Geschäfts-Software aus der Cloud

Welches Cloud-Modell ist das richtige?

Seit Oktober 2012 ist Jochen Wießler Leiter Geschäftsbereich Mittelstand und Partner bei der SAP Deutschland SE & Co. KG. Er verfügt über langjährige Management-Erfahrung im direkten und indirekten Vertrieb von Softwarelösungen sowie im Bereich Technologie- und Produkt-Marketing. Seine Stationen vor SAP umfassen unter anderem Oracle Deutschland und Microsoft Deutschland, wo er den Geschäftsbereich Microsoft Business Solutions verantwortete.

Ob Private, Public oder Hybrid Cloud, ob in-house, gehostet oder gemanagt – heute ist für jeden Anwender das Richtige dabei. Die Vielzahl an Möglichkeiten bringt dabei einige handfeste Vorteile mit sich. Unternehmen können je nach ihren Anforderungen, der bestehenden IT-Infrastruktur sowie nach strategischen Gesichtspunkten die für sie passende Cloud-Lösung wählen.

Kaum ein Thema in der IT wird so kontrovers diskutiert wie Cloud Computing. Für viele Business-Entscheider und IT-Verantwortliche ist die Cloud eine Technologie, mit der sich Geschäftsprozesse optimieren und ein Unternehmen insgesamt agiler gestalten lässt. Zudem gilt sie als probates Mittel, um den optimalen Nutzen aus IT-Investitionen zu ziehen.

Cloud-Skeptiker dagegen verweisen gerne auf die potenziellen Risiken des Cloud-Computings. Laut der Studie "Cloud Monitor 2015", welche die Beratungsgesellschaft KPMG und der deutsche Digitalverband Bitkom auf der CeBIT 2015 vorstellten, fürchten 60 Prozent der Unternehmen in Deutschland, dass Unbefugte auf ihre Daten zugreifen können, wenn sie Cloud-Computing-Dienste nutzen. An die 49 Prozent der Befragten befürchten sogar einen Verlust geschäftskritischer Informationen (sh.Abbildung 1).

Abb. 1: 60 Prozent der deutschen Unternehmen befürchten den Zugriff durch Ungefugte auf ihre Daten in der Cloud.
Abb. 1: 60 Prozent der deutschen Unternehmen befürchten den Zugriff durch Ungefugte auf ihre Daten in der Cloud.
Foto: Bitkom/KPMG

Umfrage zu CRM in der Cloud

Dennoch ist das Fazit von KPMG und Bitkom durchaus positiv. "Cloud-Computing wird zu einer Basistechnologie in deutschen Unternehmen", so die Quintessenz der Studie. Demnach setzten 2014 rund 44 Prozent der Unternehmen in Deutschland Cloud-Computing ein, immerhin vier Prozent mehr als 2013. Weitere 24 Prozent der Unternehmen prüfen oder planen derzeit den Einsatz von Cloud-Services. Nur für 32 Prozent der befragten Unternehmen ist die Cloud derzeit kein Thema.

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Cloud-Modelle: Private, Public oder Hybrid

Allerdings ist Cloud-Computing ein Begriff mit vielen Facetten. Denn Unternehmen können heute aus verschiedenen Modellen die Cloud-Variante wählen, die ihren Anforderungen in puncto Wirtschaftlichkeit, Sicherheit und Agilität am besten entspricht. Will ein Unternehmen Geschäftssoftware nutzen, stehen - vereinfacht gesagt - folgende Modelle zur Wahl:

  • Private Cloud, sprich ein "Do-it-yourself"-Ansatz, bei dem ein Unternehmen die Cloud-Umgebung selbst einrichtet und betreibt.

  • Public Cloud: IT-Services und/oder Software werden von einem externen Cloud-Service-Provider (CSP) bezogen.

  • Hybrid Cloud, das "Teils-teils-Modell", bei dem ein Unternehmen eine Private Cloud aufbaut, parallel dazu aber Public Cloud-Dienste nutzt.

Private Cloud: Die In-House-Variante

Laut dem Cloud Monitor 2015 nutzen derzeit 39 Prozent der Unternehmen in Deutschland IT-Services aus einer Private Cloud (sh. Abbildung 2). Damit ist dieses Modell das mit Abstand beliebteste. "Private" bedeutet, dass die unternehmenseigene IT-Abteilung die Cloud-Umgebung einrichtet, betreibt und exklusiv den Fachabteilungen des Unternehmens zur Verfügung stellt. Das heißt beispielsweise, eine Business-Lösung wird "on premise", also auf Servern und Storage-Systemen im Unternehmensrechenzentrum implementiert. Alternativ dazu besteht die Option, eine Hosted Private Cloud zu nutzen. In diesem Fall stehen die Server und Speichersysteme bei einem Hosting-Partner. Der Nutzer hat jedoch exklusiven Zugriff auf diese Systeme, sprich er muss die Infrastruktur nicht mit anderen Kunden des Providers teilen.

