Aus Fehlern lernen

Wenn Bewerber in der Probezeit scheitern

Karriere in der IT ist ihr Leib- und Magenthema - und das seit 18 Jahren. Langweilig? Nein, sie endeckt immer wieder neue Facetten in der IT-Arbeitswelt und in ihrem eigenen Job. Sie recherchiert, schreibt, redigiert, moderiert, plant und organisert.
Wenn Bewerber in der Probezeit scheitern, muss das kein Karriereknick sein. Bewerbungsberater Gerhard Winkler zeigt Wege aus der Misere auf.

Martin Weber (Name von der Redaktion geändert) freute sich auf seinen neuen Job. Doch der Teamleiter, der ihn einarbeiten sollte, hatte viel zu tun. Wenn Weber den Stellvertreter fragte, hatte er das Gefühl, ihn zu nerven. Also versuchte er, die Aufgaben möglichst ohne Rückfragen zu erledigen. Das ging jedoch oft schief. Nach drei Monaten Probezeit erhielt Weber die ordentliche Kündigung. Er ist sich bewusst, dass er Fehler begangen hat. Gleichzeitig fühlte er sich durch die "ständige Kritik überfordert" und " war am Ende kaum noch motiviert". Nun fragt er sich, ob er diese kurze Episode in den nächsten Bewerbungen besser verschweigen und sie mit einer vorherigen, zweimonatigen Arbeitslosigkeit verschmelzen soll. Oder gibt es einen Weg, mit einer gescheiterten Probezeit souverän umzugehen?

Gerhard Winkler: Wer in der Probezeit scheitert, sollte das nicht kaschieren.
Gerhard Winkler: Wer in der Probezeit scheitert, sollte das nicht kaschieren.

In den Augen von Gerhard Winkler, Bewerbungshelfer und Karrierecoach, hat Martin Weber durchaus Fehler gemacht:

Man hat ihn nicht bemerkt. Also hat er sich unsichtbar gemacht.

Man hat nicht mit ihm gesprochen. Also ist er verstummt.

Er fühlte sich nicht willkommen. Folglich hat er sich mehr und mehr verabschiedet.

Er hat ohne Anleitung und Feedback gearbeitet. Sein Fehler war zu hoffen, dass man ihm seine Anfängerfehler verzeiht und seine fehlende Courage nicht bemerkt.

Was kann ein Bewerber aus solchen Fehlern und einer gescheiterten Probezeit lernen? Viel. Bewerbungshelfer Winkler gibt Tipps, damit die Probezeit nicht zum unüberwindbaren Prüfstein wird.

1. Informieren Sie Ihre Chefs

Halten Sie vom ersten Tag an Ihre Vorgesetzten informiert - selbst, wenn Sie es gewohnt sind, selbständig zu arbeiten. Verfassen Sie am Wochenende einen schriftlichen Bericht und mailen Sie ihn Ihrem Boss, auch wenn Sie dazu nicht aufgefordert wurden. Halten Sie die Schwierigkeiten, aber auch die Erfolge und Leistungen des Tags für sich selber schriftlich fest. Bitten Sie Ihren Vorgesetzten schriftlich um einen Gesprächstermin, wenn man Ihnen auf Anfrage keinen geben will.

Vorgesetzte obstruieren bisweilen, konterkarieren sogar Ihre Bemühungen. Chefs sind oft mit sich selbst beschäftigt oder sie surfen auf golf.de oder sie halten Sie vom ersten Tag an für falsch gecastet und des Führens nicht wert. Wer weiß, was hinter der Tür zum Chefbüro passiert. Doch wenn Sie diese Tür nicht aufkriegen, kriegen Sie bis zum vorhersehbaren schlechten Ende auch keinen Fuß in das Unternehmen.