches für die Beteiligten im Spiel sei, dass ein Sanierer oft Leute austauschen müsse, um das Projekt zum Abschluss zu bringen.

Sie sind rar gesät und keinesfalls alltäglich - doch gerade erfolgreich abgeschlossene zeitkritische Projekte zeigen exemplarisch, wie effektives Projekt-Management und klare Vorgaben Ergebnisse ermöglichen, von denen andere nur träumen können.