BPO und Infrastruktur stark im Minus

Weniger IT-Outsourcing-Deals

Dr. Andreas Schaffry ist freiberuflicher IT-Fachjournalist und von 2006 bis 2015 für die CIO.de-Redaktion tätig. Die inhaltlichen Schwerpunkte seiner Berichterstattung liegen in den Bereichen ERP, Business Intelligence, CRM und SCM mit Schwerpunkt auf SAP und in der Darstellung aktueller IT-Trends wie SaaS, Cloud Computing oder Enterprise Mobility. Er schreibt insbesondere über die vielfältigen Wechselwirkungen zwischen IT und Business und die damit verbundenen Transformationsprozesse in Unternehmen.
Der Outsourcing-Markt in Europa kämpft auch im Schlussquartal 2010 mit starken Rückgängen. Insbesondere IT-Outsourcing- und BPO-Verträge sind wenig gefragt. Firmen investieren lieber in Restrukturierungen.
2010 blieb der finanzielle Wert der Outsourcing-Deals in der EMEA-Region deutlich hinter den Erwartungen zurück.
2010 blieb der finanzielle Wert der Outsourcing-Deals in der EMEA-Region deutlich hinter den Erwartungen zurück.
Foto: TPI

Im vierten Quartal 2010 brach das Finanzvolumen der Outsourcing-Verträge, in der EMEA-Region (Europa, Mittlerer Osten und Afrika) im Vergleich zum Vorjahresquartal um 30 Prozent ein. Der sogenannte Total Contract Value (TCV) belief sich auf 10,5 Milliarden Euro. Dabei war der Wert der Auslagerungsverträge im vierten Quartal 2010 gegenüber dem dritten Quartal sogar um satte 81 Prozent gestiegen. Im Gesamtjahr 2010 haben Firmen in EMEA Outsourcing-Deals im Wert von über rund 26 Milliarden Euro abgeschlossen. Das sind 14 Prozent weniger als im Jahr 2009 mit mehr als 31 Milliarden Dollar. Zu diesen Ergebnissen kommt das US-Beratungs- und Marktforschungsunternehmen Technology Partners International (TPI) in seinem "4Q10 EMEA TPI Index Index".

Outsourcing: Mega-Deals für Restrukturierung

Allerdings ergibt eine differenzierte Betrachtung des Outsourcing-Index, dass es durchaus Wachstumsbereiche gibt. Zum Beispiel erhöhten sich im Jahresverlauf 2010 sowohl die Anzahl wie auch der finanzielle Wert der von Unternehmen vergebenen Restrukturierungsaufträge erheblich. Der TCV schnellte in diesem Segment um 118 Prozent auf elf Milliarden Euro nach oben. Damit machte das Auftragsvolumen für Restrukturierungen knapp ein Drittel am gesamten Outsourcing-Markt in EMEA aus. Weltweit legte das Volumen der Restrukturierungsverträge im Jahresvergleich sogar um 39 Prozent zu - von 13,6 Milliarden auf mehr als 19 Milliarden Euro. Der Untersuchung zufolge soll sich dieser Trend auch 2011 weiter fortsetzen. Die Vertragswerte werden noch einmal deutlich anziehen.

IT-Outsourcing: Minus 43 Prozent bei Applikationen

Trotz stark gesunkener Vertragswerte bildet IT-Outsourcing das Rückgrat bei Outsourcing-Deals. Düster sieht es dagegen bei BPO aus.
Trotz stark gesunkener Vertragswerte bildet IT-Outsourcing das Rückgrat bei Outsourcing-Deals. Düster sieht es dagegen bei BPO aus.
Foto: TPI

Unternehmen in Europa haben im vierten Quartal 2010 mit einem TCV in Höhe von 10 Milliarden Euro vier Prozent weniger IT-Outsourcing-Verträge abgeschlossen als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Im Gesamtjahr 2010 brachen die Umsätze in diesem Bereich gegenüber 2009 um zwölf Prozent auf 25 Milliarden Dollar ein. Den heftigsten Rückgang beim TCV gab es mit einem Minus von 43 Prozent bei der Entwicklung und Wartung von Applikationen (ADM), gefolgt vom IT-Infrastruktur-Bereich.

Letzterer sackte um ein Fünftel ab. Dagegen schlossen Unternehmen ein Fünftel mehr Verträge für die Betreuung ihrer Netzwerke ab. Das stärkste Wachstum gab es mit einem Plus von 38 Prozent bei Bundle-Verträgen, in denen IT-Dienstleister Services für ADM und IT-Infrastrukturen miteinander verknüpfen. Trotz der rückläufigen Entwicklung des TCV im IT-Outsourcing-Markt, bleibt dieser Sektor nach Ansicht der Marktforscher das Rückgrat für den Gesamtmarkt. Immerhin sei 2010 jeder Mega-Deal ein IT-Outsourcing-Vertrag gewesen.

Teaserbild: DWP - Fotolia

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