Wendepunkte der IT-Geschichte

17.06.2008
Irrtümer, Visionen, das Web und einfach geniale Produkte - sie alle haben die Industrie geprägt.

Jede Industrie hat ihre Meilensteine, die ihre weitere Entwicklung für immer geprägt haben. Dies gilt ganz besonders für die IT-Branche, die sich seit ihren Anfängen rapide verändert hat. Lesen Sie, welche Ereignisse und Techniken die Entwicklung der IT-Industrie maßgeblich beeinflussten.

Kampf um freie Software

1980 wollte ein Forscher am Massachusetts Institute of Technology (MIT) die Software eines Laserdruckers von Xerox so modifizieren, dass sich Mitarbeiter über beendete Druckaufträge automatisch per E-Mail informieren lassen konnten. Doch Xerox wollte den Quellcode nur nach der Unterzeichnung einer Vertraulichkeitsvereinbarung herausgeben - damals ein Novum im Umgang mit Software. Der betroffene Hacker am MIT war kein Geringerer als Richard Stallman, dessen Kritik an Xerox wesentlich zum Entstehen der Open-Source-Bewegung beitrug. Stallman erklärte fortan proprietärer Software den Krieg und gründete das "GNU Project" und die Free Software Foundation.

Microsoft kommt davon

Microsofts letztes Stündlein schien geschlagen zu haben, als im Juni 2000 Distriktrichter Thomas Penfield Jackson den Softwareriesen im Kartellprozess schuldig sprach, mit rechtswidrigen Methoden seine Monopolstellung auf dem PC-Markt zu verteidigen und eine ähnliche Rolle im Browser-Markt anzustreben. Jackson ordnete kurz darauf an, den Konzern in zwei Unternehmen zu zerschlagen: eines für den Verkauf von Betriebssystemen, das andere für Anwendungen. Doch schon im folgenden Jahr wurde das "Todesurteil", wie Microsoft es nannte, von einem Berufungsgericht aufgehoben. Wie würde wohl heute die IT-Landschaft aussehen, hätte sich Jackson durchgesetzt?

Intel Pentium M

Als erste PC-Chips eine Gigahertz-Taktung erhielten, stieß das bisherige Chipdesign an seine Grenzen. Die Prozessoren wurden zu heiß und verbrauchten zu viel Strom. Dies war die Stunde des "Intel Pentium M". Der Prozessor kam 2003 auf den Markt und besaß ein radikal verändertes Design, das einen geringeren Stromverbrauch und effizientere Befehls-Pipelines (Instruction Pipelines) bot. Ursprünglich für mobile Rechner konzipiert, liegt der Pentium M heute allen nach 2006 präsentierten Intel-Chips zugrunde. Die frühere Chiparchitektur soll 2008 vom Markt verschwinden.

Wie Spam in die Welt kam

Einer der wichtigsten Dienste des Arpanets, des Vorläufers des Internets, war E-Mail. 1978 kam Gary Thurek, Marketing-Mitarbeiter bei Digital Equipment Corp. (DEC), auf die Idee, eine Einladung zu einer Produktpräsentation nicht wie bisher gezielt an einzelne Empfänger, sondern einfach an alle vermeintlichen Interessenten zu verschicken. Es war die Geburtsstunde von Spam: "Dies ist eine schamlose Verletzung des Arpanets, das nur offiziellen Zwecken dienen darf", zürnte der damalige Arpanet-Leiter Raymond Czahor und kündigte Maßnahmen gegen den Missbrauch von E-Mail an. Sagen Sie uns Bescheid, Herr Czahor, wenn Sie die Lösung haben!

Das Web wird asynchron

Noch im Jahr 2000 musste ein Web-Server bei jedem Seitenaufruf einen Round Trip machen und die komplette Seite neu laden. Noch schlimmer war es mit interaktiven Anwendungen wie E-Mail-Clients. Um diesen Engpass zu umgehen, schufen Microsofts Entwickler im selben Jahr mit dem Produkt "Outlook Web Access" die Möglichkeit, kleine Datenpakete asynchron zwischen dem Web-Server und dem Client zu übertragen. Diese Idee machte Schule. So folgte das Mozilla-Projekt im Jahr 2002 diesem Vorbild, integrierte vergleichbare Funktionen in seinen Browser "Mozilla 1.0" und nannte diese einen XMLHttpRequest. Eine neue Art der Web-Programmierung war geboren, die heute vor allem Asynchronous Javascript and XML (Ajax) für die Client-Entwicklung verwendet. Man muss also eigentlich Microsoft danken, dass prominente Ajax-basierende Web-Dienste wie Facebook oder Google Mail eine flotte Nutzung ermöglichen.