Abb. 2: Das Private Cloud-Modell wird von den Unternehmen bevorzugt.
Abb. 2: Das Private Cloud-Modell wird von den Unternehmen bevorzugt.
Foto: Bitkom/KPMG

Die IT-Services werden den Nutzern in einer Private Cloud als gemanagte Dienste zur Verfügung gestellt. Das heißt, die IT-Abteilung erledigt dies. Oder es wird ein Web-Portal eingerichtet, über das eine Fachabteilung oder ein User Cloud-Dienste eigenständig buchen kann. Solche Self-Service-Modelle erfreuen sich wachsender Beliebtheit, weil dadurch die IT-Abteilung entlastet wird. De facto ähnelt eine Private Cloud somit einem traditionellen Rechenzentrum.

Der größte Vorteil einer Private Cloud ist, dass ein Unternehmen die volle Kontrolle über die Anwendung, die Daten und die IT-Infrastruktur hat. Die Cloud-Umgebung kann somit auf die speziellen Anforderungen eines Unternehmens zugeschnitten werden. Denn Rücksichtnahme auf andere, externe Cloud-User erübrigt sich.
Dazu muss die IT-Abteilung sicherstellen, dass die Komponenten der Cloud reibungslos funktionieren. In einer Private Cloud kann es schwierig sein, die IT-Ressourcen entsprechend der tatsächlichen Nachfrage bereitzustellen. In vielen Fällen gestalten sich Private Clouds daher überdimensioniert.

Public Cloud: Der Dienstleister ist gefragt

Anders bei IT-Diensten, die über eine Public Cloud bezogen werden. In diesem Fall stellt ein Service Provider die Geschäftsanwendungen bereit, meist über Internet-Verbindungen. Die Hard- und Software zum Betrieb der Applikationen wird im Cloud-Rechenzentrum vorgehalten, dessen IT-Ressourcen sich mehrere Anwender teilen. Ein wesentlicher Punkt ist die Mandantenfähigkeit der IT-Systeme beim Cloud Service Provider: Es muss sichergestellt sein, dass die Daten der Kunden strikt getrennt voneinander gespeichert, bearbeitet und übermittelt werden. Das wird beispielsweise mithilfe von Technologien wie der Virtualisierung erreicht.

Im Bereich Software as a Service bietet eine Public Cloud folgende Vorteile:

  • Kurze Implementierungszeiten: Der Nutzer ordert beispielsweise eine Applikation beim Provider oder direkt beim Konzern.

  • Entlastung der eigenen IT-Abteilung: Betrieb und Wartung der Hard- und Software übernimmt der Cloud-Services-Provider.

  • Flexibilität: Es gibt kein Software-Lizenzmodell alter Prägung mehr. Abgerechnet wird auf Basis von Subskriptionsmodellen oder der Anzahl der tatsächlich genutzten Transaktionen.

  • Skalierbarkeit nach "oben und unten": Der Anwender kann die Zahl der genutzten Software-Instanzen an den aktuellen Bedarf anpassen.

  • Ein hohes Sicherheitsniveau: Cloud-Rechenzentren verfügen meist über bessere Sicherheitseinrichtungen sowie Backup- und Desaster-Recovery-Systeme als Firmen-Datacenter.

Public Cloud stößt auch auf Bedenken

Dennoch setzten laut der Studie von KPMG und Bitkom im Jahr 2014 nur 16 Prozent der Unternehmen in Deutschland Public Cloud Dienste ein. Weitere acht Prozent erwägen dies. Dafür gibt es mehrere Gründe. Einer ist die Angst, dass Geschäftsdaten verloren gehen oder in falsche Hände geraten könnten, wenn ein Public Cloud Service genutzt wird. Speziell in der EU gelten zudem verschärfte Datenschutzregeln, vor allem bei der Bearbeitung personenbezogener Informationen. Passiert bei einem Cloud-Services-Provider (CSP) eine Datenpanne, haftet auch der Nutzer von Cloud-Services.

Ob ein Unternehmen eine Geschäftssoftware via Public Cloud beziehen möchte, hängt nach Angaben der Beratungsgesellschaft Gartner von individuellen Faktoren ab. Etwa ob die Anwendung unternehmenskritisch ist, welche Compliance- und Datenschutzvorschriften für das Unternehmen gelten, über welche IT-Infrastruktur es verfügt und in welchen Regionen es tätig ist. Ebenso wie KPMG erwartet Gartner, dass vor allem Unternehmen außerhalb der USA verstärkt auf Private Cloud und "Managed" beziehungsweise "Hosted" Private Cloud Angebote setzen, wenn es um Software as a Service geht. Allerdings gibt es eine weitere Alternative, die die Private mit der Public Cloud vereint: die Hybrid Cloud.