Apples Next move

1996 entschied Apples damaliger CEO Gil Amelio, das Startup Next zu kaufen. Dieses entwickelte nicht nur ein Unix-basierendes Betriebssystem, sondern wurde auch vom Apple-Mitbegründer Steve Jobs geleitet. Bald übernahm Jobs bei Apple wieder das Ruder und erfand in den folgenden Jahren das Unternehmen neu. Neben dem Betriebssystem "Mac OS X" zählen der iMac, der iPod sowie Server, Workstations und Laptops zu seinen Verdiensten. Ohne Next wäre Apple vermutlich nie wieder zur Kultfirma geworden.

Louis Gerstner rettet IBM

Als Louis Gerstner 1993 zum CEO von IBM ernannt wurde, befand sich der ehemalige IT-Gigant in Auflösung. Mit 4,97 Milliarden Dollar hatte das Management kurz zuvor den höchsten Verlust in der amerikanischen Firmengeschichte melden müssen und wollte infolge des versiegenden Mainframe-Verkaufs einige Konzernteile ausgliedern. Gerstner stoppte dieses Vorhaben und konsolidierte und straffte stattdessen Geschäftsbereiche. Zudem wurde das Software-Business ausgebaut und die Unternehmenskultur wieder mit Leben erfüllt. Doch Gerstners vielleicht wichtigste Entscheidung war der Schwenk vom reinen Produkt- zum Dienstleistungsgeschäft. Heute gehört IBM Global Services zu den profitabelsten Bereichen des Konzerns und steuerte 2007 einen Umsatz von 15 Milliarden Dollar bei. Das Beispiel IBM machte Schule und ließ andere Hersteller, einschließlich Open-Source-Anbietern, das Supportgeschäft als neues Standbein entdecken.

Netware und sein größter Feind

Das Netz-Betriebssystem "Novell Netware" eroberte Ende der 80er Jahre die IT im Sturm, weil sich mit ihm kostengünstig PC-Netzwerke mit gemeinsamen Datei-, Druck- und Verzeichnisdiensten aufbauen ließen. Doch als in den 90er Jahren immer mehr Unternehmen eine Verbindung zum Internet wünschten, bot Novell anders als der aufstrebende Rivale Windows NT keinen nativen Support für das Standard-Internet-Protokoll TCP/IP. Stattdessen hielt man an den älteren Protokollen IPX und SPX fest. Dies machte es Anwendern schwer, Netware-Server mit FTP-Clients, Browsern und E-Mail zu verbinden. Sie begannen schließlich, Netware-Server gegen Windows NT auszutauschen.

IT trifft auf Compliance

Als Folge der Bilanzskandale um Unternehmen wie Enron und Worldcom verschärften sich nach 2002 weltweit die gesetzlichen Auflagen zur Unternehmensberichterstattung. "Accountability" wurde zum neuen Sorgenkind der Unternehmen. Die IT sollte nun auf einmal alle rechtlich relevanten Finanzinformationen schnell und dokumentiert erfassen und sicher aufbewahren können. Das Thema "Compliance" wurde somit zur zentralen Aufgabe der IT.

Microsoft Office drängt ins Büro

Ende der 80er Jahre dominierten Programme für DOS wie "Wordperfect" oder "Lotus 1-2-3" den PC. Kaum ein Anwender konnte sich vorstellen, je zu den hausbackenen Microsoft-Programmen zu wechseln. Dies änderte sich mit dem Siegeszug von Windows und dessen grafischer Benutzeroberfläche. Schnell gelang es Microsoft, mit Word und Excel auch die entsprechenden Anwendungen bereitzustellen. Um das Jahr 1990 bündelte der Hersteller diese beiden Programme zusammen mit "Powerpoint" zur Office Suite. Die ehemaligen Marktführer blieben hingegen beim Verkauf einzelner Anwendungen und weigerten sich, Windows zu unterstützen. Das war eine tragische Fehlentscheidung. Bald schon wollten Anwender den Komfort der Office Suite nicht mehr missen.

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